Betrieb und Gewerkschaft

Hagen: Trotzig und wütend für ein Stadtteil-Krankenhaus

Hagen: Trotzig und wütend für ein Stadtteil-Krankenhaus
Krankenhaus in Hagen-Elsey (rf-foto)

15.12.16 - Trotzig und wütend zogen am 8. Dezember rund 100 Demonstranten durch den Stadtteil Elsey in Hagen-Hohenlimburg. "Wir sind hier, wir sind laut, weil man unser Krankenhaus klaut", riefen sie durch die Einkaufsstraße. Einige waren zum erstenmal in ihrem Leben auf einer Demonstration. Mit dem Verkauf an die Katholischen Kliniken Hagen (KKH) zum Jahresbeginn 2017 will die bisher verantwortliche Diakonie Südwestfalen im örtlichen Krankenhaus die gesamte Grundversorgung schließen: HNO, Gynäkologie, Chirurgie, Notfallambulanz. Die Einrichtungen der inneren Medizin sollen reduziert werden. Stattdessen soll das Krankenhaus zu einem Zentrum der psychiatrischen und Sucht-Behandlung ausgebaut werden.

Die Beschäftigten, überwiegend Frauen, will die Klinikleitung teilweise in andere Häuser versetzen. Besonders betrofffen sind die rund 20 Beschäftigten der Firma ELWI. Sie arbeiten als Reinigungs- und Küchen-Personal. Die Katholischen Kliniken haben erklärt, sie könnten die Tariflöhne nicht bezahlen und würden diese Arbeiten fremdvergeben. Soviel zum Thema "Nächstenliebe" in einem katholischen Betrieb – und das kurz vor Weihnachten! Schon heute gibt es in Hohenlimburg mit seinen rund 27.000 Einwohnern keinen Kinder- und keinen Hautarzt mehr. Eine Korrespondentin berichtet:

"Seit die Schließungspläne Ende Oktober veröffentlicht wurden, beherrscht dieses Thema viele Diskussionen. Eine Erklärung des Frauenverbands Courage in Verbindung mit der Organisierung einer Unterschriftensammlung schlug breite Wellen. Inzwischen haben über 4.000 Menschen unterschrieben. Viele unterschreiben deshalb nicht, weil sie spüren, dass mehr getan werden muss. Im Flugblatt der MLPD Hagen/Märkischer Kreis heißt es:

'Im Gesundheitswesen ziehen heute Pharma- und Krankenhauskonzerne mit ihrem Profitinteresse die Fäden. Auch die KKH ist keine Religionsgemeinschaft, sondern ein kapitalistisches Unternehmen. Die bürgerlichen Parteien haben sich diesem Profitrahmen verschrieben. CDU wie SPD, FDP und GRÜNE treiben seit Jahren die Privatisierung der Krankenhäuser im Interesse von Krankenhauskonzernen voran. Kein Wunder, dass sie diesen Abbau jetzt mit tragen.'

So gibt es auf Landesebene in Nordrhein-Westfalen einen sogenannten Krankenhausbedarfsplan, der allein für Hagen den weiteren Abbau von bis zu 600 Betten vorsieht. Dafür werden über 500 Millionen Euro an Steuergeldern als Zuschüsse bereit gestellt. Bis jetzt hat keine der örtlichen bürgerlichen Parteien öffentlich protestiert. Bezirksbürgermeister Voss (CDU) erklärte sogar ausdrücklich, dass das Grundgesetz nun mal privatwirtschaftliche Verfügung garantiere.

Vielen Demonstranten leuchtete deshalb ein, dass es jetzt auf sie selber ankommt. Manch einer ergriff am offenen Mikrofon das Wort. In bewegenden Worten schilderten Frauen ihre Verbundenheit zum örtlichen Krankenhaus, in dem sie ihre Kinder zur Welt gebracht haben. Arbeiter aus dem Warmwalzwerk von thyssenkrupp steel betonten die Bedeutung des Krankenhauses für die Betriebsunfälle in den örtlichen Walzwerken. Ältere Menschen gingen auf die Notwendigkeit der wohnungsnahen Gesundheitsversorgung ein. Das Internationalistische Bündnis, das sich kürzlich als örtliche Wählerinitiative gegründet hat, unterstützte die Demonstration und stieß auf Interesse. Am Schluss waren sich alle einig: wir treffen uns am nächsten Donnerstag wieder und direkt auf der Straße gründete sich eine Bürgerinitiative."

Auch in anderen Städten mehren sich Proteste gegen die Schließung von Krankenhäusern und Klinikabteilungen vor dem Hintergrund zunehmender Spezialisierung unter dem Diktat der Klinikkonzerne. In Gelsenkirchen wehren sich die Bürger gegen die drohende Schließung des St. Josef-Krankenhauses im Stadtteil Horst. Die Wählerinitiative der Internationalistischen Liste/MLPD beschloss dazu auf ihrem letzten Treffen eine Protest- und Solidaritätserkärung.