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Demokratische Kräfte Syriens befreien strategisch wichtige Stadt Manbidsch

Demokratische Kräfte Syriens befreien strategisch wichtige Stadt Manbidsch
Links und Mitte: Die Menschen von Manbidsch feiern nach der Befreiung auf der Straße. Rechts: SDF-Kämpfer Ebu Eli (alle fotos: ANF; montage: rf-news)

14.08.16 - Die Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) haben den faschistischen sogenannten "Islamischen Staat" (IS) nach 73 Tagen Kampf aus der strategisch wichtigen Stadt Manbidsch in Nordsyrien vertrieben. Sie haben die Stadt mittlerweile völlig von den Banden des IS befreit und diesem damit den letzten direkten Nachschubweg aus der Türkei abgeschnitten (siehe rf-news). Wie schon in Kobanê, das im Februar 2015 vom IS befreit wurde, waren auch die Kämpfe um Manbidsch sehr verlustreich. Große Teile der Stadt sind zerstört.

In den bürgerlichen Medien wird vor allem die Unterstützung durch US-Luftangriffe als Hintergrund dieses bedeutsamen Erfolgs betont. Diese haben dazu beigetragen und konnten von SDF-Kräften taktisch genützt werden. Vor allem ist es aber ein Ergebnis der überlegenen Kampfmoral der in den SDF zusammengeschlossenen Freiheitskämpfer. So berichtet SDF-Kämpfer Ebu Eli aus Manbidsch gegenüber der kurdischen Nachrichtenagentur ANF, dass sie Autobomben-Anschlägen, gelegten Minen und Selbstmord-Attentaten der Faschisten getrotzt haben. Er sei glücklich, seine Stadt von den IS-Banden befreit zu haben (eigene Übersetzung). Auch bei den Einwohnern Manbidschs ist die Freude groß – Männer rasierten sich öffentlich ihre Bärte ab, Frauen verbrannten in der Öffentlichkeit die ihnen aufgezwungenen Gesichtsschleier.

Die SDF wurden Ende des Jahres 2015 gegründet - als Schritt des Zusammenschlusses verschiedenster fortschrittlicher in Opposition zum reaktionären Assad-Regime stehender Kräfte. Mit den kurdischen Volks- und Frauenverteidigungseinheiten (YPG/YPJ) aus Rojava, die den gut 20.000 Personen starken Kern der im Dezember 2015 gebildeten Allianz bilden, kämpfen arabische, christliche und turkmenische Milizen in gemischten Einheiten zusammen.

Während das faschistoide Erdogan-Regime in der Türkei den IS weiterhin mit Waffen und logistischer Unterstützung versorgte, rückten die SDF-Einheiten Schritt für Schritt auf die syrische IS-"Hauptstadt" Rakka vor. Manbidsch war deshalb ein wichtiger Erfolg auf diesem Wege, weil die Kontrolle über die Stadt auch die Kontrolle über die Straßen zur türkischen Grenze ermöglicht. Der IS wird in der kommenden Zeit voraussichtlich ein massives Nachschubproblem für Rakka bekommen. Zugleich ist die Befreiung Manbidschs auch ein strategischer Erfolg auf dem Weg zur Vereinigung der drei kurdischen Kantone Nordsyriens. Beides bedeutet einen Rückschlag für die Ziele des Erdogan-Regimes im Machtkampf um Syrien.

Der Erfolg der Kurden und mit ihnen verbündeten Kräften ist nicht zuletzt auch ein Erfolg des Solidaritätspakts der revolutionären Weltorganisation ICOR mit dem kurdischen Freiheitskampf. ICOR-Brigadistinnen und -Brigadisten haben mit dem Bau eines Gesundheits- und Sozialzentrums in der zuvor befreiten Stadt Kobanê zur Sicherung der militärischen Erfolge beigetragen (siehe rf-news).

Der Erfolg im Kampf um Manbidsch steht im scharfen Kontrast zu der wachsenden humanitären Katastrophe im nahe gelegenen Aleppo. Dort stehen sich islamistisch-faschistische Gruppen, von den westlichen Imperialisten unterstützte reaktionäre Milizen und die von russischen Kampfbombern unterstützten Truppen des Assad-Regimes gegenüber. Rund 300.000 Zivilisten sind in der Stadt eingeschlossen, deren Trinkwasser- und Nahrungsmittelvorräte zur Neige gehen.

Die unter anderem vom deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier geforderte Luftbrücke nach Aleppo könnte diesen Menschen zweifellos helfen. Der dramatische Kampf um Aleppo zeigt aber vor allem, dass die verschiedensten imperialistischen und neuimperialistischen Mächte, die in Syrien um vorherrschenden Einfluss kämpfen - einschließlich der BRD -, weder willens noch in der Lage sind, den Menschen dort zu helfen. Nur auf dem Weg des Befreiungskampfs, den die SDF-Kräfte im Norden Syriens eingeschlagen haben, können sich die Völker Syriens von allen kriegführenden Mächten befreien.