Sozialismus

"One Billion Rising" - kritisch unterstützen und den Kampf für die weltweite Befreiung der Frau aktiv führen

"One Billion Rising" - kritisch unterstützen und den Kampf für die weltweite Befreiung der Frau aktiv führen
Der "One Billion Rising"-Tanz auf dem Internationalen Pfingstjugendtreffen 2015 in Gelsenkirchen (rf-foto)

06.02.16 - In diesem Jahr findet am 14. Februar zum vierten Mal seit 2013 weltweit der „One Billion Rising“- Tag statt. Ausgedacht hat sich dies die US-Amerikanerin Eve Ensler. Nach einer Reise in den Kongo fasste sie den Entschluss für diesen weltweiten Aktionstag. Sie hatte nach eigener Aussage im Kongo mehrfach Krankenhäuser für Frauen besucht, die dort traumatisiert von systematischer Vergewaltigung und Misshandlung behandelt wurden. Diese sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Mädchen wird gezielt zur Unterdrückung fortschrittlicher und revolutionärer Frauenbewegungen in immer mehr Ländern der Welt eingesetzt.

Die UNO schätzt, dass wenigstens eine Milliarde (One Billion) Frauen und Mädchen von sexueller Gewalt betroffen sind. Sie alle sollen einmal im Jahr rund um den Erdball mit einer gemeinsamen Erhebung (englisch: Rising) auf dieses ungeheuerliche Ausmaß von (sexueller) Gewalt gegen Frauen und Mädchen hinweisen.

So sehr diese Aktion zu begrüßen ist, so klar muss auch sein, dass sie kein Ersatz für die Bildung einer weltweiten kämpferischen Frauenbewegung sein kann. Überall auf der Welt erheben mutige Frauen selbstbewusst ihr Haupt, fordern ihre Rechte, schließen sich mehr und mehr zusammen und kämpfen für eine Zukunft ohne Ausbeutung und Unterdrückung. Der bewussteste Ausdruck dieses Prozesses ist die Bewegung der Weltfrauen, die in diesem Jahr die 2. Weltfrauenkonferenz in Nepal vorbereitet und durchführen wird.

Es stellt sich außerdem die Frage, ob solche plötzlich aus dem Internet hervorschießenden Bewegungen den harten Kampf, den die Masse der werktätigen Frauen überall auf der Welt führen muss, nicht verniedlichen und bagatellisieren. So wird den Frauen in Deutschland suggeriert, mit einem Tanz auf der Straße sei der Kampf um die Befreiung der Frau aktiv zu führen. Das ist aber ein Trugschluss, wie zum Beispiel die harten Kämpfe der Textilarbeiterinnen in Bangladesch zeigen. E

in Beispiel für aktiven Kampf zur Befreiung der Frau sind die Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) aus Rojava (Westkurdistan/Nordsyrien), die sich aus alten patriarchalen Strukturen heraus- und gegen den faschistischen „Islamischen Staat“ (IS) nebst seiner Frauenverachtung freigekämpft haben. Der Fakt, dass Aktionen wie „One Billion Rising“ - so reizvoll sie auch erscheinen mögen - gerade vor dem Hintergrund des nötigen Kampfs um die Befreiung der Frau durch die bürgerlichen Massenmedien gepusht werden, lässt die Frage aufkommen, ob sie nicht von den Herrschenden lanciert wurden, um vom berechtigten Kampf abzulenken.

Sowohl die Vorbereitungen der 2. Weltfrauenkonferenz, als auch die Vorbereitungen für den „One Billion Rising“-Tag finden in Deutschland dieser Tage nach der Silvesternacht in Köln in einer besonders brisanten Situation statt. Denn mittlerweile ist klar, dass diese Übergriffe mafiös organisiert und koordiniert durchgeführt wurden. In wenigstens sechs Ländern Europas und in unzähligen Städten haben diese Attacken mehr oder weniger zeitgleich stattgefunden. Die Täter sind politisch motiviert und verschleiern oft ihre faschistischen, rassistischen und zutiefst frauenverachtenden Gräueltaten mit religiösen Verklärungen.

Dazu schreibt Stefan Engel bezogen auf den faschistischen sogenannten „Islamischen Staat“ (IS) im neuen Interview „Der Stimmungsumschwung 2015 und der X. Parteitag der MLPD“: „Die Religion dient nur der reaktionären Verbrämung ihrer aggressiven Ziele, ist also reine Demagogie. Der politische Kern dieser Bewegung ist eine neue Art des Faschismus, der sich insbesondere gegen die revolutionäre Arbeiterbewegung, die kämpferische Frauenbewegung und jeden gesellschaftlichen Fortschritt richtet.“

Es gilt also, den "One Billion Rising"-Tag kritisch zu unterstützen und ihn zugleich zur weiteren Vorbereitung der Weltfrauenkonferenz zu nutzen. Die MLPD als Mitglied der ICOR beteiligt sich aktiv an der Vorbereitung der zweiten Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen, die vom 13. bis 18. März 2016 in Nepal stattfinden wird.

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