Betrieb und Gewerkschaft

Meinungen aus VW-Betrieben: "Die müssen mit ihrem Privatvermögen haften!"

13.12.16 - Hier eine Zusammenstellung von Berichten und Meinungen aus verschiedenen Betrieben des VW-Konzerns. rf-news wird ab jetzt fortlaufend auch kürzere Stimmungsberichte veröffentlichen. Die Redaktion bittet um Zusendungen!

Audi Neckarsulm: "Die machen aus Angst Zugeständnisse"

Die Pfiffe gegen Vorstandschef Stadler und die Proteste gegen die geplante Streichung der Nachtschicht in Ingolstadt und Neckarsulm auf den letzten Betriebsversammlungen blieben nicht ohne Wirkung. Absatzrückgänge in verschiedenen Segmenten auf dem Rücken der Beschäftigten – nicht mit den Audi-Kollegen. Auf diese Stimmung reagierte die Geschäftsleitung mit Angeboten: Veränderte Schichtzeiten mit reduzierter Nachtschicht, Abteilungswechsel von Kolleginnen und Kollegen.

Bluten müssen zunächst mal die Leiharbeiter. 100 wurden bis 31. Dezember „abgemeldet“, weitere 300 erhielten eine letzte Verlängerung. Gegen die Entlassung der Leiharbeiter hatte es Unterschriftensammlungen aus den Abteilungen, Beschwerden beim Betriebsrat und der IG-Metall Verwaltungsstelle zuhauf gegeben. Auch diese Betroffenen bekamen Angebote, so z.B. Arbeit bei Porsche, befristet auf sechs Monate mit Option auf Übernahme. Wieder um die Kollegen ruhig zu halten.

Ganz aktuell wurde auf einer Betriebsversammlung von der Geschäftsleitung eine neue Betriebsvereinbarung vorgestellt. Redebeiträge des Vorstandes appellierten an den „Zusammenhalt in schweren Zeiten“, wollten die Kollegen einschwören auf mehr Flexibilität für die kommende Anlaufphase. Die Betriebsvereinbarung legte fest, dass die Beschäftigungssicherung an den deutschen Standorten bis 2020 verlängert und Maßnahmen zur Effizienzsteigerung vereinbart werden.

Die Verhandlung über die konkreten Seiten beginnt aber erst Anfang 2017 und soll in eine langfristige Beschäftigungssicherung bis 2015 münden. Darin soll, ähnlich wie bei VW auch die Produktion von E-Autos, Komponenten, Batterien an den einzelnen Standorten in Europa festgelegt werden. Die Betriebsratsspitze trägt die Ruhigstellung der Kollegen voll mit, kein Wort der Kritik an den Vorständen, kein Wort zum Grundsatz des in Deutschland geltenden Verursacherprinzips: wer einen Schaden verursacht, muss selbst haften.

Für die engagierte Diskussion auf der Betriebsversammlung sorgten die Kollegen selbst. Die Entlassungen der Leiharbeiter wurden deutlich angeprangert, ein Redner forderte das Verbot der Leiharbeit, ein anderer Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich. Auch die qualifizierte Weiterbeschäftigung und der Widerstand gegen die Auflösung der Abteilung Motorsport kam zur Sprache.

Beifall erhielt ein Redebeitrag, der die „Sozialverträglichkeit“ des Zukunftspakts für VW entlarvte. Stattdessen forderte er emissionsfreie Antriebe, eine lebenswerte Umwelt und das aktive Eintreten für die Zukunft der Jugend, wie es das Zukunftsprogramm der VW-Kommitees vorsieht.

Kommt man gegen VW an? Diese Diskussion wird praktisch entschieden. Das entscheiden die Kollegen selbst, ob sie sich zusammenschließen und den gemeinsamen Kampf für zukünftige Generationen aufnehmen.

VW Braunschweig: Eingeschränktes Rederecht ist kein Zeichen von Stärke

Die Diskussionen im Betrieb sind hitzig, viele Kollegen sind unzufrieden und wissen einfach nicht, mit wem sie den gemeinsamen Kampf um unsere Arbeitsplätze aufnehmen können.Misstrauen in den Betriebsrat ist vorhanden, der eilfertig bereit war, gemeinsam mit der Werksleitung die freie Aussprache als Tagesordnungspunkt auf der Betriebsversammlung zu streichen. Man konnte nur Fragen stellen – was ist denn das für eine Demokratie! Die Geschäftsleitung kündigt massive Entlassungen an, die Kollegen sollen darüber nicht diskutieren? Stattdessen werden wir mit Angeboten wie „Arbeitsplatzssicherung“ ruhig gehalten. Die müssen ja Angst vor uns haben!

VW Wolfsburg: "Wir erfahren immer alles als letzte"

So ein Kollege beim Verteilen letzte Woche vor dem Betriebstor in Wolfsburg. Die Zustimmung war hoch zur Aussage, dass die Verantwortlichen den Betrug nicht ausbaden müssen. Zustimmung erfuhr ich zur Abbildung auf der VW-Broschüre, dass da alle mit drinstecken: Regierung, EU-Verantwortliche, Minister. Deshalb gehören die Verantwortlichen bestraft! Auch da gab es wohlwollende Zustimmung.

Ein anderer sagte: "Meine Erfahrung ist, dass der Zukunftspakt des VW-Vorstands alles andere als begeistert aufgenommen wird. Zu viele 'Zukunfts'-Versprechen erlebten sie über die Jahre, welche sie alle teuer bezahlen mussten. Mit der Verkündung der Entlassungen ist gesagt worden, betriebsbedingte Kündigungen seien ausgeschlossen. Das beruhigt zwar manche Kollegen, aber die Sorge um die Zukunft ist damit nicht weg."

MAN München: Sauer auf die VW-Pläne

Bei einem Einsatz vor den Toren von MAN München am 21. November stand im Mittelpunkt, Unterstützer für die Internationalistische Liste zu gewinnen. Auf die Ansprache "VW will 30.000 Arbeitsplätze vernichten, wir dürfen nicht zulassen dass die VW-Bosse die Krise auf die Beschäftigten und die Gesellschaft abwälzen" antworteten viele Kollegen zustimmend. "Das ist richtig", oft aber auch: "Was sollen wir schon dagegen machen?" Die Kollegen sind durchweg sauer auf die VW-Pläne und auf die Bonus-Zahlungen an den Vorstand. Die meisten, mit denen wir sprachen, fanden es richtig, wenn jetzt Proteste im Betrieb stattfinden, fragten aber, wer soll das organisieren. Einige wollen das mit ihren Kollegen diskutieren, auch die IGM-Vertrauensleute ansprechen. Gut kam das Argument an "Arbeiter müssen sich um die Politik kümmern, der Protest von links gegen die Regierung muss gestärkt werden". Etliche, vor allem junge Kollegen, trugen sich in die Liste zur Unterstützung des Internationalistischen Bündnisses ein.

Audi Neckarsulm: "Die müssen mit ihrem Privatvermögen haften!"

Auf der Betriebsversammlung im Oktober stellte ein Kollege den Widerspruch heraus, dass Kollegen wegen kleinerer Vergehen, wie Klauen im Kiosk, fristlos gekündigt wurden, während die Vorstände bisher ohne Strafe davon kommen und dann noch Boni und Abfindungen erhalten. Dafür gab es großen Beifall.

VW Hannover: "Wie beim französischen Dinner"

Die Leute sind unzufrieden damit, dass die Wärmetauscherfertigung platt gemacht werden soll und die Leiharbeiter rausfliegen sollen. Einige Stimmen dazu: "14.000 Arbeitsplätze weniger in der Region, das ist eine Katastrophe. Wir müssen was machen." "Eigentlich müssten wir jetzt sofort eine Informationsveranstaltung auf dem Stöckener Markt machen." "Lass uns Montag alle krank melden wie die bei TUI." "Es regiert nun mal das Kapital, die können machen was sie wollen." Und zur Vertrauensleute-Sitzung sagte ein Kollege: "Heute war wieder einmal französisches Dinner – Kröten schlucken." "Selbst die Regierung will mittlerweile wegen dem Unmut aus der Bevölkerung die Leiharbeitsdauer auf 18 Monate begrenzen, aber bei VW geht die Sklavenarbeit drei Jahre oder jetzt sogar noch länger, wenn man nach den drei Jahren Leiharbeit nochmal zwei Jahre befristet bei VW übernommen wird."