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Einigung zwischen VW und Prevent - VW-Krise hat sich weiter vertieft

24.08.16 - Der Lieferstopp von Sitzbezügen und Gussteilen für Getriebe durch zwei in der Prevent-Gruppe zusammengeschlossene Automobilzulieferer hat den VW-Konzern rund 100 Millionen Euro gekostet. In sechs VW-Werken waren fast 30.000 Beschäftigte betroffen (rf-news berichtete unter der Überschrift "VW soll die Folgen seiner Krise selbst bezahlen"). Ausgangspunkt war, dass das sächsische mittelständische Unternehmen Car Trim die fristlose Kündigung eines Großauftrags durch VW und Porsche im Umfang von 56 Millionen Euro nicht akzeptiert hatte.

Normalerweise hätte ein Zulieferer gegenüber dem Übermonopol VW kaum Druckmittel. Für jedes Teil gibt es eigentlich mindestens zwei Lieferanten; dies gilt als Grundregel in der Autobranche. Diese werden durch die Automobil-Übermonopole gnadenlos gegeneinander ausgespielt und in den Würgegriff genommen. Auf dem Rücken der Arbeiter/-innen im Konzern und bei den Zulieferern wird um jeden Cent und um jede Minute gefeilscht. Im konkreten Fall hatte der Bezügelieferant aus Plauen seine Forderungen offenbar an das Schwesterunternehmen ES Autoguss aus dem benachbarten Schönheide in Sachsen abgetreten. Dieses Unternehmen, ES Autoguss, stellt Getriebeteile her - und war in diesem Bereich der einzige Zulieferer von VW.

So musste der VW-Konzern, um aus der Klemme zu kommen, Zugeständnisse machen. Der Konzern schloss einen langfristigen Liefervertrag mit ES Autoguss ab. Außerdem soll VW 13 Millionen Euro an CarTrim zahlen und seinerseits keine Schadensersatzforderungen stellen. Nach dem anfänglich martialischen Auftreten von VW, seinen Drohungen mit Geld- und Gefängnisstrafen sowie Polizeieinsatz, mutet dies doch recht kleinlaut an. Eine Blamage ist der Vorgang auch für die bürgerlichen Politiker wie den niedersächsischen Regierungschef und rechte Gewerkschaftsführer wie den Gesamtbetriebsrats-Vorsitzenden Bernd Osterloh. Wie es das "System VW" vorsieht, hatten sie in blinder Vasallentreue Partei für VW ergriffen und in die Drohungen gegen die Zulieferer eingestimmt.

Tatsächlich konnte das rücksichtslose Diktat von VW gegenüber seinen Zulieferern ausnahmsweise ein Stück weit durchbrochen werden. Unter dem Dach der Investorengruppe Prevent agierten die mittelständischen Zulieferer nicht einzeln. Die Tinte unter dem Vertrag zwischen VW und ES Autoguss war noch nicht trocken, als bereits neue Drohungen von VW laut wurden: Man werde künftig keine Geschäfte mehr mit in Konzernen zusammengeschlossenen Lieferanten machen. Der Vertrag sieht bereits vor, dass VW 20% seiner benötigten Gussteile anderswo einkauft.

VW ist wie alle Autokonzerne von seinen Lieferanten abhängig. Rund drei Viertel der Teile in einem Auto stammen nicht von VW. Ob Stoßstange, Scheinwerfer, Sitz, Bremsen, Schiebedach, Getriebe- oder ganze Karosserieteile – sie werden "just in time", d.h. zeitgenau, und einbaufertig von den Zulieferern an die Bänder der Autofabrik gebracht. Ein Durchbrechen dieser Kette bringt alles zum Erliegen. Damit machte der "Lieferstreik" vor allem deutlich, wie anfällig die internationalisierte kapitalistische Produktion ist. Ein gemeinsamer Kampf der Arbeiter im VW-Konzern und in der Zuliefererindustrie kann eine gewaltige Kraft entfalten.

Der gemeinsame Kampf der Belegschaften von Autobauern und Zulieferern ist der einzig richtige Weg. Die Auseinandersetzung zwischen dem weltweit achtgrößten Übermonopol und der Zulieferergruppe wird rücksichtslos ausgetragen auf dem Rücken ihrer Belegschaften. Das ist Grundlage für den gemeinsamen Kampf von VW-Kollegen und Kollegen der Zulieferbetriebe um gleiche Lohn- und Arbeitsbedingungen und darum, dass VW die Folgen seiner Krise selbst bezahlen muss. Diese hat sich weiter vertieft. ndr-info schreibt von einer "Erschütterung der VW-Welt".

Die Betriebsgruppen der MLPD bei VW treten der Spaltung in Konzern- und Zuliefererbelegschaften entschieden entgegen und fördern den gemeinsamen Kampf.

Hintergründe, Informationen und Forderungen gegen die Abwälzung der Lasten der VW-Krise in der Broschüre der MLPD: "Wie Automonopole mit Hilfe des Staates Milliardenprofite durch höchst kriminelle Machenschaften einstreichen"