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Köln: Polizei führte bei Anti-Erdogan-Kundgebung eine Bürgerkriegsübung durch

Köln: Polizei führte bei Anti-Erdogan-Kundgebung eine Bürgerkriegsübung durch
Links: Die erfolgreiche Kundgebung. Rechts: Der über fünf Stunden dauernde Kessel der Polizei (rf-foto; montage: rf-news)

Leverkusen (Korrespondenz), 17.11.16: Die Kundgebung in Köln mit 30.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern verlief völlig friedlich (rf-news berichtete). Die Polizei allerdings hatte einen Großeinsatz geplant - und führte ihn auch drehbuchmäßig durch. Der Vorwand war schnell organisiert: Zu Beginn der Kundgebung zog eine Gruppe von etwa 70 jungen Leuten vom Kundgebungsplatz zum 500 m entfernten Deutzer Bahnhof. Dort drehten sie um und waren gerade wieder auf dem Weg zurück zu der Kundgebung, als sie frontal von sogenannten "Playmobils" (das sind Polizisten in voller Kampfmontur, alle Körperteile mit viel Plastik geschützt) angegriffen wurden. Im Sturmschritt unter Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray drängten sie sie zurück und kesselten sie ein.

Das war gegen 14 Uhr. Etwa 500 Beamte waren an dieser Aktion beteiligt, etwa 70 Polizeitransporter waren aufgefahren, bildeten teilweise eine Wagenburg. Pferde standen da, ebenso einer der riesigen modernen Kampf-Wasser- und Gaswerfer. ...

Drei der Eingekesselten kamen sehr bald aus dem Kessel heraus: Junge Männer, die in Parka, Wollmütze und Turnschuhen eher wie Autonome aussahen - als wie Polizisten, denen sie jetzt bei der Vernehmung "halfen". Ihre Aufgabe vorher kann man sich denken: Sie waren aktiv bei der kleinen Demo von Anfang an dabei, ebenso bei dem Angriff der Polizei auf die Gruppe. ... Der wurde im übrigen drehbuchgemäß von der Polizei gefilmt; ganz zufällig war natürlich auch ein WDR-Team gerade jetzt vor Ort. ...

Die Taktik der Polizei war klar auf größtmögliche Einschüchterung angelegt: Neben dem Massenaufgebot an Kampf-Polizisten gab es völlig überflüssige Absperrungen der Deutzer Brücke und des ganzen Zentrums von Deutz usw. Die 70 Eingekesselten mussten über fünf Stunden in der eisigen Kälte warten, bis ihre Personalien erfasst waren. "Das sind doch keine Freunde und Helfer", sagte eine ältere Frau, die bei der Suche nach der Oper in die Aktion reingerutscht war. "Da muss man ja Angst bekommen".