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"Schwarze Schande": Fotos von Gerda Taro in Leipzig mit Teerfarbe übermalt

"Schwarze Schande": Fotos von Gerda Taro in Leipzig mit Teerfarbe übermalt
Spanische Freiheitskämpferin trainiert am Strand von Barcelona (August 1936, Gerda Taro)

Albstadt (Korrespondenz), 18.08.16: Als Pionierin der modernen Kriegsfotographie gilt die Antifaschistin Gerda Taro – ihre Bilder aus dem Spanischen Bürgerkrieg sind weltbekannt. 2014 wurde der in ihrer Geburtsstadt Stuttgart nach ihr benannte Platz an der Ecke Hohenheimer-/Alexanderstraße neu gestaltet, 2010 ihr Werk im Stuttgarter Kunstmuseum gezeigt. Die Rote Fahne schrieb damals anlässlich ihres 100. Geburtstags: "Die Jüdin Gerta Pohorylle – so ihr usprünglicher Name – musste vor den Nazis fliehen und lernte im Pariser Exil den Ungarn André Friedmann kennen. Als Gerda Taro und Robert Capa wurden sie Fotoreporter der republikanischen Truppen, die im spanischen Bürgerkrieg, der durch den Militärputsch Francos 1936 ausgelöst wurde, gegen die Faschisten kämpften. Ihr gelang es, den Mut und die Lebensfreude, aber auch das Leid der Menschen darzustellen, die für ihre Befreiung einstanden. Gerda Taro kam auf tragische Weise 1937 während eines Gefechts ums Leben, den Sieg Francos, der von Hitlerdeutschland und dem faschistischen Italien unterstützt wurde, erlebte sie nicht mehr."¹

In Leipzig wurden nun ihre Bilder in einer öffentlichen Installation ausgestellt, die Teil des Festivals "Fotografie f/stop" war, das sich der Flüchtlingsfrage widmete. Am 4. August wurden diese Fotos von bisher Unbekannten mit schwarzer Teerfarbe übermalt. Getroffene Hunde bellen  – offensichtlich war dieser Vandalismus eine Reaktion auf die Veröffentlichungen zum kürzlich begangenen 80. Jahrestag des Beginns des Spanischen Bürgerkriegs!

Als "Schwarze Schande" wurde die Tat zurecht in der örtlichen Presse bezeichnet; der Verein Zentrum für Zeitgenössische Fotografie Leipzig fordert als Veranstalter des Festivals die Wiederherstellung der Bilder und ein öffentliches Vorgehen gegen die neofaschistischen Vandalen.

¹) Rote Fahne 17/2010, S. 28