Katastrophenalarm

Japan: Am Rande neuer Atomkatastrophen

Japan: Am Rande neuer Atomkatastrophen
Sendai, Tihange, Indian Point (von links) - Drei hochgefährliche AKW bleiben am Netz, weil die Herrschenden für Maximalprofit über Leichen gehen (fotos: Kei; Michielverbeek; Daniel Case (alle: CC BY-SA 3.8)/montage: "rf-news")

10.02.16 - Am 4. Februar ist im Süden Japans der Vulkan Sakurajima ausgebrochen. Er liegt 50 Kilometer von den beiden im Sommer wieder hochgefahrenen Atomreaktoren des AKW Sendai entfernt. Dieses liegt in einem hochgradig erdbebengefährdeten Gebiet. Weitere 14 aktive Vulkane liegen im Umkreis von 160 Kilometern um das AKW Sendai. Knapp fünf Jahre nach dem Super-GAU von Fukushima am 11. März 2011, der ebenfalls durch ein Erdbeben und den nachfolgenden Tsunami ausgelöst wurde, kann es in Japan jederzeit zu einer weiteren Atomkatastrophe kommen.

Doch nicht nur dort: In 40 Kilometer Entfernung von New York liegt das 40 Jahre alte AKW Indian Point, das seit Jahren wegen dauernder Störfälle durch Brände, Leckagen, durchgerosteter Rohre usw. von sich reden macht. Jetzt wurden dort im Grundwasser extrem hohe Strahlungswerte festgestellt, nachdem das radioaktive Wasserstoff-Isotop Tritium ausgetreten ist. Die Werte liegen um das 650-Fache über dem Normalwert. Noch ist unklar, inwieweit auch das Trinkwasser gefährdet ist. "Keine Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung", behauptet der Kraftwerksbetreiber – die weltweit wohl meistgenutzte Phrase zur Verharmlosung der katastrophalen Gefahren der Atomenergie.

Nicht besser sieht es in Europa aus: Ein neuer, interner Bericht der EU gibt an, dass das Durchschnittsalter der 131 Atomkraftwerke bei 30 Jahren liegt. "Spiegel online" berichtet heute: "Mit einem Ende des Nuklearzeitalters rechnet die EU-Kommission vorerst nicht. Zwar werde die AKW-Kapazität bis 2025 zunächst sinken, dann aber ab 2030 wieder steigen, da die Laufzeiten mancher Meiler verlängert werden dürften und noch immer neue Atomkraftwerke gebaut werden. Neue Projekte seien derzeit in 14 Ländern in Planung."

Ob diese Pläne aufgehen, hängt jedoch entscheidend davon ab, wie sich der weltweite Widerstand für die Stilllegung der Atomanlagen entwickelt. Im Rahmen einer Internet-Petition haben in kurzer Zeit bisher 880.000 europäische Bürger für die sofortige Stilllegung der belgischen Pannen-AKWs Tihange und Doel unterschrieben, die mit ihren tausenden Rissen im Druckbehälter eine akute Atom-Gefahr in einer der am dichtesten besiedelten Regionen Europas darstellen.

Im Buch "Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?" wird im Kapitel III.B9 "Die unverantwortliche Nutzung der Atomenergie" das Thema grundsätzlich behandelt. Hier heißt es: "Neben den Profitinteressen der Atomkonzerne sind es die machtpolitischen und militärischen Interessen, die den Bau und Weiterbetrieb der Atomkraftwerke beflügeln. Das erklärt auch die Skrupellosigkeit, mit der Risiken in Kauf genommen und tatsächliche Gefahren verheimlicht werden." (S. 191)

Die Stilllegung aller Atomanlagen weltweit ist dringender denn je. Auch die ICOR-Mitgliedsorganisationen haben sich dafür nach der Atomkatastrophe von Fukushima in einer gemeinsamen Kampagne stark gemacht. Zum bevorstehenden fünften Jahrestag der Fukushima-Katastrophe wird es erneut Protestaktionen in vielen Ländern geben. In Deutschland werden sich auch die MLPD und ihre Umweltgruppen daran beteiligen.

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