Umwelt

Marokko bereitet sich auf Weltklimakonferenz vor - ICOR-Delegation bei Großdemo am 13. November

Marokko bereitet sich auf Weltklimakonferenz vor - ICOR-Delegation bei Großdemo am 13. November
Eine abgestorbene Palme in einem ehemals grünen Hain in Marokko (rf-foto)

02.11.16 - Mit 30.000 erwarteten Besucherinnen und Besuchern und einem erhofften Umsatz von 46,5 Millionen Euro wird die "Weltklimakonferenz" 2016 (COP22) die größte internationale Konferenz in der Geschichte Marokkos werden. Neben der Aufwertung des extrem repressiven Regimes Königs Mohammed IV. ist damit die nächste Zusammenkunft imperialistischer Monopolpolitiker in Sachen Umweltfragen im Fokus der Öffentlichkeit. Wie bei den vorangegangenen "Weltklimakonferenzen" sind auch von der COP22 keine verbindlichen Festlegungen zur Reduzierung des weltweiten Ausstoßes der klimaschädlichen Gase zu erwarten.

In der bürgerlichen Presse wird Marokko "dank seiner Projekte" als ein "gutes Beispiel" für den Kampf gegen die globalen Klimaveränderungen dargestellt. Sicher ist das, was hier an Umwelttechnologie zu sehen ist, beeindruckend und zeigt, was heute technisch möglich ist. So schreibt eine Korrespondentin:

"Auf unserer Südmarokko-Rundreise konnten wir heute – leider nur aus der Ferne – das ehrgeizige Solarprojekt Marokkos sehen. Mit NOOR1 wurde ein Parabolrinnen-Solarkraftwerk aufgebaut, das nach Fertigstellung seiner vierten Stufe mit 580 Megawatt Strom für 1,3 Millionen Menschen produzieren soll. Die KfW-Kreditbank hat dafür 840 Millionen Euro als zinsvergünstigten Kredit zur Verfügung gestellt. Sie fließen direkt in die Kassen der beteiligten deutschen Monopole (Siemens, BASF...). Ein saudischer Investor ist Mitfinanzierer. Ihm gehört die deutsche Firma FLABEG, die Parabolrinnen liefert. Der Strompreis wird von der marokkanischen Regierung subventioniert, sodass den Investoren 12,5 Cent pro Megawattstunde zugesichert wurden."

Während also auf der Weltklimakonferenz wieder einmal um unzureichende Grenzwerte debattiert wird, ist der Süden des Gastgeberlandes Marokko eines der ersten und am stärksten von der heraufziehenden Umweltkatastrophe betroffenen Gebiete. Von den Monopolpolitikern und ihren Show-Veranstaltungen kann sich die Umweltbewegung nichts versprechen. Die kleinbürgerliche Umweltbewegung macht sich für viele regionale Projekte stark, verschafft sich Zugang zu Umweltfonds und kämpft, z.B. ums Überleben der Oasen. Das ist aber im internationalen Maßstab zu wenig, um den Übergang in eine internationale Klimakatastrophe zu beenden. Dazu muss eine internationale kämpferische Umweltbewegung mit der Arbeiterklasse als Führung aktiv werden.

Die Internationale Koordinierung revolutionärer Parteien und Organisationen (ICOR) führt dazu den Internationalen Kampftag zur Rettung der Umwelt am 12. November durch – auch in vielen Städten Deutschlands. In Marokko wird eine starke ICOR-Delegation an der Großdemonstration am 13. November teilnehmen. Marrokanische Umweltkämpfer, die auch Freunde der ICOR sind, haben  im Vorfeld über 400 Exemplare des Buches "Katastrophenalarm!" verkauft und Veranstaltungen dazu durchgeführt. Das Buch ist inzwischen in den Buchläden in Marroko verboten. Ein kämpferisches Bündnis von Gewerkschaften und Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen, REDACOP22, beteiligt sich am Gegengipfel. Das Bündnis ruft mit zur Demonstration auf und führt unter anderem Veranstaltungen zum "Katastrophenalarm!" durch.

Die Konferenz findet mitten in sich entfaltenden Massenkämpfen statt. Nach dem Tod des Fischhändlers Mouhcine Fikri am vergangenen Freitag, 29. Oktober, fanden gestern Massenproteste mit tausenden Teilnehmern vor dem Parlament in der Hauptstadt Rabat statt. (siehe rf-news) Fikri hatte versucht, von der Polizei beschlagnahmten Fisch, der daraufhin in einen Müllwagen geworfen worden war zurückzuholen, als die Presse des Müllwagens anlief und ihn tötete. Mit Schildern wie: "Wir sind alle Mouhcine Fikri" zeigten die Menschen Solidarität und ihre Wut auf die reaktionäre Autokratie in Marokko. Verschiedene Aktivistinnen und Aktivisten, sowie Führerinnen und Führer des arabischen Frühling sehen es als ihre Aufgabe an, den begonnenen aber zeitweilig zurückgegangenen Kampf um Freiheit und Demokratie wieder aufzunehmen und fortzusetzen.

Hier geht es zu den Terminen zum Weltklimatag/ICOR-Umweltkampftag!

Starke Argumente für eine kämpferische internationale Umweltbewegung gibt es im Buch "Katastrophenalarm!" von Stefan Engel. Es kann hier gekauft werden!