Politik

Unternehmerverbände fordern weitere Heraufsetzung des Rentenalters

Unternehmerverbände fordern weitere Heraufsetzung des Rentenalters
foto: PeterBe / CC0 Public Domain

26.07.16 - 2006 hat die damalige Große Koalition das Renteneintrittsalter bereits auf 67 Jahre erhöht - mit weitreichenden Folgen für Beschäftigte und Rentner.  Aufgrund der breiten Kritik daran musste die jetzige Große Koalition schon kräftig zurückrudern. Doch jetzt wollen die Unternehmerverbände noch weiter gehen. Gegenüber der Bild-Zeitung forderte der Geschäftsführer des mit den Unternehmerverbänden verbundenen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Hubertus Bardt, das Rentenalter bis 2030 auf 69 Jahre und bis 2041 auf 73 Jahre zu erhöhen.

Sollen sich die Leute bald mit dem Rollator zum Werkstor schleppen? Die IW-Argumentation, dass die Rentner im Durchschnitt immer länger Rente beziehen, besagt ja noch lange nicht, dass sie noch fünf Jahre länger problemlos am Band schuften können. Natürlich wissen die Konzernvertreter genau, dass die Erhöhung des Rentenalters faktisch einem Rentensenkungsprogramm gleichkommt. Und genauso ist sie auch gedacht.

Mit der Erhöhung des Rentenalters wollen sie einer steigenden Beitragszahlung in die Rentenkassen entgegenwirken, die die Unternehmer zur Hälfte zu tragen hätten. Dafür soll die arbeitsfreie Zeit zwischen Renteneintritt und Tod so weit wie möglich verkürzt werden. Ihr Maximalprofit würde so ein weiteres Mal auf Kosten der arbeitenden Menschen gesichert.

Hans-Jürgen Urban, Vorstandsmitglied der IG Metall, erteilt diesen Plänen eine klare Absage: "Bekanntlich führt die Anhebung der Regelaltersgrenze nicht zu einem längeren Verbleib in den Betrieben, sondern zu drastischen Rentenkürzungen."

Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) will dagegen Ältere ebenfalls möglichst lange im Erwerbsleben halten. Dazu hat sie einen Entwurf für eine Flexi-Rente vorgelegt, die die Beschäftigten zum Arbeiten bis zur Regelaltersgrenze "motivieren" - oder besser unter Druck setzen - soll. Sieht so die von SPD-Chef Sigmar Gabriel verkündete Orientierung der Sozialdemokraten auf "mehr soziale Gerechtigkeit" aus? Wir erinnern uns an viele weitere sozialpolitische "Wohltaten" der SPD: von Hartz IV über die Ausdehnung der Leiharbeit bis zur Ausweitung des Niedriglohnsektors.

Die MLPD ist der Meinung, dass die sprunghaft gewachsene Arbeitsproduktivität es längst möglich macht, das Renteneintrittsalter drastisch zu senken. Sie fordert die Herabsetzung des Rentenalters auf 60 Jahre für Männer und auf 55 Jahre für Frauen - bei vollem Rentenausgleich. Darüber hinaus die Festsetzung einer staatlichen Mindestrente unabhängig von der persönlichen Berufstätigkeit. Die Sozialversicherungsbeiträge sollen vollständig durch die Kapitalisten bezahlt werden - über eine umsatzbezogene Sozialsteuer, damit kleinere Betriebe entlastet werden.