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Aleppo wieder in der Hand von Baschar al-Assad

Aleppo wieder in der Hand von Baschar al-Assad
Zeichnung aus dem zerstörten Aleppo von 2013 (joshua tabti)

17.12.16 - Seit 13. Dezember kontrolliert das Regime des syrischen Machthabers Baschar al-Assad wieder Aleppo. Zwischen der Türkei und Russland wurde eine Evakuierung von Zivilisten und Kämpfern der islamistischen Milizen aus Ost-Aleppos ausgehandelt. Doch bereits nach einem Tag erklärte die russische Regierung die Evakuierung für beendet. Gerade mal 9.500 Menschen konnten Aleppo verlassen. Der UN-Syrienbeauftragte Staffan de Mistura spricht von mindestens 50.000 Menschen, die noch auf die Evakuierung warten. Die Einnahme Aleppos ist keine "Befreiung", sondern der Sieg eines Despoten über nicht minder despotische, faschistische Kräfte. Er verschafft vor allem Russland und Iran eine bessere Position im Kampf um die Einflussgebiete in Syrien.

Die Schlacht um Aleppo hat die Wirtschaft eines der größten Wirtschaftszentren des Mittleren Ostens und eine der ältesten Städte der Welt zerstört - Tausende Zivilisten fielen barbarischen Kriegsverbrechen auf beiden Seiten zum Opfer, Zehntausende wurden zur Flucht getrieben oder als Schutzschild missbraucht. Aleppo ist von strategischer Bedeutung vor allem für die Kontrolle der Verbindungswege in Nordsyrien, zum Beispiel von der Türkei nach Jordanien.

Der Fall Aleppos ist eine Niederlage für die faschistischen und faschistoiden Milizen wie Ahrar al-Sham¹ und die Fatha al-Scham² und die sie unterstützenden imperialistischen und neuimperialistischen Länder wie USA, Türkei, Saudi-Arabien und Katar.

An der Schlacht um Aleppo waren auf Seiten des Assad-Regimes schätzungsweise 30.000 syrische Soldaten und Milizen beteiligt. Unterstützt wurden sie von Hisbolla-Milizen aus Jordanien, schiitisch-irakischen Milizen und russischen Spezialeinheiten. Syrische Bomber warfen Fassbomben ab, russische Bomber zerstörten bewusst Krankenhäuser und die Wasser- und Stromversorgung. Die Zivilbevölkerung wurde zwischen den Fronten zerrieben! Und es gibt Berichte über brutale Racheakte der Sieger.

Bundesregierung und viele westliche bürgerliche Medien legen aber allein darauf den Fokus. Verschwiegen wird oft, dass von den sogenannten „Rebellen“ in gleicher Weise reaktionärer und brutaler Terror ausgeht. Er unterscheidet sich in nichts vom Terror des Assad-Regimes. Im Osten Aleppos wohnten bis 2012 rund 300.000 Menschen - vor allem Araber, Kurden, Türken und Turkmenen. Viele sind Bau- und Textilarbeiter. Reiche, Beamte und Landbesitzer wohnen vor allem im Westen Aleppos.

Ost-Aleppo wurde 2012 von bewaffneten islamistisch-faschistischen Gruppen von außerhalb eingenommen. Rund 30 verschiedene, zum Teil miteinander rivalisierende, reaktionäre und faschistische Gruppen terrorisierten die Zivilbevölkerung – zum Teil nach der faschistisch-feudalen Scharia-Gesetzgebung.

Can Polat, Kommandant und Sprecher der YPG³ berichtet: Diese Gruppen „stahlen und plünderten ... alles und exportierten diese Waren billig in die Türkei, was zur Zerstörung der Wirtschaft und der Arbeitsmöglichkeiten vor Ort führte“. Den bestimmenden Einfluss hatten dabei die Terrorgruppen „Ahrar al Sham“ und „Fatha al-Scham“. Die verschiedenen Gruppen fingen an, sich gegenseitig zu bekämpfen und barbarische Verbrechen an den Zivilisten, an Kurden und Christen zu begehen - so wie es auch der IS macht. Sie schlachteten und exekutierten Zivilisten auf den Straßen, zerstörten Kirchen und nahmen gezielt Kurden ins Visier.

Zum Schutz der Zivilbevölkerung kämpften deshalb Verbände der „Syrisch Demokratischen Kräfte“⁴ (SDF) gegen die faschistoiden und faschistischen Milizen und die Assad-Truppen. Sie befreiten drei weitere Stadtteile und brachten Tausende Zivilisten in Sicherheit.

Auch die Türkei nutzt die Situation, um durch die Zusammenarbeit mit reaktionären und faschistischen Terrorgruppen wie auch dem IS ihren Einfluss in Syrien auszuweiten. Einheiten der SDF hatten in Aleppo ein gemeinsames Quartier des türkischen Geheimdienstes MIT und der faschistischen Grauen Wölfe ausgenommen.

Nach der Einnahme von Aleppo ist damit zu rechnen, dass Assad als Nächstes das von islamistischen Milizen - vor allem der ehemaligen Al-Nusra-Front - beherrschte Gebiet um die Stadt Idleb angreift. Mit einer Verschärfung der Widersprüche in Syrien und zwischen den imperialistischen und neuimperialistischen Ländern ist zu rechnen. Umso wichtiger: die Solidarität mit den fortschrittlichen Kräften und dem Kampf um Demokratie und Freiheit in Rojava - als Beispiel für ganz Syrien! Dafür steht der vor kurzem erweiterte Solidaritätspakt der ICOR mit dem kurdischen Befreiungskampf.

 

 ¹ Ahrar al-Sham: gelten als die Taliban Syriens

 ² Frühere Al-Nusra-Front, ein Ableger von Al Quaida

 ³ YPG: Volksverteidigungseinheiten in der autonomen Region Rojava/Nordsyrien auf www.kommunisten.de

 ⁴ Demokratische Kräfte Syriens: ein Zusammenschluss kurdischer, arabischer, turkmenischer und aramäischer Einheiten, darunter auch die kurdischen YPG und YPJ