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Zuspitzung im Syrien-Krieg

Zuspitzung im Syrien-Krieg
Bewohner von Manbidsch erreichen - auf der Flucht vor dem faschistischen IS - die befreiten Teile der Stadt (ANF)

05.08.16 - Längst ist die im Februar bei den Genfer Verhandlungen für Syrien vereinbarte "Waffenruhe" zur vollständigen Farce verkommen. Die Kämpfe in verschiedenen Landesteilen - vor allem um die nordwestsyrische Stadt Aleppo - spitzen sich dramatisch zu. Offensichtlich suchen vor allem das Assad-Regime und das mit ihm verbündete Russland eine Entscheidung.

In Aleppo haben Assad-Truppen und russische Streitkräfte den bisher noch von reaktionären Assad-Gegnern - wie der islamistisch-faschistischen Al-Nusra-Front - gehaltenen Osten der Stadt vollständig eingekesselt. Damit sind auch mindestens 300.000 Zivilisten, deren Nahrungsmittelvorräte spätestens in zwei Monaten erschöpft sein werden, im Kessel.

Nach UN-Angaben sind in ganz Syrien derzeit mehr als fünf Millionen Menschen von Nahrungsmitteln und medizinischer Versorgung nahezu abgeschnitten. Wer irgendwie kann, versucht aus den Kampfgebieten zu fliehen. Nachdem die türkische Regierung immer öfter syrische Flüchtlinge an der Grenze zurückweist, finden inzwischen viele in den selbstverwalteten nordsyrischen Kantonen Rojavas Aufnahme. Auch in Kobanê werden unter anderem schwerverletzte Flüchtlinge versorgt.

Die kurdische Nachrichtenagentur ANF meldet, dass die Allianz der Syrisch-Demokratischen Kräfte (SDF) inzwischen 90 Prozent des Stadtzentrums von Manbidsch aus den Händen des faschistischen IS befreit hat. Ebenso Dutzende umliegende Dörfer. Es kommt allerdings auch immer wieder zu Grenzverletzungen und Angriffen der türkischen Armee auf Einheiten der syrisch-kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG.

Während der IS zunehmend in die Defensive gerät, konnte die ebenfalls mit Saudi-Arabien und Katar verbündete Al-Nusra-Front zuletzt teilweise Boden gewinnen. Dass sie sich in letzter Zeit vom barbarischen Image des IS abzugrenzen versucht, ist ein taktisches Manöver, um von den USA wieder mehr Rückendeckung zu erhalten. Die Realität sieht anders aus: Vor allem im Nordwesten des Landes, in der Provinz Idlib, hatten ihre Milizen immer wieder lokale Räte abgesetzt, missliebige Journalisten entführt und Scharia-Gerichte eingesetzt. Als es in der ersten Jahreshälfte einige Tage ohne Luftangriffe gab, demonstrierten Tausende Syrer wieder auf ihren zerstörten Straßen. Nicht nur gegen Assad und den IS, sondern auch gegen die Al-Nusra-Front. (Quelle: www.zeit.de, 4.8.16)