Betrieb und Gewerkschaft

Nein zum "Zukunftspakt"! Ja zur Zukunft der Jugend!

Nein zum "Zukunftspakt"! Ja zur Zukunft der Jugend!

12.12.16 - So ist der Hauptartikel einer neuen Ausgabe der konzernweiten Kollegenzeitung für die deutschen VW-, Audi-, Porsche- und MAN-Werke, "Vorwärtsgang", überschrieben. Weiter heißt es darin:

Der Vorwärtsgang extra vom 21.11. mit der Überschrift "Zukunftspakt - Nehmen wir die Herausforderung an" traf genau ins Schwarze. Er wurde an fast allen VW-, Audi-, MAN- und Porsche-Standorten breit verteilt, meist mit deutlich höherer Auflage als üblich.

VW will sich auf Kosten der Arbeiter und der ganzen Gesellschaft gesundstoßen. Hintergrund sind ihre wirtschaftlichen Probleme aufgrund der VW-Krise (Rückstellungen von 14 Milliarden) und der kommende Druck auf dem Weltmarkt. Dazu gehören auch (aber nicht nur) die neuen Entwicklungen rund um die Elektromobilität. Nach der großen Vorstellung des Zukunftspakts am 18.11. will VW nun am liebsten den Mantel des Schweigens über den Zukunftspakt decken.

In Kassel wurde die von der BR-Führung mitgetragene Stillschweigetaktik zum Zukunftspakt bei den Vertrauensleute-Vollversammlungen in KW 48 durchbrochen. Die Kollegen, die sich auf den Versammlungen zum Zukunftspakt gemeldet haben, lehnen ihn bzw. jeweilige Teile davon deutlich ab.

Der Zukunftspakt konnte bisher nicht positiv belegt werden in der Stimmung der Belegschaft - trotz des Medienrummels und der demonstrativen Einheit von Kapital und BR-Führung. Das zeigt die Defensive von VW und eröffnet gute Möglichkeiten, dass wir in die Offensive gehen.

Was soll denn "sozialverträglich" daran sein, wenn kommenden Generationen 30.000 Arbeitsplätze fehlen? Wie viele Werke wurden schon "sozialverträglich" geschlossen und die Folge war der soziale Ruin unzähliger Familien? Ist denn "sozialverträglicher Arbeitsplatzabbau" nicht ein Widerspruch in sich?

Der VW-Vorstand behauptet schändlich und provokant, wir wären "unproduktiv". Da können wir nur lachen. Wir bringen jedes Jahr 5 bis 10 Prozent mehr Produkvität - man kann das auch Ausbeutungssteigerung nennen. Wenn das kriminelle VW-Management aufgrund ihres eigenen Betrugs nun keinen Profit mehr macht, dann sollen sie die Verantwortung übernehmen!

VW erwähnt den kriminellen Abgasbetrug nicht einmal - mit spitzen Fingern sprechen sie höchstens von "Dieselthematik". Das ist die Untertreibung des Jahres. Gleichzeitig wird eine neue Untersuchung veröffentlicht: Immer noch durchschnittlich 40 Prozent mehr Spritverbrauch als angegeben. Dobrindt trägt mit, dass VW in Europa niemand entschädigen will.

Der Vorwärtsgang meint: VW muss auch in Europa Entschädigungen zahlen - das Geld sollen sie sich bei den Schuldigen holen, gerne auch beim Privatvermögen der Porsche/Piech-Familie (ca. 60 Milliarden Euro).

Die Betriebsrats- und Gewerkschaftsspitze bei VW stellt sich teilweise schützend vor den Zukunftspakt und trägt ihn mit. Manche von ihnen sagen mehr oder weniger verborgen, dass sie den Zukunftspakt auch nicht gut finden. Interessant ist, dass in den kommenden Wochen in jedem Standort die jeweiligen Standort-Zukunftspakte verhandelt und abgestimmt werden. Wir schlagen vor: Wer den Zukunftspakt ablehnt, der muss auch dagegen stimmen! Wer ihm zustimmt, der muss nachher nicht kritisch tun! Es ist an der Zeit, klar Farbe zu bekennen!

In den letzten Wochen gab es schon eine Zunahme kämpferischer Aktivitäten, Pausenversammlungen, der Vorbereitung und Durchführung von kämpferischen Betriebsversammlungen und Überlegungen für Aktionstage. Jetzt ist die Zeit, selber aktiv zu werden!

Der Vorwärtsgang schlägt dafür klare Positionen vor:

Keine Preisgabe gewerkschaftlicher Grundpositionen - Kampf um Arbeitszeitverkürzung statt Entlassungen

Statt schleichender Abbau von Azubi-Stellen: Sicherung der Zukunft der Werke durch Erhöhung der Ausbildungsquote

Der Zukunftspakt gehört abgelehnt und neu verhandelt.