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Türkisches Militär intensiviert Angriffe auf YPG/YPJ

Türkisches Militär intensiviert Angriffe auf YPG/YPJ
Die türkische Armee beschießt Einheiten der YPG/YPJ mit schwerer Artillerie (foto: screenshot)

15.02.16 - Nach übereinstimmenden Berichten sowohl westlicher bürgerlicher Medien als auch der kurdischen Agentur "Firatnews" setzen die türkischen Streitkräfte ihre am 13. Februar begonnenen Angriffe auf die kurdischen Volks- und Frauenverteidigungseinheiten (YPG/YPJ) bei Azaz (Asas) fort (siehe "rf-news"). Heute wurden die Stadt Azaz, die umliegenden Dörfer und der Luftwaffenstützpunkt Minningh von türkischem Gebiet aus mit Mörsern und Haubitzen unter Artilleriebeschuss genommen.

Die türkische Regierung rechtfertigt ihre Aggression mit angeblichen Angriffen auf einen türkischen Militärposten in der Region durch YPG/YPJ-Einheiten. Dazu erklärte der YPG-Sprecher des zu Rojava gehörenden Kantons Afrin, Firat Xelîl, am Sonntag gegenüber "Firatnews": "Das entspricht nicht der Wahrheit. Im Verlauf der vergangenen vier Jahre haben unsere Einheiten nicht einen Schuss auf türkisches Gebiet abgegeben – weder von Afrin aus noch von einem anderen Teil Rojavas."¹

Weiter erklärte er, dass der türkischen Regierung die Anwesenheit der Truppen von Jaysh Al-Thuwar ("Armee der Revolutionäre" - Mit den YPG/YPJ verbündete Milizen, die die Region erst vor einigen Tagen erobert haben, Anm. d. Red.) ein Dorn im Auge ist und dies der Grund für die Angriffe sei.²

Die Türkei fürchtet die demokratische Revolution in Rojava und das erfolgreiche vereinigte Vorgehen kurdischer, arabischer oder auch christlicher Kämpfer gegen die faschistischen Verbände des IS und der Al-Nusra-Front. Sie haben bereits große Ausstrahlung in der Region. Den offen konterrevolutionären und antikommunistischen Charakter dieser Aggression legt der türkische Außenminister Mehmet Cavusoglu offen, wenn er in einem Interview behauptet: "Die PYD und ihr militärischer Flügel, die YPG, machen sogar Druck auf andere Kurden, die nicht wie sie marxistisch-leninistisch denken. ..."³

Diese immer wieder gestreuten Gerüchte, die einer Desinformation von "Amnesty International" zu Grunde liegen, wurden bereits mehrfach von der PYD widerlegt. (siehe "rf-news"). Die Behauptung, Marxisten-Leninisten würden Menschen aufgrund einer anderen Nationalität oder wegen einer anderen Weltanschauung vertreiben, ist abstrus. Marxisten-Leninisten setzen keine "Rassenschranken" sondern Klassenschranken. Sie sind eng mit dem Volk verbunden, schöpfen aus den Massen und tragen wieder in die Massen zurück. Sie haben es nicht nötig, jemanden einfach zu vertreiben.

Zynisch beschuldigt der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu in einem Telefongespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, deren Regierung die Aggression der Türkei bisher unkommentiert mitträgt, die kurdischen Volksbefreiungskräfte YPG/YPJ, sie wollten in der Grenzregion hunderttausende syrische Zivilisten in die Flucht treiben, um eine neue humanitäre Krise auszulösen, die der Türkei und der EU schaden würde. Das ist an den Haaren herbeigezogen. Die Operationen der YPG/YPJ in der Region, die in den letzten Wochen große Geländegewinne gemacht haben, dienen einzig der Verbindung aller drei Kantone Rojavas und der Einigung des Gebiets. Es wird immer deutlicher, dass die Türkei immer aggressiver gegen Rojava vorgeht. Die Palette reicht hier von der Erdrosselungspolitik gegen die Stadt Kobanê über zunehmende militärische Attacken bis hin zu einem Einmarsch mit Bodentruppen, der immer häufiger ins Gespräch kommt.

Die türkische Regierung sieht ihren imperialistischen Plan, eine Vormachtstellung in Syrien zu erobern, durch den Kampf der Kurden für Freiheit und Demokratie sowie durch die aktuell mit russischer Luftunterstützung vorrückenden Einheiten des Assad-Regimes bei Aleppo akut gefährdet. Eine höchst gefährliche weitere Zuspitzung der militärischen Situation in Syrien bahnt sich an.

Die revolutionäre Weltorganisation ICOR steht zu ihrem Solidaritätspakt mit kurdischen Kräften zur Unterstützung und Verteidigung der demokratischen Revolution in Rojava. Weltweit müssen die internationale Arbeiterbewegung und alle fortschrittlichen Menschen gegen die türkische Aggression protestieren. Jegliche Unterstützung seitens der deutschen Regierung und der EU für die Türkei muss gestoppt werden. Abzug aller imperialistischen Mächte aus Syrien! Hände weg von Rojava!

¹) und ²) „Firatnews“ vom 14. Februar (eigene Übersetzung)

³) "Süddeutsche.de", 14. Februar.