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VW-Audi-Bosch: VW-Krise breitet sich aus

VW-Audi-Bosch: VW-Krise breitet sich aus

24.09.16 - Hektisches Krisenmanagement bestimmte die gestrige Aufsichtsratssitzung des VW-Konzerns in Wolfsburg. Anfang letzter Woche war der neue Chef-Entwickler bei Audi, Stefan Knirsch, beurlaubt oder entlassen worden - bis heute gibt es hierzu widersprüchliche Medienmeldungen. Ferner wurde Audi-Chef Rupert Stadler von internen Ermittlern verhört, nachdem er zuvor bei den US-Ermittlungsbehörden vorsprechen musste. In den Fokus der Ermittlungen geriet Stadler wegen Knirsch, den er persönlich Anfang 2016 als vermeintlich unbelasteten Nachfolger eines tief verstrickten Managers bestellte. Nun stellte sich heraus, dass Knirsch sogar einen Meineid geschworen hat: von nichts habe er eine Ahnung gehabt, versicherte er - dabei wusste er seit 2010 Bescheid und hat selbst an der Betrugssoftware mitgewirkt.

Zeugen im Konzern haben gegen Stadler ausgesagt, dass er die E-Mail eines Audi-Ingenieurs "ganz ohne Bescheißen geht es nicht" aus dem Jahr 2007 sehr wohl kannte und nichts unternahm. Süddeutsche Zeitung, WDR und NDR berichteten über weitere belastende Unterlagen. Entgegen bisheriger Angaben in der Öffentlichkeit und in den Verhören hat Audi bei eigenen Dieselfahrzeugen gezielt eine Manipulations-Software eingesetzt, um einen geringeren Ausstoß der schwer gesundheitsschädlichen Stickoxide vorzutäuchen. Dies ist besonders brisant, als Audi sich überall als Umweltschützer par excellence brüstet.

Interessanterweise ist ein Bericht des Bayerischen Rundfunks vom 22. September nach kurzer Zeit wieder aus dem Netz verschwunden. Dort hatte es geheißen, dass es ein "strafgeldbewehrtes" Schweigeabkommen zwischen den US-Ermittlern, den internen VW-Ermittlern und den beteiligten Ingolstädter Managern gegeben habe. "Blankes Entsetzen" hätten die Medienberichte in der Ingolstädter Chefetage ausgelöst, weil aus ihnen ja zweifelsfrei hervorgeht, dass die Schweigegelübde nicht eingehalten worden sind - mindestens von einem Beteiligten.

Nun ist es offenbar in den verflochtenen und verstrickten VW-Chefetagen noch einmal - zumindest vorläufig - gelungen, "Saubermann" Stadler auf seinen Stühlen zu halten. Er sitzt in seiner Funktion als Audi-Chef auch im Vorstand des VW-Konzerns.

In der Broschüre der MLPD zur VW-Krise wird festgestellt: "Audi, Porsche und BMW betrieben seit 1996 in Weissach, Baden-Württemberg, ein gemeinsames Abgaszentrum … und gemeinsam wissen sie bestens Bescheid über die Art und Weise der 'Lösungen' zur Einhaltung von Grenzwerten!" (S.16/17)

Auch die "Akte-Bosch" im VW-Krimi wird immer dicker. Die Beteuerungen von Bosch seit September 2015, zwar die Software geliefert zu haben, aber der Kunde sei für die Nutzung des Produkts verantwortlich, lösen sich in Luft auf. Dokumente belegen, dass Bosch ständig die Software weiterentwickelt hatte und genau wusste, um was es geht. 2008 hatte Bosch von VW verlangt, einen Haftungsausschluss zu unterschreiben, weil die Software gegen US-Gesetze verstoße. Diesen hat VW nie unterschrieben. Das Codewort für die Manipulation war "Akkustikfunktion". Dieses Wort soll auch 2014 zwischen Ex-VW-Chef Winterkorn und Bosch-Chef Denner gefallen sein.

Bereits Anfang des Jahres hat die Kollegenzeitung "Zündfunke" bei Bosch angeprangert, dass Bosch die Aufklärung verweigert.
Mittlerweile wurde die MLPD-Broschüre "Wie Automonopole mit Hilfe des Staates Milliardenprofite durch höchst kriminelle Machenschaften einstreichen" zehntausendfach bei VW, Audi und Bosch verbreitet.

Gegen die massive Stimmungsmache für die "VW-, Audi und Bosch-Familie" wächst die grundsätzliche Kritik in den Belegschaften und in der Öffentlichkeit, weil die Konzernherrn nichts unversucht lassen, mit Hilfe des Staates nun auch alle Folgen ihrer kriminellen Machenschaften auf die Arbeiter und die Gesellschaft abzuwälzen.

Der internationale Konkurrenzkampf mit den Automonopolen in den USA, Japan und Südkorea verschärft sich. Ganze Programme zur Verschärfung der Ausbeutung der Arbeiter und Arbeiterinnen bei VW, Audi und Bosch sind angekündigt. Geplant sind u.a. Nichtübernahme befristet eingestellter Kollegen, Arbeitsplatzvernichtung bei Bosch in Schwäbisch Gmünd und Homburg, Entlassung von Leiharbeitern bei Audi in Ingolstadt.

Die Mär von der Vereinbarkeit von Ökologie und kapitalistischer Ökonomie bekommt immer tiefere Risse. Immer mehr Städte und Kommunen geraten in den Sog dieser Krise. Auch für die Verantwortlichen in der Bundesregierung und den Landesregierungen wird die Luft dünner.

Klassenkämpferische Kolleginnen und Kollegen dieser Übermonopole werden ihre Erfahrungen und Forderungen sicher auch in den Wahlkongress revolutionärer, antiafschistischer internationalistischer und klassenkämpferischer Kräfte am 2. Oktober in Berlin einbringen. "Wir zeigen Profil und stellen uns dieser Polarisierung in der Gesellschaft. Wir nutzen sie für einen politischen Angriff auf die allein herrschenden internationalen Übermonopole und den Rechtsruck der Bundesregierung", so Gabi Gärtner (MLPD), eine der Initiatorinnen von Kongress und Bündnis.