Politik

Israel: Friedensmarsch von Frauen setzt internationales Zeichen

Israel: Friedensmarsch von Frauen setzt internationales Zeichen
Die Frauen von "Frauen wagen Frieden" in Aktion (foto: "Frauen wagen Frieden")

03.11.16 - Seit kurzem sorgt eine neue weibliche Friedensbewegung in Israel, die sich auch für Frieden mit dem palästinensischen Volk einsetzt, weltweit für Aufsehen. Der „Marsch der Hoffnung“ wurde von „Women Wage Peace“ (Frauen wagen Frieden) organisiert. Die Frauen fordern ein Friedensabkommen zwischen Israel und Palästina.¹ Der Marsch ging über 200 Kilometer und endete nach 14 Tagen am 19. Oktober vor dem Amtssitz des israelischen Premiers Benjamin Netanjahu. „'Wir waren 4.000 Frauen und die Hälfte davon waren Palästinenserinnen', sagte die Sängerin Yael Deckelbaum.“² Damit haben die beteiligten Frauen bewusst eine von den Herrschenden gezogene Grenze der Spaltungspolitik überwunden.

„Den Ausschlag für die Entstehung der Bewegung gab der Gaza-Krieg vor zwei Jahren. 'Was damals geschah, war entsetzlich'", so Sprecherin Galit Mass-Ader. Sieben Wochen lang führte die israelische Armee einen brutalen Krieg gegen die palästinensische Bevölkerung im Gaza-Streifen, um die völkerrechtswidrige Besetzung Palästinas zu zementieren und auszubauen. Mit Rückendeckung der USA und der EU verweigern sich die israelische Regierungen bis heute einer Zwei-Staaten-Lösung, als Zwischenschritt für ein Zusammenleben des israelischen und palästinischen Volkes. Wer dafür eintritt, wird vom Staat verleumdet und unterdrückt.

Es ist deshalb nicht hoch genug einzuschätzen, dass die Frauen mutig eine neue Initiative für den Frieden ergriffen haben, wenn sie diese Forderung auch nicht explizit in den Mittelpunkt stellen. Ihre Initiative ist auf großes öffentliches Interesse gestoßen. Entsprechend gehen die Aktionen der Frauen weiter, wie das Auftreten einer Frauen-Delegation vor der Knesset, dem israelischen Parlament am Montag zeigte.

„Frauen wagen Frieden“ ist eine würdige Nachfolgerin von Bewegungen wie den „Frauen in schwarz“, die in Serbien in den 1990er Jahren gegen Krieg, Nationalismus und Sexismus auftraten. Die neue Bewegung ist Ausdruck eines international gewachsenen Frauenbewusstsein. Als Mütter und meist auch Hauptverantwortliche für Kindererziehung und Pflege in der Familie, sind Frauen oft vorne dran, im Kampf für den Frieden und den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen. Sie stehen auch mit an der Spitze als Streikführerinnen bei Arbeiterkämpfen, im bewaffneten Kampf der kurdischen Befreiungsbewegung oder gleichberechtigt mit den Männern in den Leitungsgremien im selbstverwalteten nordsyrischen Rojava.

Mit der Entwicklung dieser internationalen Frauenbewegung und in der Zusammenarbeit der Kräfte der revolutionären Weltorganisation ICOR wächst das Verständnis, dass die Befreiung der Frau nur in Einheit mit dem Kampf um eine von Ausbeutung und Unterdrückung befreite, sozialistische Gesellschaft möglich ist.

Mit den Weltfrauenkonferenzen der Basisfrauen in Caracas (Venezuela) 2011 und in Kathmandu (Nepal) 2016 ist eine Bewegung der Weltfrauen entstanden. Die Ergebnisse der 2. Weltfrauenkonferenz sollen auf der am 5. November stattfindenden Nationalen Frauenversammlung in Gelsenkirchen diskutiert und die Schlussfolgerungen daraus beschlossen werden. Dazu gehört auch die Wahl der Delegierten für die Europakonferenz, die am nächsten Tag stattfindet. Anschließend treffen sich die Weltkoordinatorinnen. Das kulturelle Highlight wird die 25-Jahr-Feier des Frauenverbandes Courage am Abend des 5. November sein (siehe rf-news).

Das nächste Rote Fahne-Magazin wird darüber ausführlich berichten und geht in seinem Titelthema ("Keine Einzige mehr" - weltweit Massendemonstrationen gegen Gewalt an Frauen) auf den bevorstehenden Internationalen Tag gegen Gewalt am Frauen am 25. November ein (es kann hier bestellt werden).

¹ Frankfurter Rundschau, 2.11.2016

² Internationale Presse-Agentur Pressenza, 20.10.2016