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Europäischer Stahlaktionstag am 9. November

Europäischer Stahlaktionstag am 9. November
Bild vom Stahlaktionstag im niederländischen IJmuiden im September diesen Jahres (rf-foto)

07.11.16 - Der Industriegewerkschaftsbund IndustriALL Europa ruft am 9. November die Stahlbelegschaften unter dem Motto "Unser Herz aus Stahl wird europäisch" nach Brüssel auf. Dieser Aufruf wird von der IG-Metall-Führung unterstützt. Folgendes Szenario wird an die Wand gemalt: "85.000 Beschäftigte könnten ihren Job verlieren, hauptsächlich wegen der weltweiten Überkapazitäten und der Stahl-Importe zu Dumpingpreisen." Die "politische Entscheidung zur geplanten Verteuerung des Emissionsrechtehandels", um eine Milliarde Euro pro Jahr bezüglich des CO2-Ausstoßes, drohe "viele Standorte zu erdrücken“. Damit wollen sie den Kampf um Arbeitsplätze und für Umweltschutz dem Konkurrenzkampf unterordnen. Es werden ca. 10.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet, davon 5.000 aus Deutschland.

Die Stahl-Konzernvorstände unterstützen diese Demonstration. Sie versuchen die Sorge der Beschäftigten um ihre Arbeitsplätze zu missbrauchen für eine Unterstützung ihres Konkurrenzkampf. Bei thyssenkrupp Steel Europe (tkse) bekommt jeder, der mitfährt, elf Stunden vergütet und ein Lunchpaket. Die Anlagen sollen aber nicht runtergefahren werden.

In den Betrieben finden lebhafte Diskussionen über die Beteiligung statt. Dabei stößt die Politik des Co-Managements der IG-Metall-Führung, die für die Stahlkonzerne in ihrem internationalen Konkurrenzkampf die Kohlen aus dem Feuer holen will, auf ziemliche Kritik: „Ich fahr doch nicht für den Vorstand nach Brüssel!“ Auf der anderen Seite ist die Bereitschaft, mitzufahren vor allem dort groß, wo diese Politik des Co-Managements kritisiert wird.

Die klassenkämpferische Richtung in den Stahlbelegschaften formiert sich unter anderem um die Kollegen-Zeitung "Stahlkocher". Dort heißt es in der aktuellen Ausgabe: "Bereiten wir einen gemeinsamen machtvollen Kampf der Stahlarbeiter um unsere Arbeitsplätze und für den Schutz der natürlichen Umwelt vor, gemeinsam mit Kollegen aus ganz Europa."

Der Stahlkocher wertet die Erfahrungen aus: "Mit dem Streiktag bei thyssenkrupp Steel Europe (tkSE) Duisburg am 31. August und am 15. September der Tata-Kollegen in Ijmuiden/Niederlande haben wir Stahlarbeiter den Vorständen eine entsprechende Antwort gegeben. Wir lassen uns nicht spalten und kämpfen um unsere Arbeitsplätze!

Es wurden Streiks bis zu drei Schichten gegen den Willen der Vorstände durchgesetzt und wir spürten unsere Stärke. Viele Transparente brachten unseren Stolz und Kampfbereitschaft zum Ausdruck. Auffällig waren die vielen Solidaritätsdelegationen anderer Belegschaften, wie Dillinger Hütte, Saarstahl, ArcelorMittal, Opel, Daimler und Klinikum Duisburg. Gemeinsam sind wir Arbeiter stark!

Genau das fürchten die Vorstände und sie mussten erst mal Zugeständnisse machen. Der Vorstand von tkSE sagte die Einhaltung der Tarifverträge zu und bei Tata wurde der Beschäftigungssicherungsvertrag verlängert."

Gleichzeitig warnt der "Stahlkocher": "Vorsicht vor solchen Beruhigungspillen. Nach wie vor stehen unsere Arbeitsplätze auf der Abschussliste."

Auch die MLPD mobilisiert zum Aktionstag am 9. November und beteiligt sich im Geiste der Vorbereitung eines länderübergreifenden Massenkampfs der Stahlarbeiter und ihrer Familien zur Verteidigung ihrer Arbeitsplätze und für den Schutz der natürlichen Umwelt – auf Kosten der Profite! Die revolutionäre Weltorganisation ICOR, in der die MLPD Mitglied ist, steht ebenfalls auf der Seite der internationalen Stahlbelegschaften. Sie schreibt in einer aktuellen Erklärung: "Die ICOR verurteilt jede Form von Spalterpolitik, sie steht fest an der Seite der Stahlarbeiter weltweit."