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Sofortiges Ende der türkischen Militärübergriffe auf kurdische Gebiete in Syrien!

Sofortiges Ende der türkischen Militärübergriffe auf kurdische Gebiete in Syrien!
Eine YPJ-Kämpferin (foto: Claus Weinberg/CC BY-SA 2.0)

14.02.16 - Türkische Streitkräfte haben nach übereinstimmenden Medienberichten gestern Ziele in Syrien bombardiert, die von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) kontrolliert werden. Die Nachrichtenagentur Anadolu zitiert den türkischen Regierungschef Ahmet Davutoglu mit den Worten: "Im Rahmen der Einsatzregeln haben wir auf Kräfte in Azaz und Umgebung geantwortet, die eine Bedrohung darstellten." Die Stadt Azaz bzw. Asas liegt nördlich von Aleppo. Die türkischen Übergriffe richten sich unter anderem gegen den Luftwaffenstützpunkt Minnigh, der erst vor wenigen Tagen von den YPG eingenommen wurde. Dies ist der wahre Grund für die türkischen Kriegshandlungen und nicht die "Beantwortung" von Attacken syrischer Regierungstruppen.

Erdogan und Davutoglu diffamieren die Partei der Demokratischen Union (PYD) und die kurdischen Volksbefreiungseinheiten YPG als "terroristische Organisationen". Die Attacken gegen Kurden auf syrischem Gebiet rechtfertigt die Türkei, indem sie PYD und YPG bezichtigt, ein Arm des syrischen Regimes zu sein. Tatsächlich haben sich YPG/YPJ-Verbände mit Kräften der Anti-Assad-Opposition in Aleppo verbündet und genießen unter den Menschen dort großes Ansehen. Selbstverständlich nutzen die kurdischen Kräfte taktische Differenzen zwischen den Imperialisten. Der türkische Präsident Erdogan wettert daher sogar schon gegen die USA, weil diese die kurdischen Verbände nicht einfach als "Terroristen" bezeichnen. 

Von der deutschen Bundesregierung hat man zu den neuesten aggressiven Übergriffen der Türkei auf die Kurden wieder kein Wort des Protestes gehört. Während sie in München bei einer weiteren Syrien-Konferenz am Verhandlungstisch sitzt und Friedenswillen heuchelt, setzt sie ihre Politik des Paktierens mit dem türkischen Regime fort. In Syrien kehrt kein Frieden ein. Nicht nur die Türkei und Saudi-Arabien, auch Frankreich erwägt den Einsatz von Bodentruppen, angeblich gegen den faschistischen IS. Unterdessen gehen die russischen Bombenangriffe auf Ziele in Nordsyrien unvermindert weiter. Alle imperialistischen und neuimperialistischen Mächte wollen Syrien unter ihrer Fuchtel haben. Nur die Völker im Nahen Osten selber können diesem Treiben den Garaus machen, indem sie alle Imperialisten, ob alt oder neu, aus der Gegend vertreiben.

Die Kriegshandlungen Erdogans gegen die YPG in Nordsyrien und die kurdische Bevölkerung im eigenen Land sind eine panische Reaktion auf die Erfolge von YPG und SDF, den "Demokratischen Kräften Syriens". Die Kurden erzielen Geländegewinne an der türkischen Grenze, längst ist die von Ankara gezogene Rote Linie überschritten. Die "Yekîneyên Parastina Gel" (YPG) operiert westlich des Euphrats. Davutoglu bezichtigt die erfolgreichen kurdischen Befreiungskräfte der Attacken auf andere Volksgruppen. Dieser Vorwurf wurde längst überzeugend widerlegt (rf-news berichtete mehrfach). Das schert Davutoglu jedoch nicht.

Tatsächlich weiten sich die Geländegewinne der YPG auf Gebiete aus, in denen sich turkmenische "Rebellen", die von der Türkei unterstützt werden, aufhalten. Ausgerechnet das türkische Regime beklagt jetzt, dass der Versorgungskorridor zwischen der Türkei und Aleppo blockiert sei. Ausgerechnet Erdogan, der die Grenze zum kurdischen Teil Syriens dicht macht für Menschen und humanitäre Hilfe und diese Blockade in den letzten Tagen brutal verschärft hat. Wegen Medikamentenmangels werden in Kobanê gut behandelbare Krankheiten zur Lebensgefahr; neun Menschen sind vor kurzem deswegen gestorben.

Die YPG kontrollieren große Teile der kurdischen Siedlungsgebiete im Norden Syriens, in Rojava. Sie waren und sind es, die dem faschistischen IS die bisher schwersten Schläge versetzt haben, die Kobanê befreiten und Hoffnungsträger weit über Rojava hinaus sind. Während keine der imperialistischen Mächte etwas ausgerichtet hat, was den Menschen in Syrien nützt. Es passt zu der reaktionären Kumpanei der deutschen Regierung unter Führung von Angela Merkel, dass der Name "Rojava", wie die Kurden ihre befreiten Gebiete in Syrien nennen, in deutschen Leitmedien nicht mehr genannt werden darf. Dieses Rojava hat neben den Befreiungsschlägen gegen den IS, für zwei bis drei Millionen Kurden, Araber und andere Völker eine bespielhafte demokratische Gesellschaft aufgebaut!

Umso wichtiger ist es jetzt, dass die im ICOR-Solidaritätspakt vereinbarte gegenseitige Selbstverpflichtung zur Zusammenarbeit fortgesetzt wird. Die bisher geleistete Arbeit hat maßgeblich dazu beigetragen, dass der kurdische Befreiungskampf fester Bestandteil des weltweiten Freiheitskampfs der Arbeiterklasse und aller Unterdrückten ist. An einem Brennpunkt des Weltgeschehens hat die Arbeit der 177 ICOR-Brigadisten am Aufbau des Gesundheitszentrums in Kobanê ein positives Projekt des proletarischen Internationalismus geschaffen. Der Dokumentarfilm "Den Sieg sichern" strahlt diesen Geist lebendig aus.

Der Link zum Film

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