Wirtschaft

Deutsche Großbanken im Krisenstrudel

Deutsche Großbanken im Krisenstrudel
Zentrale der Deutschen Bank (foto: Thomas Wolf [Der Wolf im Wald] - Eigenes Werk)

14.10.16 - Die Deutsche Bank und die Commerzbank, die beiden größten deutschen Banken, sind schwer angeschlagen. Die Deutsche Bank steckt in der tiefsten Krise ihrer Geschichte. Innerhalb eines Jahres fiel der Wert ihrer Aktien von 34 auf 12 Euro, noch unter ihren niedrigsten Kurs während der Weltwirtschafts- und Finanzkrise von 2008 bis 2014. Im Mai 2007 musste man für eine Aktie der Deutschen Bank sogar noch 104 Euro bezahlen. Auch der Kurs der Commerzbank-Aktie ist seit 2010 von fast 90 Euro auf gegenwärtig unter 6 Euro gefallen. Sie war 2009 teilverstaatlicht worden, um sie vor der Insolvenz zu retten.

Die Androhung einer Strafe von 14 Milliarden Dollar durch die US-Justiz trifft nun die Deutsche Bank in ihrer Substanz. Überführt des Bilanz- und Hypothekenbetrugs, sowie der Manipulation von Zinsen und Devisenkursen wird sie jetzt auf dem für sie zweitwichtigsten US-Markt kräftig zur Kasse gebeten. Die geforderte Summe übersteigt die Rücklagen für Strafzahlungen und auch die sonstigen Reserven der Deutschen Bank deutlich.

Führende deutsche Politiker beklagen nun den "Wirtschaftskrieg", den die USA gegen die Deutsche Bank führen würden. Natürlich handelt der US-Staat im Interesse des imperialistischen Konkurrenzkampfes der amerikanischen Übermonopole. Tatsächlich war und ist die Deutsche Bank im internationalen Konkurrenzkampf kein bisschen weniger zimperlich. Ihr besonders aggressives Vorgehen - unter Einschluss krimineller Methoden - führte erst zu der langen Liste von Prozessen und Strafzahlungen. Ein Hintergrund für ihre besondere Aggressivität ist der bis heute andauernde Abstieg von ihrer früheren internationalen Spitzenposition - vom 26. Platz in der Rangliste der größten internationalen Übermonopole im Jahr 2007 auf Platz 164 im Jahr 2014.

Im August berichtete das Manager-Magazin, die Spitzen von Deutscher Bank und Commerzbank hätten Fusionspläne ausgelotet. Tatsächlich ist mit weitreichenden Umstrukturierungen zu rechnen, die bis zur Fusion oder Liquidierung einer der beiden Großbanken gehen können. Damit versuchen sie, die Lasten der Krise auf ihre Beschäftigten und die Masse der Kunden abzuwälzen. Beide Banken wollen schon jetzt hunderte von Filialen schließen. Deutsche Bank-Chef John Cryan will diesen Kurs noch weiter verschärfen. Von den weltweit 100.000 Arbeitsplätzen sollen 9.000 wegfallen, davon 4.000 in Deutschland. Die Commerzbank will ihre Geschäfte auf wenige Sparten konzentrieren. Dafür sollen 9.600 der derzeit gut 45.000 Stellen bis 2020 gestrichen werden.

Aber die Ursache der krisenhaften Entwicklung können sie dadurch nicht lösen. Sie liegt vor allem in der chronischen Überakkumulation von Kapital aufgrund der zunehmenden Probleme für das internationale Finanzkapital, Maximalprofite zu realisieren. Das befeuert die ausufernde Spekulation und kriminelle Machenschaften.

Die Bankmonopole in Europa stecken insgesamt in tiefen Schwierigkeiten. Die Bankenrettungskonzepte der letzten Jahre sind vollständig gescheitert. Obwohl die Europäische Zentralbank seit April jeden Monat 80 Milliarden Euro in den Kapitalmarkt pumpt und die Banken frisches Geld inzwischen völlig zinsfrei erhalten, hat das die Labilität des europäischen Finanzwesens nur noch verstärkt. Die nach wie vor akute italienische Bankenkrise und die jetzt offen zutage tretende deutsche Bankenkrise verstärken die Faktoren für den Ausbruch einer erneuten Finanzkrise, die wiederum zum Auslöser einer neuen Weltwirtschafts- und Finanzkrise werden kann.

Ein System, das immer nur neue und tiefere Krisen hervorbringt, hat keine Perspektive. Die MLPD wird in den nächsten Monaten im Rahmen des Wahlkampfs des "Internationalistischen Bündnisses" eine Offensive für den echten Sozialismus und gegen den modernen Antikommunismus durchführen. Sie wird das eng damit verbinden, den konzernübergreifenden gemeinsamen Kampf der Belegschaften - auch der Großbanken - gegen die Abwälzung der Krisenlasten zu fördern.