Politik

21. Vertrauensleutekonferenz der IG Metall mit vielen neuen Gesichtern

21. Vertrauensleutekonferenz der IG Metall mit vielen neuen Gesichtern
IG-Metall-Gewerkschafterinnen und -Gewerkschafter auf der Anti-TTIP-Demo im September in Frankfurt am Main (rf-foto)

10.11.16 - Am Samstag, 5. November, endete die dreitägige bundesweite 21. Vertrauensleutekonferenz der IG Metall mit dem Titel "Wir machen Gewerkschaft" in Willingen. Vor 581 Teilnehmern, davon 109 Frauen, wurde in Referaten des Vorstands und in den Berichten des zentralen Vertrauensleuteausschusses die Wertschätzung der ehrenamtlichen Vertrauensleutearbeit betont. Die stellvertretende Vorsitzende Christiane Benner¹ bezeichnete Vertrauensleute als "das Gesicht und den Motor der IG Metall", als "hauptverantwortlich für das erfolgreiche Wachsen der IG Metall 2015 zum fünften Mal in Folge" und würdigte auch ausdrücklich antifaschistisches Engagement, die Unterstützung von Flüchtlingen und die Präsenz auf den Stop-TTIP/CETA-Demos.

Die Referate beschränkten sich stark auf die innerbetriebliche Arbeit und Mitgliedergewinnung. Mit Begriffen wie „Gestaltung von Industrie 4.0“, „proaktiv und beteiligungsorientiert“ wurde für Klassenzusammenarbeit geworben. Der notwendige gemeinsame internationale Kampf gegen Konzerne und ihre Regierungen spielte eine untergeordnete Rolle. Brennende Themen wie die VW-Krise, der Rechtsruck der Regierung, die wachsende Kriegsgefahr, der Abbau demokratischer Rechte und vor allem der Kampf zur Rettung der Umwelt wurden weitgehend ausgeblendet.

In zehn Foren diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Probleme der alltäglichen Vertrauensleutearbeit, unter anderem die aktuelle Arbeitszeitkampagne, Industrie 4.0 etc. lebendig und kontrovers.

Im Forum "Meine Arbeit – meine Zeit" forderten Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Thema der Arbeitszeitverkürzung ein. Das wurde von der Forums-Leitung mit einem kurzfristig in der Pause erstellen Referat aufgegriffen. Strittig war, ob die Kolleginnen und Kollegen zuerst die 35-Stunden-Woche in Ost und in der Realität auch im Westen durchsetzen müssen, bevor weitergehende Forderungen gestellt werden. Die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich wurde auch in den Plenumsaussprachen wiederholt genannt. Sie fand Eingang in die insgesamt zahnlose Schlussresolution, allerdings beschränkt auf die Forderung auf die überfällige Angleichung der Wochenarbeitszeit von 38 Stunden in Ostdeutschland auf 35 Stunden.

Weitere Anliegen in den Aussprachen der Delegierten waren mehr Rechte und Schutz für die Vertrauensleute, am besten in Form eines Tarifvertrags sowie notwendige Aktivitäten gegen die Rente mit 67 und die Absenkung des Rentenniveaus.

Die Tatsache, dass bei den Vertrauensleutewahlen im Frühjahr diesen Jahres knapp 40 Prozent neue Kolleginnen und Kollegen gewählt wurden, ist Ausdruck eines gewachsenen gewerkschaftlichen Bewusstseins und Ausgangspunkt zur Erhöhung des Klassenbewusstseins insgesamt. Es braucht mehr mutige, kämpferische und klassenkämpferische Vertrauensleute vor allem in den Großbetrieben, damit die Gewerkschaften wirklich zu Kampforganisationen werden können.

Mit ihrer positiven Gewerkschaftsarbeit in den Betrieben haben die Mitglieder der MLPD zur Stärkung der Vertrauensleutearbeit beigetragen. Über 70 Prozent ihrer Mitglieder sind Arbeiter oder einfache Angestellte, über 80 Prozent sind Mitglied einer DGB-Gewerkschaft. Die MLPD ist auch die einzige Partei, die Kämpfe von Belegschaften um jeden Arbeitsplatz, wie den der Bochumer Opelaner oder der Bergarbeiter, konsequent unterstützt und jede Art von Klassenzusammenarbeit ablehnt.

¹ Fälschlicherweise wurde hier der Name der stellvertretenden IG-Metall-Vorsitzenden zuerst mit Christiane Brenner angegeben. Durch die Aufmerksamkeit einer Leserin konnte der Fehler schnell behoben werden. Wir bedanken uns.