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Der Pannenreaktor Cattenom soll insgesamt über 40 Jahre laufen

Der Pannenreaktor Cattenom soll insgesamt über 40 Jahre laufen

Hohes Risiko: Das Pannen-AKW Cattenom (foto: Stefan Kühn (CC BY-SA 3.0))

23.12.16 - Geht es nach dem französischen Energiekonzern EdF, soll das umstrittene und durch ständige Abschaltungen bekannte Atomkraftwerk Cattenom an der Mosel insgesamt über 40 Jahre laufen. Die Generalüberholung des ältesten der vier Reaktoren soll dazu die Voraussetzungen bieten. Cattenom liegt 48 Kilometer südwestlich von Trier, 58 Kilometer westlich von Saarbrücken. In der Hauptwindrichtung (West) liegen auch deutsche Großstädte wie Frankfurt, Mainz, Wiesbaden, Darmstadt, Mannheim, Heidelberg und Karlsruhe. Auch Metz und Luxemburg sind gefährdet.

Die Aktienmehrheit der Atomkonzerne Areva und EdF liegt beim französischen Staat. Die EdF gaukelt den besorgten Menschen aus der dichtbesiedelten Grenzregion vor, dass der Austausch von 64 000 Messingrohren durch Titanrohre, angeblich erdbebensichere Technik und eine weitere unabhängige Notstromversorgung für insgesamt 100 Millionen Euro die Anlage sicher macht. Bei ca. 1 Million Euro Gewinn pro Tag hat sich das für den Monopolprofit schnell „gerechnet“! Mit der Zunahme der Laufzeit steigt aber die Gefahr eines Super-GAU massiv - auf Grund der radioaktiven Korrosion, sprich: dem vorzeitigen Verschleiß von Stahl und Dichtungen.

Cattenom ist kein Einzelfall. Der Alt-Reaktor Fessenheim am Rhein bedroht den Großraum Freiburg, seine Abschaltung wurde von der französischen Atomaufsicht wegen gravierender Sicherheitsmängel angeordnet. Der scheidende französische Präsident Francois Hollande hatte die Stilllegung von Fessenheim versprochen, alle seine potentiellen Nachfolger wollen Fessenheim weiter betreiben.

Im Sommer hatte es bereits erhebliche Proteste gegen die Schrottreaktoren Tihange und Doel in Belgien gegeben. Mittlerweile spricht selbst der Chef der belgischen Atombehörde AFCN Jan Bens von einer "alarmierenden Wahrscheinlichkeit einer Kernschmelze".

Der Unmut über die skrupellose Weiterführung der störanfälligen Kraftwerke ist in den unmittelbar betroffenen Regionen groß. Aber der wichtige Schritt zum aktiven Volkswiderstand erfordert eine neue Qualität der Organisiertheit und des Umweltkampfes! In Deutschland sind immer noch acht AKW in Betrieb, neun weitere im sogenannten „Nichtleistungsbetrieb“. Diese Atomkraftwerke müssen alle sofort stillgelegt werden - auf Kosten der Betreiber!

Die Atomtechnologie ist prinzipiell nicht beherrschbar, der strahlende Atommüll wird zu einer wachsenden Bürde für viele Generationen! Weltweit wollen die imperialistischen Regierungen und Übermonopole der Atomwirtschaft in den nächsten zehn Jahren 164 neue AKWs bauen und in Betrieb nehmen.

In der Spitzengruppe stehen hier die neuimperialistischen Staaten: China plant 43, Indien 22, Polen sechs, die Türkei vier neue AKWs. Die faschistische türkische Regierung unterdrückt auch den Umweltprotest gegen den Bau der AKWs, der in Zusammenarbeit mit Russland erfolgt, und gegen die illegale Deponierung von Atommüll auf dem Gelände einer alten Bleihütte bei Gaziemir.

Verunsichernd auf die deutsche Anti-AKW-Bewegung wirkt unter anderem, dass Landesregierungen den Protest gegen die benachbarten Schrott-Reaktoren scheinbar zu ihrer Sache machen. Saarland und Rheinland-Pfalz prüfen ein juristisches Vorgehen gegen die Laufzeitverlängerung von Cattenom. NRW-Umweltminister Johannes Remmel fordert eine europaweit verbindliche Begrenzung der Laufzeiten älterer Atomkraftwerke.

Geht es nach ihnen wird der Protest vor allem auf Internet-Petitionen und juristische Scharmützel reduziert. Zielführend ist dagegen die Forderung, wie sie auch im überarbeiteten Parteiprogramm der MLPD steht: „Baustopp und Stilllegung aller Atomanlagen auf Kosten der Betreiber – weltweit!“¹ Dort wird der Kampf gegen die Atomanlagen auch richtig eingereiht in den gesamten Kampf zur Rettung der Umwelt vor der Profitwirtschaft: „Weltweiter aktiver Widerstand gegen die drohende globale Umweltkatastrophe! ... Kampf für eine sozialistische Gesellschaftsordnung, in der die Höherentwicklung der Einheit von Mensch und Natur gesellschaftliche Leitlinie ist!“²

Gerade angesichts des Rechtsrucks zahlreicher Regierungen wird dies 2017 von wachsender Bedeutung sein. Die Umweltgewerkschaft als überparteiliche Massenorganisation einer kämpferischen Umweltbewegung wird dazu benötigt. Das Internationalistische Bündnis, in dem die MLPD aktiv mitarbeitet, trifft den Kern der Sache: Der Kampf gegen den Atomtod kann nur international und mit einer gesellschaftsverändernden Perspektive geführt werden!

¹ Programm der Marxistisch-Leninistischen Partei, S.118

² ebenda, S. 118-120

Mehr zum aktualisierten Programm der MLPD!

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