Politik

VW soll die Folgen seiner Krise selbst bezahlen! Artikel auch im Flyer-Format

VW soll die Folgen seiner Krise selbst bezahlen! Artikel auch im Flyer-Format
Broschüre gegen Spende überall bei der MLPD

22.08.16 - Zwei Zuliefererunternehmen, Car Trim aus Plauen und ES Automobilguss aus Schönheide, haben die Lieferung von Sitzbezügen und Getriebeteilen an den VW-Konzern ausgesetzt. Die beiden Zulieferer gehören zur Prevent-Gruppe mit Hauptsitz in Slowenien. Durch den Lieferstopp ist die Produktion in sechs VW-Werken beeinträchtigt, beinah 30.000 Arbeiterinnen und Arbeiter in diesen Werken sind betroffen. In Wolfsburg wird der Golf von heute an bis zum Samstag nicht hergestellt, in Zwickau befinden sich 6.000 Beschäftigte in Kurzarbeit, in Kassel ruhen Teilbereiche der Getriebe- und der Abgasanlagenfertigung vom 25. bis 29. August ruhen. In Emden dauert die Kurzarbeit für 7.500 Beschäftigte bereits seit Donnerstag, auf die Arbeiter in Salzgitter und Braunschweig kommt ebenfalls Kurzarbeit zu.

In den bürgerlichen Medien wird die Auseinandersetzung teilweise wie ein Streit um Kaisers Bart dargestellt. Das ist sie jedoch mitnichten. Hintergrund ist der gnadenlose Würgegriff, in den die internationalen Übermonopole wie VW und Daimler die Zuliefererbetriebe nehmen. So hatte Car Trim mit VW einen Entwicklungsauftrag, der für das mittelständische Unternehmen im Falle der Verwirklichung ein Volumen von rund einer halben Milliarde Euro gehabt hätte. VW und Porsche - beide sollten neu entwickelte Sitze beziehen - kündigten den Vertrag aber Ende Juni. Da aber hatte Car Trim längst Investitionen getätigt und Leistungen erbracht.

VW und andere Autobauer diktieren die Preise für Zulieferteile immer weiter. VW-Vertreter gehen direkt in die Produktion der Zulieferer und schreiben vor, wie der Ausbeutungsgrad erhöht werden kann. So tragen die internationalen Übermonopole ihren Konkurrenzkampf um die weltmarktbeherrschende Stellung gnadenlos auf dem Rücken der Beschäftigten aus, und zwar der Beschäftigten im Konzern wie in der Zuliefererindustrie.

Sofort reagiert auch das "System VW": VW-Konzernchef Matthias Müller will mit aller Härte den "Lieferstreik" unterdrücken und droht damit, dass Polizei eingesetzt werde. Ein Gericht in Braunschweig verurteilt die Zulieferer zur Herausgabe der Produkte. Der SPD-Landeschef von Niedersachsen, Stephan Weil, droht Prevent Zwangsmaßnahmen an. Der Konzernbetriebsrats-Vorsitzende Bernd Osterloh spricht von einem "miesen Spiel". Er greift aber nicht die VW-Konzernzentrale an, sondern die Zulieferer.

Bisher ist die Kurzarbeit für Tausende Beschäftige in den VW-Werken noch nicht beantragt, VW hat aber jedenfalls die Absicht dazu. Offiziell darf Kurzarbeitergeld nur dann gewährt werden, wenn der Arbeitsausfall konjunkturell bedingt ist oder auf einem "unabwendbaren Ereignis" beruht. Der Griff in die Sozialkassen ist für VW ganz offenbar attraktiver, als aufkosten seiner Profite das "Ereignis" abzuwenden und die geforderten Entschädigungen an die Zulieferer zu bezahlen.

Die Betriebsgruppen der MLPD fordern statt Kurzarbeit die Anwendung des Tarifvertrags: "Wir sehen nicht ein, dass  aus unsern Beiträgen die Kurzarbeit finanziert wird. Dafür muss VW zahlen!" Nach einem Tarifvertrag bei VW kann in solchen Fällen die Arbeitszeit auf 25 Wochenstunden bei vollem Lohnausgleich reduziert werden.

Die Maßnahmen gegen die Zulieferer sind Teil eines ganzes Programms, mit dem die Konzernspitze die sich vertiefende VW-Krise auf die auf die Beschäftigten und Gesellschaft abzuwälzen versucht. So bereitet der VW-Vorstand unter dem Titel "Zukunftspakt 2025" nach eigenen Worten einen "regelrechten Konzernumbau“ vor. Er soll bis September vereinheitlicht und im Oktober im Aufsichtsrat beschlossen werden. Ganze Marken und Werke und damit Tausende von Arbeitsplätzen stehen zur Disposition.

Umso wichtiger ist die Erfahrung, wie schnell heute ein Streik die internationalisierte Produktion erschüttern und ganze Riesenwerke stilllegen kann.

  • VW muss für die Folgen der Krise bezahlen!
  • Statt Kurzarbeit Anwendung des Tarifvertrags zur 25-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich!
  • Gemeinsamer Kampf der Beschäftigten in der Autoindustrie mit den Beschäftigten in der Zulieferindustrie!

  • Kampf für gleiche Löhne und Arbeitsbedingungen in der Zulieferindustrie wie bei VW.

  • Gegen die Abwälzung der Krisenlasten auf die Beschäftigten bei VW und den Zulieferern, auf ihre Familien, die Kommunen und die Arbeitslosen!

Der Artikel als Flyer im pdf-Format