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Brisanter 24-Stunden-Streik der Germanwings- und Eurowings-Flugbegleiter

Brisanter 24-Stunden-Streik der Germanwings- und Eurowings-Flugbegleiter
Die Flugbegeleitergewerkschaft UFO - im Foto der aktuelle Vorstand - hat seine Mitglieder zum Arbeitskampf aufgerufen (foto: UFO)

27.10.16 - Seit heute Morgen, null Uhr, läuft der 24-Stunden-Streik der ca. 400 Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter der UFO (Unabhängige Flugbegleiter Organisation / Gewerkschaft des Kabinenpersonals) bei den beiden Lufthansa-Tochtergesellschaften Germanwings und Eurowings. Er wird voraussichtlich zum Ausfall von 380 der geplanten 530 Inlands- und europaweiten Flüge mit über 50.000 Fluggästen führen. Einbezogen sind alle Flughäfen in Deutschland, außer den Lufthansa-Drehkreuzen Frankfurt am Main und München.

Die Fluggesellschaften Germanwings und Eurowings haben diesen Streik provoziert, indem sie die Tarifverhandlungen platzen ließen. Dazu die UFO-Verhandlungsführerin Sylvia De la Cruz: "Auf unser Forderungspaket wurde nicht eingegangen, mehrere Termine fielen ersatzlos aus und das 'Angebot' der GWI (Germanwings) zu Teilzeiten lässt eine Entlastung und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht zu. Daher bleibt uns nichts anderes übrig, als unsere Interessen im Rahmen eines Arbeitskampfes durchzusetzen".¹

Die vertragliche Regelung einer Teilzeitarbeit ist die Hauptforderung der UFO, um die unerträglich gesteigerte Arbeitsbelastung der Flugbegleiter abzubauen. Germanwings und Eurowings versuchen dagegen, den verschärften Konkurrenzkampf auf dem Weltmarkt u.a. durch Fluggesellschaften der neuimperialistischen Länder Saudi-Arabien und Türkei auch auf die Flugbegleiter abzuwälzen. Dem treten die Kolleginnen und Kollegen der UFO mit ihrem Streik selbstbewusst entgegen. Ihr Streik hat mehrfache Brisanz.

Nachdem der Tarifkonflikt über drei Jahre lang geschwelt hat, haben sich die UFO-Kolleginnen und -Kollegen jetzt für den Streik entschieden. Er setzt für die Arbeiter und Angestellten in Deutschland ein Zeichen, dass selbst eine kleine Zahl von Gewerkschaftern mit Kämpfen im hochempfindlichen Produktions-, Verkehrs- und Kommunikationssystem des Kapitalismus auf der Stufe der Neuorganisation der internationalen Produktion eine große Wirkung erzielen kann.

Er setzt auch ein Zeichen gegen die nach rechts gerückte Merkel-Gabriel-Regierung, die mit dem unsäglichen „Tarifeinigungsgesetz“ eine Ausschaltung kleiner, kämpferischer Gewerkschaften bewirken wollte. Doch ihre Hoffnung, dass z.B. bei ver.di organisierte Flugbegleiter als Spalter auftreten, haute bisher wenigstens nicht hin. Die ver.di-Flugbegleiter traten selber erst im September in einen befristeten Streik gegen Germanwings.

Der Streik der deutschen Flugbegleiter ist Teil einer internationalen Entwicklung. Aktuell finden in mehreren europäischen Nachbarländern Kämpfe auf den Flughäfen statt. So streikten Ende Juli die Flugbegleiter der französischen Air France eine Woche lang (siehe rf-news ). Am 21. Oktober beteiligten sich 1,3 Millionen Menschen in Italien an einem Generalstreik, bei dem unter anderem viele Flüge gestrichen wurden. Bei Alitalia richtete sich der Streik insbesondere gegen das Krisenabwälzungsprogramm der Fluggesellschaft. Aber auch die gesamte Politik der Regierung steht am Pranger. Am 7. und 11. November sind Streiks von Piloten und Bodenpersonal geplant.

Diese Kämpfe können und müssen soweit im gewerkschaftlichen Rahmen möglich länderübergreifend koordiniert werden, um ihre eigentliche Durchschlagskraft gegen die internationalen Fluggesellschaften zu entfalten. Das zu fördern sieht die MLPD als eine zentrale Aufgabe an und ruft Kolleginnen und Kollegen, die auf den Großflughäfen, bzw. bei den Fluggesellschaften arbeiten, auf, sich in der MLPD zu organisieren. Die MLPD unterstützt diese gewerkschaftlichen Kämpfe und fördert den Gedanken einer branchenübergreifenden, überparteilichen Einheitsgewerkschaft.

¹ heute.de, 27.10.16