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Vor 75 Jahren begann die faschistische Belagerung Leningrads

08.09.16 - Am 8. September 1941 schloss die faschistische deutsche Wehrmacht die 3,2 Millionen-Metropole Leningrad ein. 872 Tage bis zum 27. Januar 1944 dauerte die Blockade. "Nach dem Holocaust war die Blockade Leningrads der größte Akt eines Genozids in Europa während des Zweiten Weltkriegs." So der US-Historiker Richard Bidlack und sein russischer Kollege Nikita Lomagin.

Sie ist bis heute eines der dramatischsten Beispiele der skrupellosen Barbarei des Hitlerfaschismus. Die Zerstörung der "Wiege des Bolschewismus" nannte Hitler schon Ende 1940 als Ziel. Reichsmarschall Hermann Göring, der die ökonomische Ausbeutung der besetzten Gebiete koordinierte, erklärte lapidar: "Aus wirtschaftlichen Überlegungen ist die Eroberung großer Städte nicht erwünscht, ihre Einschließung ist vorteilhafter."

Planmäßig wurde von deutschen Bomberpiloten die Hungerkatastrophe der Stadt herbeigeführt: Lebensmittellager, Wasserwerke usw. wurden bombardiert. Rund eine Million Zivilisten wurden so ermordet.

Durch beispiellose Opferbereitschaft, Kampfmoral und Solidarität der ganzen Sowjetunion, dem Einsatz von zehntausenden von Partisanen und schließlich durch eine Großoffensive der Roten Armee mit 1,2 Millionen Soldaten konnte die Blockade nach 872 Tagen am 27. Januar 1944 durchbrochen werden.

Jahrzehntelang verweigerte die bundesdeutsche Geschichtsschreibung, die barbarische Belagerung als Kriegsverbrechen und Genozid anzuerkennen. Sie stufte sie als gebräuchliche Methode der Kriegsführung und "normales Kriegsereignis“ ein. Es ist eine Niederlage des modernen Antikommunismus und ein Zugeständnis an den Linkstrend, dass Bundespräsident Joachim Gauck vor zwei Jahren an den russischen Präsidenten Putin immerhin schrieb: "Deutschland ist sich seiner geschichtlichen Verantwortung für das Leid, das den Einwohnern Leningrads angetan wurde, und für die brutale Kriegsführung seiner Soldaten, Einsatzgruppen und SS-Formationen bewusst."

In der Willi-Dickhut-Bibliothek in Gelsenkirchen gibt es zwei sehr interessante Filme zu dem Thema: "Der unvergessene Krieg" sowie "Blockade - 900 Tage in der Hölle von Leningrad".