Umwelt

Verkehrskollaps im norddeutschen Regionalverkehr

Verkehrskollaps im norddeutschen Regionalverkehr
Ohne Smartphone-App ist man an vielen Bahnhöfen aufgeschmissen (foto: Ingolf)

Hamburg (Korrespondenz), 29.11.16: Seit Jahren steigen in Hamburg Pendler zunehmend auf den Regionalverkehr um. Das drückt das wachsende Umweltbewusstsein aus, denn der "Schienenverkehr kommt mit 30 Prozent der Energie aus, die Straßenverkehr bei derselben Transportleistung benötigt". Andauernder Lokführermangel führt aber bundesweit zu einem immer häufigeren Ausfall von Nahverkehrszügen. Dazu kommt die Reparatur von vernachlässigten Gleisanlagen und ganzer Zugflotten wegen Produktionsmängeln.

Verschiedene Landesregierungen wollen die Bahnunternehmen wegen des Zugausfalls einbestellen oder ihnen die Zuschüsse kürzen. Dabei sind die Regierungen durch die Privatisierung von Bahnstrecken und ihre Vorgaben zu ihrer Bewirtschaftung Teil des Problems. So entpuppt sich das Bahnchaos als Teil der Abwälzung der Krisenlasten auf die Belegschaften und breiten Massen.

Die schrankenlose Ausdehnung des Güterverkehrs durch die Just-In-Time-Produktion mit ihrer "Lagerhaltung auf der Straße" führt zu rapidem Verschleiß von Fahrbahnbelägen und Brücken sowie Ausbau von Autobahnen mit weiteren Fahrbahnen. Dazu kommt der forcierte Ausbau des Individualverkehrs im Interesse von Erdöl- und Automonopolen: "Während 1950 weltweit 70 Millionen Pkw und Lkw auf den Straßen fuhren und standen, waren es 2012 bereits eine Milliarde".

In Hamburg Altona soll der Regional- und Fernbahnhof aus Gründen der Grundstücksspekulation verlegt werden. "Da werden die Kollegen aus dem Hafenbereich die Gekniffenen sein. Ihr Arbeitsweg verlängert sich, schlimmstenfalls werden die Kollegen wieder das Auto zur Arbeit nehmen, der Luftschadstoffgehalt Hamburgs würde weiter zunehmen", so Jochen Büttner von der Umweltgewerkschaft. Er wirbt für das Fachgruppentreffen Verkehr der Umweltgewerkschaft am 3. und 4. Dezember im Naturfreundehaus in Göttingen. Sie beschäftigt sich neben der Krise bei VW und der Verbrennungsmotor-Technik auch mit dem Bahnverkehr (www.umweltgewerkschaft.org).

  • Ausbau eines kostenlosen und verlässlichen öffentlichen Nahverkehrs! Auch im gesamten Verkehrsverbund der Großstädte!
  • Güterverkehr auf Schienen und Wasserwege!
  • Schnellstmögliche Umstellung auf ein Verkehrssystem, das auf die Nutzung fossiler Brennstoffe verzichtet!