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Richtfest des "Hauses der Solidarität": "Die ganze Welt hat die Tür zugemacht und ihr in Truckenthal habt sie aufgemacht"

Richtfest des "Hauses der Solidarität": "Die ganze Welt hat die Tür zugemacht und ihr in Truckenthal habt sie aufgemacht"
Stefan Engel spricht zu den Teilnehmern des Richtfestes (rf-foto)

06.08.16 - Heute, um 15 Uhr, begann vor dem zukünftigen Flüchtlingsheim "Haus der Solidarität" ein bunt gemischtes internationales, stolzes und begeistertes Richtfest. Über 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus nah und fern feierten die Einweihung des fertiggestellten Rohbaus.

Nach einer Begrüßung durch Dagmar Kolkmann-Lutz, Leiterin der Einrichtung, sprach der Vorsitzende der MLPD, Stefan Engel. Dieses Haus zeige, dass wir nicht darauf angewiesen sind, was die Herrschenden sagen und dass wir uns dem nicht unterordnen, sondern unsere eigene Flüchtlingspolitik im Sinne des proletarischen Internationalismus verfolgen. Obwohl wir keinen Kredit von den Banken bekommen haben und keine staatliche Förderung, wurde dieses Haus auf die Beine gestellt. Es war möglich, weil insgesamt 28.000 freiwillige und uneltgeltliche Arbeitsstunden geleistet wurden, private Investoren 600.000 Euro an Krediten zur Verfügung stellten und 60.000 Euro an Spenden zusammenkamen.

Khadija von der PYD Rojava bedankte sich ausdrücklich für das Haus. Sie sagte, dass sie stolz ist, hier zu sein und darauf, wie viele Nationalitäten hier gemeinsam gebaut haben. Lisa Gärtner von der Verbandsleitung des Jugendverbands REBELL berichtete, dass der REBELL von Anfang an dabei war und über 1.000 Jugendliche daran schon mitgearbeitet haben.

Dagmar Kolkmann-Lutz machte deutlich, auf welche Unterstützung dieses Haus bereits in der Region stößt. So hat die Bürgermeisterin von Schalkau den Aktivisten des Trägervereins extra einen Ehrenplatz beim Schützenfest angeboten. Flüchtlingshilfen aus der Umgebung verfolgen es mit großem Interesse und Wohlwollen. Bauarbeiter aus Osteuropa, die auf dem Gelände übernachteten, streikten gegen die Verweigerung ihrer Lohnzahlung und haben während dieser Zeit ehrenamtlich mehrere Tage am Haus mitgearbeitet.

Erich Seifert, langjähriger Bauleiter, würdigte das Haus als tolles Projekt des proletarischen Internationalismus. Er ist seit dreizehn Jahren auf der Ferien- und Freizeitanlage in Truckenthal aktiv und hat erlebt, dass es möglich ist, mit Leuten unterschiedlichster Sprachen gemeinsam erfolgreich zu arbeiten. Ein Flüchtling aus Syrien betonte in Deutsch und Arabisch: "Die ganze Welt hat die Tür zugemacht und ihr in Truckenthal habt sie aufgemacht." Rotfüchse haben Spielzeug gesammelt und trugen ein weiter getextetes Kobanê-Lied vor.

Eine Gedenkminute gab es für den vor zweieinhalb Wochen verstorbenen Peter Löffler, ein Aktivist der Anlage und des "Hauses der Solidarität". Er war extra hierhergezogen, um das Projekt mit ganzer Kraft zu unterstützen. "Bauen wir es fertig, das ist in seinem Sinne und wäre sein größter Wunsch", so Klaus Dumberger von der Landesleitung Bayern.

Am Schluss wurde eine Tafel mit einer Inschrift enthüllt, die das Haus als Bestandteil des ICOR-Solidaritätspakts mit dem kurdischen Befreiungskampf würdigt und das Gebäude mit einer Flasche Sekt feierlich auf den Namen "Haus der Solidarität" getauft. Zum Redaktionsschluss fand ein Tribunal gegen die reaktionäre Flüchtlingspolitik und den Boykott der Anlage durch offizielle Stellen statt. Überall auf dem Gelände gibt es Essens- und Informationsstände und heute Abend wird zu einem bunten Abendprogramm eingeladen. Ein ausführlicher Bericht erfolgt morgen.

Hier geht es zu einem Bildreport, der einen bunten Überblick über dieses besondere Wochenende bietet!