Umwelt

Hurrikan "Matthew": Katastrophale Folgen vor allem in Haiti

08.10.16 - Der seit Tagen in der Karibik mit Höchstgeschwindigkeiten von 220 Kilometern pro Stunde wütende Hurrikan "Matthew" ist in der Nacht zum Samstag knapp an Florida vorbeigeschrammt und bewegt sich seitdem weiter nach Norden. Die Hurrikan-Beobachter warnten vor lebensbedrohlichen Fluten entlang der Küste von Florida, Georgia, South und North Carolina. Die Behörden riefen drei Millionen Menschen in den genannten Bundesstaaten dazu auf, sich in Sicherheit zu bringen, mehr als 800.000 Menschen waren zeitweise ohne Strom. 4.500 Flüge wurden bislang gestrichen. US-Präsident Barack Obama verkündete für drei Bundesstaaten den Ausnahmezustand.

Während trotz schwerer Schäden die Menschen in den USA noch einigermaßen planmäßig gewarnt und evakuiert werden können, sind die Auswirkungen im Karibikstaat Haiti absolut katastrophal. Am Anfang war noch von "mehreren" Toten die Rede – inzwischen berichten die Medien von mindestens 800 Menschen, die ihr Leben verloren haben. Viele betroffene Gebiete sind für Rettungskräfte noch immer nicht zugänglich. Zehntausende, wenn nicht Hunderttausende, sind ohne Obdach. Heftige Regenfälle machen zahlreiche Straßen und Brücken unpassierbar. In den besonders betroffenen Gebieten im Süden und Nordwesten sind 80 Prozent der Ernte vernichtet worden, eine Hungerkatastrophe droht. Ebenso die Ausbreitung von Krankheiten wie Cholera oder Denguefieber wie nach dem verheerenden Erdbeben vor sechs Jahren, bei dem 230.000 Menschen starben, 300.000 verstümmelt und 1,5 Millionen obdachlos wurden. Eine halbe Million Menschen leben weiterhin in Notunterkünften. Sechs von zehn Haitianern leben in extremer Armut mit weniger als einem Euro am Tag. Nach der Erdbebenkatastrophe wurden weltweit Spenden in Milliardenhöhe gesammelt; nur davon wenig kam bei den Bedürftigen an.

Die USA nutzten die Situation, um Haiti mit 22.000 Soldaten zu besetzen. Diese militärische Aktion wurde als "Invasion des Erbarmens" vor der Weltöffentlichkeit gerechtfertigt. Stefan Engel schreibt dazu in dem Buch "Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution": "Unter der Hülle humanitärer Hilfe zerschlug die US-Invasion die letzten noch vorhandenen selbständigen Strukturen Haitis, liquidierte jegliche politische Selbständigkeit des Landes und unterminierte jede eigenständige Versorgung." (S. 306) Noch heute wird das Land unter dem Vorwand, Sicherheit zu schaffen, von der sogenannten "UN-Friedenstruppe" MINUSTAH unter Kontrolle gehalten. Die Massen wehrten sich dagegen mit aller Kraft.

Jetzt, angesichts der katasrtrophalen Hurrikanfolgen, haben die USA wieder ein Marineschiff mit Rettungs- und Wiederaufbauspezialisten nach Haiti entsandt. Die USS Mesa Verde habe Befehl erhalten, den humanitären Hilfseinsatz zu unterstützen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. An Bord sind 300 Marineinfanteristen sowie Transporthubschrauber. Zuvor hatten die US-Behörden bereits die Entsendung von 250 weiteren Soldaten und neun Hubschraubern angekündigt. Am humanitären Zweck dieser Militäraktion sind aufgrund der bisherigen Erfahrungen berechtigte Zweifel angebracht!

Von den immer häufigeren regionalen klimabedingten Katastrophen sind die Ärmsten der Armen weltweit am meisten betroffen. Obwohl der Hurrikan "Sandy" im Jahr 2012 nur mit Ausläufern den Südwesten der Insel traf, hatte Haiti damals die meisten Opfer zu beklagen. 70 Prozent der Ernten wurden vernichtet, landwirtschaftliche Anbauflächen sind zu Schlammwüsten geworden. Kuba wurde vom Sturm voll erfasst, hatte aber weniger Todesopfer und weniger Verwüstungen zu beklagen.

Wirbelstürme wie "Matthew" und "Sandy" beziehen ihre Energie aus dem tropisch warmen Meer. Die steigenden Wassertemperaturen infolge der Erderwärmung bewirken die Häufung der Extremwetter und zerstörerischen Stürme.

Die Sorgen des allein herrschenden internationalen Finanzkapitals kreisen um ihre Profite und die Furcht, dass die Massen weltweit gegen die Verursacher der drohenden globalen Klimakatstrophe aufstehen. Ein Analyst der Deutschen Bank warnte davor, dass die Dividenden bei der "Munich Re“ rückläufig sein könnten. Der Hurrikan "Matthew" könnte den europäischen Rückversicherern in den USA hohe Schadensforderungen einbrocken, schrieb er in einer Branchenstudie vom vergangenen Freitag. Der "Klimawandel" berge für die USA hohe Sicherheitsrisiken, heißt es in einem Report des National Intelligence Council (NIC).

Der Umschlag in eine drohende globale Umweltkatastrophe fordert den weltweiten aktiven Widerstand heraus. In diesem Sinne rufen MLPD, REBELL und ICOR zum internationalen Umweltkampftag am 12. November auf.