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"Schutzschild Euphrat" richtet sich nicht gegen den IS

26.08.16 - Murat Karavilan, Mitglied des Exekutiv-Komitees der Kurdischen Arbeiterpartei PKK, erklärte am gestrigen Donnerstag, dass die angebliche Säuberung der syrischen Grenzstadt Dscharablus von den faschistischen IS-Banden durch die türkische Armee und die mit ihnen zusammen operierenden syrischen "Rebellen" eine reine Farce sei. Tatsächlich sei Dscharablus an die Türkei in völligem Einvernehmen mit den IS-Faschisten übergeben worden. Es gebe hierüber eine Vereinbarung zwischen der türkischen AKP-Regierung und dem IS. Dies berichten auch andere Medien: die türkische Armee habe Dscharablus sozusagen "besenrein" übernommen. Das bedeutet, dass die IS-Faschisten abziehen konnten, um ungestört weiter ihr menschenverachtendes Unwesen zu treiben. Die Lebensdauer des IS werde dadurch verlängert, und er werde weiterhin faschistische Anschläge auch in Europa verüben.

Mit diesen Berichten wird Erdogans angebliche IS-Verfolgung vollends Lügen gestraft. Nach den nicht abreißenden Enthüllungen über die Fortsetzung türkischer IS-Unterstützung war es von Beginn an durchsichtig, dass die ganze Operation "Schutzschild Euphrat", in der die türkische Armee auf syrisches Staatsgebiet vordrang, gegen die Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) mit ihrem Kern der kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG gerichtet war. Nach den großen Erfolgen des aufopferungsvollen Kampfs der kurdischen Freiheitskämpfer in den letzten Wochen musste Erdogan mehr denn je befürchten, dass es in Kürze gelingen würde, die drei Kantone Rojavas zu einem zusammenhängenden Gebiet zu vereinigen.

Folgerichtig griff die überlegene türkische Militärmaschinerie vor allem Einheiten der SDF an und führt keineswegs einen Feldzug gegen die IS-Faschisten, sondern gegen die selbstverwalteten demokratischen Strukturen in Rojava. Dabei leisten keineswegs nur kurdische, sondern insbesondere lokale arabische Einheiten der SDF den türkischen Invasoren Widerstand.

Die Demokratischen Kräfte Syriens genießen in der Region ein sehr großes Ansehen und üben eine große Anziehungskraft aus. Sie sind in der geschundenen Region eine Kraft, die Einheit schafft und Hoffnung gibt. Hier, wo alte und neue Imperialisten um ihres Einflusses in der geostrategisch bedeutenden Gegend willen immer neue Verwüstungen, Kriegsopfer und Fluchtursachen anrichten. So verbinden sich in den SDF arabische, assyrische und turkmenische Mitglieder. Sie schützen die demokratischen Selbstverwaltungsorgane, Wiederaufbau und Frauenrechte. Es sagt alles über die Motive des faschistischen Erdogan-Regimes und seine Helfershelfer in Ost und West, dass die Militäroperation "Schutzschild Euphrat" gerade diese Strukturen der demokratischen Autonomie und Selbstverwaltung zerstören wollen.

An "Schutzschild Euphrat" beteiligen sich 3.000 sogenannte syrische Rebellen. Dies berichtet u.a. die Deutsche Presse-Agentur. Die illustre Gesellschaft setzt sich aus mehr als einem Dutzend verschiedener Fraktionen zusammen, darunter viele islamistisch-faschistische Kräfte von Al-Nusra und anderen. Ein Teil der beteiligten Gegner des Assad-Regimes sei zur Vorbereitung in der Türkei ausgebildet und kurz vor Beginn der türkischen Offensive aus der Türkei an die türkisch-syrische Grenze gebracht worden. Andere kommen aus Azaz und Bab Al-Hawa, zwei Städten in der Provinz Aleppo. Die Ziele dieser sogenannten Rebellen decken sich in ihrer Feindschaft gegen den kurdischen Freiheitskampf.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte "Verständnis" dafür, dass Erdogan gegen die Kurden vorgeht. Auch die russische Regierung gab zunächst grünes Licht für die türkische Invasion, in der Hoffnung auf eine Lockerung der Nato-Bindung der Türkei und einer Erhaltung des Assad-Regimes für eine "Übergangsphase". Worauf dies den USA zu bunt wurde, sie sich ihres demokratischen Mäntelchens entledigten und sich voll hinter die türkische Panzerinvasion stellten.

MLPD und ICOR solidarisieren sich vorbehaltlos mit dem Kampf der Bevölkerung in Rojava für nationale und soziale Befreiung. Sie verurteilen jede imperialistische Intervention, sei es von den "alten" Imperialisten Russland und USA, der Türkei mit ihren neoimperialistischen Interventionen wie die Angriffe der faschistischen Terrorbanden in Syrien.