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Vielfältige und viel beachtete Aktionen zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen

Vielfältige und viel beachtete Aktionen zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen
"Warm-Up" des Kämpferischen Frauenbündnisses in Köln (rf-foto)

26.11.16 - In vielen Städten Deutschlands fanden gestern und heute Aktionen zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen statt. Sie waren getragen von Bündnissen eines wachsenden Spektrums der Frauenbewegung. Auffallend war der zunehmend internationalistische Charakter, woran die Bewegung der "Weltfrauen" maßgeblichen Anteil hat. Vertreterinnen der MLPD betonten in ihren Redebeiträgen unter anderem die Rolle der stärker werdenden Weltfrauenbewegung und warben für die Perspektive der Befreiung der Frau im Sozialismus.

Nachdem der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen lange Zeit weltweit eher unbedeutend war, hat sich dies in den letzten Jahren geändert. Die erste Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen 2011 in Venezuela beschloss, den 1981 von lateinamerikanischen Frauen anlässlich der Ermorderung der drei Mirabal-Schwestern ausgerufenen Gedenktag zu einem der drei internationalen Kampftage der Weltfrauenbewegung zu machen. Das hat wesentlich dazu beigetragen, dass er in immer mehr Ländern mit wirksamen Aktionen begangen wird. Hier Auszüge aus ersten Berichten.

Etwa 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten dem Aufruf des Frauenbündnisses 8. März in München. Unter ihnen Teilnehmerinnen vom Frauenverband Courage, der IFFF (Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit), der Feministischen Partei, der Kurdischen Frauenbewegung, der Organisation der MigrantInnen, von Terres de Femmes, MLPD, Linkspartei, Umweltgewerkschaft, Verdi, IG Metall, ASF, Aktionsgruppe Indianer & Menschenrechte und NAV-DEM. "Nach einer kämpferischen Picket-Line folgte ein Feuerwerk von Redebeiträgen, jeder davon eine Anklage gegen die vielfältige Gewalt an Frauen", berichtet die Korrespondentin. "'Freiheit für Banu Büyükavci' war Schwerpunkt der MLPD-Rednerin. Banu ist eine der Angeklagten im ATIK-Prozess, eingesperrt in München-Stadelheim. Die ganze Kundgebung verbreitete den Geist der Solidarität, aber auch der Wut und Entschlossenheit, diesen Kampf gegen Gewalt an Frauen und ihre Ursachen weiterzuführen. Sie endete mit 'Wir sehen uns wieder am 8. März'."

Unter dem Motto "Keine einzige mehr!" versammelten sich in Wuppertal über 80 Frauen (und Männer) mitten auf dem Weihnachtsmarkt. Im Bericht an rf-news heißt es: "Aufgerufen hatte ein Bündnis von Frauenverband Courage, Karawane (Flüchtlingsbewegung), REBELL, MLPD, Sozialistischem Frauenbund und Vijan (kurdischer Frauenverein). In viel beachteten Beiträgen wurde insbesondere die brutale Gewalt des faschistischen Erdogan-Regimes angegriffen, aber auch Prostitution und Sexismus hier. Der weltweite Widerstand der Frauen stieß auf großen Respekt. Auch der Erfolg des Frauenverbands Courage im Kampf um die Gemeinnützigkeit wurde beklatscht. Eine Sprecherin der MLPD zeigte auf, dass mit dem Angriff auf die Überparteilichkeit die revolutionären Frauen in 'Courage' angegriffen werden und gratulierte zu dem Zwischensieg. Sie stellte das Internationalistische Bündnis vor, worauf sich einige in die Liste eintrugen. Mit einer Demonstration durch das vorweihnachtliche Elberfeld endete die gelungene Aktion."

In Tübingen gelang es, unter der aktiven Unterstützung der neuen Gleichstellungsbeauftragten der Stadt, Luzia Köberlein, die sich als Teil der kämpferischen Frauen versteht, im ehrwürdigen Rathaussaal der Universitätsstadt eine Veranstaltung unter Beteiligung von OB Boris Palmer durchzuführen: "Das war ein Riesenerfolg und über 100 Frauen sowie einige Männer waren bei knapp gehaltenen Reden und zwei Kurztheaterstücken, untermalt mit Choreinlagen des Tübinger Frauenchores, begeistert."

Die Aktion in Gelsenkirchen hatte rund 50 ständige Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Sie erweckte auch unter Passanten viel Aufmerksamkeit. Eine Teilnehmerin berichtet: "Dem Gedenken an die Opfer von Gewalt an Frauen war ein Tuch mit Rosen, Kerzen und einer Fahne gewidmet, die am Boden ausgebreitet wurden. Nach einer kleinen Demonstration zum Hauptmarkt wurde bei der dort von AUF Gelsenkirchen und Courage angebrachten Gedenktafel an die aus Gelsenkirchen stammende Revolutionärin Elisabeth Käsemann erinnert, die 1977 von Schergen der Militärjunta in Argentinien umgebracht wurde. Eine Frau aus Syrien berichtete über die Situation der Flüchtlingsfrauen und ihren eigenen Kampf um das Bleiberecht ihrer Familie. Ein roter Faden vieler Beiträge war, dass die Frauen nicht nur Opfer, sondern vor allem Kämpferinnen sind und dass sich weltweit oft massenhafte Kämpfe gegen Gewalt an Frauen entwickeln."

In Köln gingen gestern anlässlich des "Tags gegen Gewalt an Frauen" mehrere hundert Frauen und Mädchen auf die Straße. Das Kämpferische Frauenbündnis Köln startete mit einem gelungenen und kulturvollen "Warm up" auf dem Wallrafplatz. In der Korrespondenz heißt es: "Rednerinnen von ADKH, HDP, Ceni, Frauenverband Courage, Jugendverband REBELL, MLPD, Sozialistischer Frauenbund, junge Frauen von Zora und die frauenpolitische Sprecherin der Fraktion der Linkspartei im Stadtrat Köln setzten ein Zeichen dafür, dass Frauen nur gemeinsam stark sind und sich kontinuierlich zusammenschließen müssen. Die Zeit ist reif – die Frauen der Welt brechen auf! Dies ist auch eine Botschaft der 2. Weltfrauenkonferenz, die im März 2016 in Nepal stattfand. Gemeinsam mit Frauen des Bündnisses autonomer Frauenprojekte gegen Gewalt an Frauen ('Lila in Köln') sowie weiteren Teilnehmerinnen, unter anderem von der zuvor stattgefundenen Menschenkette über die Hohenzollern-Brücke, startete vom Bahnhofsvorplatz aus anschließend ein Protestmarsch mit ca. 600 Frauen und Mädchen durch die Kölner Innenstadt."

Nachdem gestern schon ein erster Bericht aus Südafrika eingegangen war, sendet nun die Frauendelegation von Courage und Kämpferischem Frauenrat Grüße aus Gijon im der nordspanischen Provinz Asturien - auch im Namen der Mujeres del Carbon en Lucha (Kämpferische Bergarbeiterfrauen): "Gestern Abend fanden im ganzen Land Kundgebungen und Demonstrationen zum Tag gegen Gewalt an Frauen statt. Schon während der ganzen Woche waren dazu Transparente an Rathäusern angebracht worden und fanden verschiedenste Frauenprojekte statt."

Und aus Paris berichtet eine Korrespondentin: "Bei unserer Aktion gestern Abend wurde ein Gedicht zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen in die Gesten der Gebärdensprache übersetzt. Nach unserer Demonstration durch die Stadt wurde das Gedicht in acht Sprachen verlesen. Später haben wird den Film 'Die Widerspenstigen' diskutiert, unter anderem auch die Botschaft der Europakonferenz der Weltfrauen: 'Wenn die Regierungen nach Rechts rücken, müssen wir noch stärker kämpfen und uns noch besser organiseren.' Auch heute gehen zahlreiche Aktionen gegen Gewalt an Frauen weiter."

Weitere Berichte werden folgen - auch im nächsten Rote Fahne Magazin (es kann hier bestellt werden).