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Das Milliardengeschäft mit der Gesundheit

Das Milliardengeschäft mit der Gesundheit
Mindestens 162.000 Arbeitskräfte fehlen in den deutschen Krankenhäusern (foto: ver.di)

07.09.2016 – Gestern ging die Meldung durch die Medien, dass Fresenius, einer der weltweit führenden Medizinkonzerne, den spanischen Krankenhauskonzern Quirónsalud übernehmen wird. Quirónsalud ist die größte private Klinikkette in Europa außerhalb Deutschlands. 5,76 Milliarden Euro zahlt Fresenius dafür und übernimmt damit 43 Kliniken mit 35.000 Beschäftigten. Der Vorstandsvorsitzende von Fresenius, Stephan Sturm, begründet diese größte Übernahme der Firmengeschichte: "Der Markt hat Aufholpotenzial". Weitere Zukäufe schließt Sturm nicht aus.

Das Handelsblatt freut sich für die Aktionäre: "Für die Investoren ist Fresenius schon länger zum Star im Dax avanciert".¹ Der Nettogewinn sei in den letzten zehn Jahren versechsfacht, der Umsatz mit knapp 28 Milliarden Euro mehr als verdreifacht worden.

Das Gesundheitswesen hat sich zu einer gigantischen Profitquelle für das internationale Finanzkapital entwickelt. Vor zehn Jahren kaufte Fresenius die deutsche Klinikkette Helios, 2013 kamen 43 Kliniken und 15 medizinische Versorgungszentren des Rhön-Konzerns dazu, Helios wurde zum größten europäischen Krankenhauskonzern mit 68.000 Beschäftigten. In Deutschland stieg der Anteil der privaten Krankenhäuser von 15,2 Prozent im Jahr 1991 auf 34,6 Prozent 2015.

Mit der Neuorganisation der internationalen Produktion seit den 1990er Jahren wurden Stück für Stück staatliche Dienstleistungseinrichtungen privatisiert und damit für die Monopole neue Anlagemöglichkeiten für ihr überschüssiges Kapital geboten. Für die überschuldeten Kommunen oftmals ein verlockendes Geschäft. Doch dadurch wurden auch zunehmend alle Bereiche der Produktion und Reproduktion des menschlichen Lebens auf die Erzielung von Maximalprofit ausgerichtet. Das Gesundheitswesen lässt riesige Zuwächse erwarten, da sich in den Industrieländern die Zahl älterer, kranker und pflegebedürftiger Menschen deutlich erhöhen wird.

Zu den Auswirkungen der Privatisierung von Kliniken sagt Günter Wagner, Facharzt für Allgemeinmedizin in Gelsenkirchen: "Man muss das natürlich im Zusammenhang mit der gesamten Kommerzialisierung des Gesundheitswesens sehen. Die privaten Krankenhäuser spezialisieren sich tendenziell auf profitbringendere Bereiche wie Herzkatheter-Untersuchungen, Hüft- und Knieoperationen usw. Vor allem aber machen sie Zusatzprofite dadurch, dass sie die Methoden der Ausbeutung der Beschäftigten perfektionieren."

Im Internet gibt es eine Flut von Kritiken von Patienten an der Realität der Behandlung in Helios-Kliniken, die wie gesagt ebenfalls zu Fresenius gehören. Immer wieder kämpfen auch Beschäftigte gegen ihre nicht zu verantwortende Arbeitssituation und die Gefährdung von Patienten. So wandte sich der Personalrat der Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken in Wiesbaden am 23. Februar an die Öffentlichkeit und enthüllte, der "entgegen internationaler Experten-Empfehlungen zu niedrig angesetzte Helios-Standard in der Personalplanung: Eine 1:12 Betreuung im Frühdienst, 1:18 im Spätdienst und 1:36 Betreuung im Nachtdienst auf normalen Pflegestationen führt zu extremen Belastungssituationen des Pflegepersonals ..."²

Die Privatisierung und Konzentration im Gesundheitswesen führt aber auch zigtausende Beschäftigte über Ländergrenzen hinweg zusammen – sie sind, wenn sie sich zusammenschließen, eine starke Kraft im Kampf gegen die Diktatur des internationalen Finanzkapitals.

¹ Handelsblatt, 6.9.2016

² www.wiesbadenaktuell.de, 23.2.2016