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"Gigaliner" auf Kosten von Umwelt und LKW-Fahrern zugelassen

"Gigaliner" auf Kosten von Umwelt und LKW-Fahrern zugelassen

"Gigaliner" - Lastwagen dieses Kalibers werden bald auf deutschen Autobahnen zu sehen sein (foto: VCX)

04.01.17 - Zum neuen Jahr hat das Bundesverkehrsministerium den Regelbetrieb von Lang-LKW bzw. EuroCombi nach einer fünfjährigen Testphase auf bestimmten Strecken von insgesamt 11.600 Kilometern freigegeben. Nicht dabei sind Berlin, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Diese, auch "Gigaliner" genannten, LKW sind mit 25,25 Meter um 6,5 Meter länger als die bisher erlaubten. In Nordrhein-Westfalen sind "nur" 17,80 Meter lange Sattelauflieger zugelassen. Hierbei geht es um die Umsetzung einer EU-Richtlinie aus dem Jahr 1996 zur "Steigerung der Effizienz und Wirtschaftlichkeit des Straßengüterverkehrs" im Interesse der Transportwirtschaft und der Nutzfahrzeugindustrie.

Hintergrund ist die Just-in-time-Produktion zur Profitmaximierung, die z.B. die Monopole der Automobilindustrie eingeführt haben. Damit wurde die Lagerhaltung von Produktionsteilen weitgehend auf die Straße verschoben. Hinzu kommt der zunehmende, bewusst von großen Logistik-Unternehmen geförderte Online-Handel. Der nächste offene Streit in der Bundesregierung ist damit entbrannt. Das Umweltministerium hatte sich für eine Verlängerung der Testphase ausgesprochen. Eine Sprecherin von Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) bezeichnete die reguläre Zulassung der Lang-LKW durch eine Verordnung als "Alleingang" von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Er ist ja bereits als "Schutzherr" des VW-Abgasbetrugs im Rahmen der VW-Krise in die Schlagzeilen geraten.

Der LKW-"Aufrüstung" wird auch noch ein "ökologischer" Anstrich gegeben, indem behauptet wird, dass angeblich zwei Gigaliner drei herkömmliche LKW ersetzen und so zwischen 15 und 25 Prozent weniger Diesel verbraucht wird. Laut einer Studie der Technischen Hochschule Wildau und der Technischen Universität Berlin ist aber damit zu rechnen, dass 7,6 Prozent des Schienengüterverkehrs zusätzlich auf die Straße gebracht wird – nicht zuletzt auf Kosten der LKW-Fahrer. So stehen heute schon die Rastplätze an den Autobahnen voller Lastzüge aus ganz Europa, in denen die Fahrer zur Einhaltung ihrer Lenkzeiten Pause machen und übernachten müssen. Doch für die Gigaliner gibt es noch nicht einmal Parkplätze in der ausreichenden Länge.

Außerdem würde damit nicht nur die Feinstaub- und Diesel-Belastung durch Stickoxide mit schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit zunehmen, sondern auch der Verschleiß auf den Autobahnen und Brücken. Mit Maut-Gebühren sollen dann gleich alle Autofahrer zur Kasse gebeten werdem, um die höheren Kosten für deren Sanierung zu zahlen. Die Umweltgruppen der MLPD sind unter anderem aktiv gegen die umwelt- und gesundheitsschädliche Verkehrspolitik von Monopolen und Regierung. In ihrem Umweltkampfprogramm fordert die MLPD: "Güterverkehr auf Schienen und Wasserwege! Schnellstmögliche Umstellung auf ein Verkehrssystem, das auf die Nutzung fossiler Brennstoffe verzichtet!"¹

¹ Stefan Engel: Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?, S. 278

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