Jugend

Ein begeisternder Tag der offenen Tür in Truckenthal!

Ein begeisternder Tag der offenen Tür in Truckenthal!
Tag der offenen Tür gestern in Truckenthal - Blick in den Saal (rf-foto)

31.01.16:  Truckenthal / Thüringen. Hier entwickelt sich etwas Neues, einzigartig in Deutschland: Das "Haus der Solidarität", eine Flüchtlingsunterkunft der anderen Art. "Das Haus der Solidarität ist eine Alternative zur unwürdigen Behandlung der Flüchtlinge durch die EU-Regierungen. Hier sollen bis zu 300 kurdische Flüchtlinge aus Syrien und Irak in würdiger Weise ihre demokratischen Errungenschaften weiter leben. Hier können sie sich erholen und Kräfte sammeln für Rückkehr und Wiederaufbau ihres Landes und für den Kampf um Demokratie und Freiheit. Darauf setzt das Konzept im Haus der Solidarität", schreibt die Initiatorengruppe in der Einladung für den gestrigen Tag der offenen Tür. Dagmar Kolkmann-Lutz, Leiterin der Ferienanlage, berichtete zu Beginn, dass sich Ministerpräsident Bodo Ramelow und Dieter Lauinger, Minister für Migration, für die Einladung bedanken und bedauern, selbst nicht teilnehmen zu können. Ein Grußwort der VVN aus Sonneberg wünschte viel Erfolg.

Der war dem Tag der offenen Tür beschieden - viel Freude, Zusammengehörigkeitsgefühl und Zukunftspläne obendrein! 200 Besucherinnen und Besucher waren gekommen und erfreuten sich gemeinsam an einem bunten und vielseitigen Programm: Rundgänge, Filmvorführung, Gespräche, Musik, Tanz, kulinarische Leckerbissen. Von 7 Uhr in der Früh an wurde arabisches Essen gekocht. Es schmeckte köstlich – die Thüringer Bratwürste nicht minder!

Andreas Eifler von der Ferienanlage "Im Waldgrund" und die Bauleitung nehmen Besucher mit auf Rundgänge. 1952 wurde das Objekt als Ferienanlage für Kinder und Jugendliche gegründet. In den neunziger Jahren wurde es zur Unterkunft für 350 Asylbewerber. Für die war es wie ein Gefängnis. Das wird jetzt grundlegend anders: Solidarisches Zusammenleben in selbstverwalteten Strukturen statt Bevormundung und Entmündigung. "Männer und Frauen – alle gleich!" betont die Arabisch-Übersetzerin.

Zwei Ärzte, zwei Psychotherapeutinnen und der Kreis-Chorleiter werden die Flüchtlinge unterstützen. Es gibt einen Fußballplatz, ein Beachvolleyballfeld, die Kinder können am Bach spielen. Im Saal können Feiern oder Versammlungen stattfinden. Holzhäuser und ein dreistöckiges Gebäude werden saniert. 7.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit wurden allein im Oktober 2015 geleistet.

Etwa 40 Flüchtlinge aus den Nachbarorten sind auch hier. Salman Elmali vom Kulturverein Solidarität e.V. aus Schweinfurt war vor 27 Jahren selbst Flüchtling. "Es ist sehr gut, wenn die Leute sich hier selbst verwalten." Jürgen Wilk, seit 1990 aktiv im Kulturverein: „Der internationale Gedanke ist wichtig. Dass es nicht um etwas Kommerzielles geht, sondern um Selbstverwaltung. Und den Menschen helfen, Traumas zu überwinden, fit zu werden.“

Zur Kaffeetafel spielt die Musikgruppe „Erich-Blume-Combo“ aus Schalkau. Außerdem spielte Sänger Nicolas Miquea aus Valparaiso/Chile auf. Um 15 Uhr beginnt die eindrucksvolle Vorführung des Dokumentarfilms "Den Sieg sichern" über die ICOR-Brigaden in Kobanê. Zülfü Altonok, der beim Aufbau des Gesundheitszentrums dabei war, in der Diskussion: "Ich frage mich immer, war das wahr, oder war es ein Traum? Hut ab vor Euch! Das war eine Revolution für mich."

Andrew Schlüter, Vorsitzender des MLPD-Landesverbands Ost und Leiter der 5. ICOR-Brigade in Kobanê: "Angela Merkel sagt immer, sie will etwas gegen die Fluchtursachen tun. Dabei arbeitet sie aktiv gegen den humanitären Korridor nach Kobanê. Die ICOR hat gesagt, wir bauen das Projekt trotzdem." Das Haus der Solidarität in Truckenthal und das Gesundheitszentrum in Kobanê gehören zusammen. Tassilo Timm vom Jugendverband REBELL bezieht Stellung gegen Pegida und Neonazis und für die Solidarität mit den Flüchtlingen, in der Hundertausende aktiv sind. "Macht mit im Jugendverband REBELL, das sagen wir jedem Jugendlichen, ob Deutscher oder Flüchtling."

Zahlreiche Kuchenspenden, von Einzelnen und einer Bäckerei, bereichern den Tag ebenso wie die Unterstützung von Sponsoren aus Truckenthal und den Nachbarorten. Der Abend wurde lang und sehr schön. Beim Tanzen zu "Freunde im Leben" waren schließlich alle ein Kreis, egal welcher Herkunft, egal welcher Nationalität.

So war dieser Tag ein Blick in die Zukunft, in ein gemeinsames Leben.

Aufgrund einer fehlerhaften Übertragung stimmten die Namen der Musiker in der ersten Version dieses Artikels nicht. Wir haben das mittlerweile behoben und bitten um Entschuldigung!