Umwelt

„Es wird auf Biegen und Brechen produziert ...“ - zur Explosion auf dem BASF-Gelände in Ludwigshafen

„Es wird auf Biegen und Brechen produziert ...“ - zur Explosion auf dem BASF-Gelände in Ludwigshafen
Am vergangenen Montag erschütterte eine schwere Explosion das BASF-Gelände

21.10.16 - Nach der schweren Explosion am vergangenen Montag auf dem Betriebsgelände der BASF in Ludwigshafen ist am vergangenen Mittwoch ein drittes Todesopfer gefunden worden. Es handelt sich wohl um den Matrosen eines Tankers, der vor der Unglücksstelle im Nordhafen lag. Er wurde von der ungeheuren Druckwelle der Explosion ins Wasser geschleudert. Die anderen beiden Todesopfer sind Feuerwehrleute der Werksfeuerwehr, die zur Verhinderung einer möglichen, weitaus verheerenderen Katastrophe ihr Leben gelassen haben. Von den 25 weiteren Verletzten schweben noch acht mit schwersten Verbrennungen in Lebensgefahr.

Zum Hergang ist bisher bekannt, dass an einer leeren Rohrleitung, in der normalerweise hochentzündliches Ethylen oder Propylen fließt, Reparaturarbeiten durchgeführt wurden. Vorschrift ist, dass solche Rohrleitungen mit Stickstoff durchgespült werden, bevor Schweißarbeiten durchgeführt werden. Die BASF erklärt, sie könne bisher nicht sagen, ob diese Vorschrift eingehalten wurde.

Es kam zu einem Brand an der Reparaturstelle und, als die Werksfeuerwehr diesen Brand löschen wollte, zu einer gigantischen Explosion. Die Rohrleitung liegt in einem 15 Meter breiten Rohrgraben, in dem mehrere Leitungen das Werk mit Rohbenzin, Ethylen, Propylen und anderen Rohstoffen versorgen. Welche dieser Leitungen mit welchen Stoffen explodierte, weiß man bis heute nicht genau.

Der Rohrgraben ist sozusagen die Herzschlagader des Werkes. Deshalb mussten die beiden Steamcracker, in denen das Rohbenzin zu Ethylen und Propylen aufgespalten wird (2 Millionen Tonnen im Jahr), heruntergefahren werden. 22 Teilbetriebe mussten still gelegt werden. Die Belegschaft und die Bewohner in Ludwigshafen sind in tiefer Trauer um die Opfer und sehr verunsichert. Nicht nur, weil sie die Explosion gehört und die Druckwelle gespürt haben. Die Fenster in den umliegenden Wohngebieten mussten bis Dienstagabend geschlossen gehalten werden. Seit Jahresbeginn kam es zu einer Häufung von Störfällen bei der BASF.

Über die Gründe dafür machen sich die Kollegen Gedanken. „Ich bin gespannt, ob sie daraus etwas lernen. Immer mehr Ungelernte werden eingesetzt, weil das billiger ist“, sagt ein Schichtarbeiter, den wir am Tor interviewt haben. „Es wird auf Biegen und Brechen produziert, z.T. verstehen die eingesetzten ausländischen Kollegen die Vorschriften und Hinweistafeln gar nicht.“ Und ein Fremdfirmen-Arbeiter: „Der Vorstand hat angekündigt, dass er eine Milliarde einsparen will. Da muss so was passieren.“ „Die Sicherheitsvorschriften werden immer geschult, aber ob sie dann auch umgesetzt werden?“, fragt sich ein Azubi. Es kommt zu nachdenklichen Diskussionen über die Gesetzmäßigkeiten des kapitalistischen Profitsystems.

Hintergrund für den steigenden Druck, den die Kollegen am Arbeitsplatz spüren, und für den Kostendruck, der auf die Fremdfirmen ausgeübt wird, ist der Konkurrenzkampf auf dem weltweiten Chemie-Markt. Noch ist die BASF Weltmarktführer, aber gigantische Fusionen ihrer Hauptkonkurrenten in den USA, Europa und China bedrohen diese Stellung. Gewinneinbrüche durch den niedrigen Rohölpreis und die allgemeine Konjunkturabschwächung kommen hinzu.

All das wird rücksichtslos auf den Rücken der Arbeiterinnen und Arbeitern und auf Kosten der natürlichen Umwelt ausgetragen. Wie jetzt deutlich wurde, gehen die Chemiemonopole für ihre Maximalprofite über Leichen. Das hinzunehmen, sind immer weniger Arbeiterinnen und Arbeiter auch bei der BASF bereit.