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Samstagsmütter: "Wo sind unsere Verschwundenen?"

Samstagsmütter: "Wo sind unsere Verschwundenen?"
Foto: Rojaciwan

21.09.16 - "Unser Schrei erklingt nun in der 600. Woche. 21 Jahre, 600 Wochen lang dauert unsere Suche nach Gerechtigkeit. Wir rufen die Öffentlichkeit auf, uns in der 600. Woche zu unterstützen und gemeinsam die Stimme zu erheben." So der Aufruf der "Samstagsmütter", den die AvEG-Kon, die Konföderation der unterdrückten Migranten in Europa, verbreitet.

In den 1990er-Jahren fanden in der Türkei und in Nordkurdistan massenhaft Hinrichtungen und Morde infolge von Folter durch den türkischen Staatsapparat statt. Am 21. März 1995 wurde Hasan Ocak, der gegen die Diktatur kämpfte, von der Polizei nach einem Aufstand im Istanbuler Stadtteil Gazi entführt. In der Haft ist er verschwunden. Nachdem die Familie sowie Freunde Hasan Ocaks den Fall erfolgreich an die Öffentlichkeit getragen hatten, wurde die Leiche Hasan Ocaks am 17. Mai 1995 gefunden. Aus der Kampagne für Hasan Ocak entstand der organisierte Kampf der Samstagsmütter gegen das Verschwindenlassen in der Haft.

Am 27. Mai 1995 begannen die Samstagsmütter mit ihrer ersten Sitzaktion vor dem Galatasaray-Gymnasium in Istanbul unter dem Motto 'Die Mörder sind bekannt, wo sind die Verschwundenen', um gegen das Verschwindenlassen unter Haft durch den Staat zu kämpfen.

"Doch seit 21 Jahren bekommen wir keine Antwort", heißt es weiter in dem aktuellen Aufruf. "Die heutige Regierung überragt die vorangegangenen aus den 90´gern mit ihren schmutzigen Kriegskonzepten, mit neuen Verschwundenen, neuen Menschenrechtsverletzungen, neuen Verhaftungen und Massentötungen. Stimmen, welche Demokratie, Frieden und Gerechtigkeit fordern, werden erdrosselt und es wird versucht, jegliche menschlichen Werte zunichte zu machen."

Am Samstag, den 24. September, finden in mehreren Städten Solidaritätsaktionen mit den Samstagsmüttern statt. Darunter:

  • In Berlin: Um 12 Uhr am Kotbusser Torn in Kreuzberg
  • In Köln: Um 11 Uhr am Breslauer Platz.