Politik

Über 1 Million Leiharbeiter/-innen – zunehmende Ausbeutung und Spaltung bekämpfen!

Über 1 Million Leiharbeiter/-innen – zunehmende Ausbeutung und Spaltung bekämpfen!
(foto: MLPD)

09.09.16 - Die Zahl der Leiharbeiter und Leiharbeiterinnen steigt immer weiter an. Die Bundesregierung musste am Mittwoch auf Anfrage der Linkspartei einräumen, dass mit 961.000 erfassten Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter Mitte 2015 ein neuer offizieller Höchststand erreicht wurde. 1994 gab es nur etwa 138.000 Leiharbeiter, 2004 waren es schon 400.000. Zurzeit dürfte die Millionengrenze deutlich überschritten sein. Vor allem die Jugend ist betroffen: Mehr als 30 Prozent aller Leiharbeiter sind zwischen 15 und 30 Jahre alt.

Diese Entwicklung wurde vor allem durch das von der SPD-Regierung unter dem damaligen Bundeskanzler Gerhad Schröder (SPD) 2003 eingeführten Gesetz "Hartz I" ermöglicht. Dadurch wurden sämtliche bis dahin geltenden Beschränkungen der Leiharbeit aufgehoben und den Monopolen der Weg frei gemacht, Arbeitsplätze dauerhaft mit Leiharbeitern zu besetzen. Leiharbeiter können sie nach Belieben heuern und feuern, ohne auf Kündigungsschutz und Kündigungsfristen Rücksicht nehmen zu müssen. Seitdem wurden immer mehr Bereiche ausgegliedert, Teile der Belegschaften dadurch von der Stammbelegschaft abgetrennt, in kleinere Betriebe mit niedrigerer Bezahlung und schlechteren Arbeitsbedingungen ausgelagert oder in Leiharbeitsplätze verwandelt.

Für die Monopole ist das eine äußerst profitable Methode, die Ausbeutung der Arbeitskraft zu steigern und die Arbeiterklasse zu spalten. Der Durchschnittslohn von Leiharbeiterinnen und Leiharbeitern liegt heute mit 1.700 Euro brutto deutlich unter dem der so genannten "Stammarbeiter". Fast zwei Drittel liegen unter der offiziellen "Niedriglohnschwelle" von rund 1.970 Euro brutto. 5,7 Prozent der Leiharbeiter müssen ihren Lohn mit Hartz IV aufstocken. Mehr als verdoppelt hat sich auch die Zahl der Werkverträge, zwischen 2002 und 2014 von 350.000 auf 760.000. Hier werden die Leiharbeiter-Löhne noch einmal deutlich gedrückt, und die Betroffenen sind quasi rechtlos.

Unter dem Druck ständiger Drohungen mit Auslagerungen und Fremdvergaben wurde das Lohnniveau zugleich für alle Beschäftigten gesenkt und ihre Arbeitszeiten flexibilisiert und ausgeweitet. So stieg die Zahl der Beschäftigten, die regelmäßig länger als 48 Stunden pro Woche arbeiten, in den letzten 20 Jahren um 30 Prozent an. Die Zahl der Schichtarbeiter und -arbeiterinnen erhöhte sich im gleichen Zeitraum von 3,8 Millionen auf 5,6 Millionen. Insbesondere Leiharbeiter haben oft die längsten und massiv flexibilisierte Arbeitszeiten.

Seit Jahren gibt es Proteste und Kämpfe gegen Leiharbeit und Werkverträge. Sie nehmen in letzter Zeit wieder deutlich zu. Massive Proteste gab es z.B. Ende 2015 in der Automobilindustrie. Am 25. Februar protestierten die Stahlarbeiter bei TKSE in Duisburg dagegen. In München fand im April eine Demonstration mit mindestens 3.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. Erst jüngst wurde in den beiden Ameos-Kliniken in Osnabrück und Hildesheim nach wochenlangem Streik u.a. die teilweise Übernahme der Leiharbeiter durchgesetzt.

Davon getrieben verspricht Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD), mit einem neuen Gesetz "gleichen Lohn für gleiche Arbeit ohne Schlupflöcher" sicherzustellen. Das ist glatt gelogen. Der Entwurf sieht vor, dass Leiharbeiter erst nach neun Monaten gleich bezahlt werden. Sie sollen erst nach 18 Monaten Arbeit übernommen werden. Dabei dauert nur jedes vierte Leiharbeitsverhältnis mehr als neun Monate. 15 Prozent dauern 15 Monate, weniger als 12 Prozent 18 Monate oder länger. Im Durchschnitt arbeiten Leiharbeiter sogar nur für drei Monate in einem Betrieb. Außerdem sollen noch Abweichungen per Tarifvertrag und bei nicht tarifgebundenen Unternehmen durch Betriebsvereinbarungen möglich bleiben.

Stammbelegschaften, Leiharbeiter und Werksverträgler, Jung und Alt müssen deshalb ihren Widerstand verstärken.

  • Gemeinsam für die Übernahme aller Leiharbeiter und befristet Beschäftigten in unbefristete Arbeitsverhältnisse im Entleiherbetrieb!
  • Sofortige gleiche Bezahlung für gleiche oder vergleichbare Arbeitsplätze und volle rechtliche Gleichstellung von Leiharbeitern und Beschäftigten des Entleiherbetriebs!
  • Weg mit den Hartz-Gesetzen!
  • Kampf der Ausbeutung - Nieder mit dem Lohnsystem!