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Löscht Facebook Erdogan-kritische Posts?

09.01.17 - Schon zum zweiten Mal binnen weniger Wochen hat Facebook das Konto des Münchener Kommunikationswissenschaftlers und Erdogan-Kritikers Kerem Schamberger gesperrt. Er sei erneut für 30 Tage gesperrt worden, "für einen 2,5 Jahre alten Post, der bereits vor sechs Wochen von Facebook gelöscht worden war und an dem eine Bundestagsabgeordnete und ein führendes Mitglied der griechischen Regierungspartei Syriza beteiligt waren", so Schamberger. Es ging um ein Bild aus dem Jahr 2014, auf dem Giorgos Chondros (Syriza), die Bundestagsabgeordnete der Linkspartei, Nicole Gohlke, und Aktivisten ihre Solidarität mit dem inhaftierten PKK-Vorsitzenden Abdullah Öcalan zeigten.

Nach Schambergers Meinung werden von Facebook vor allem Veröffentlichungen unterdrückt, die sich mit dem kurdischen Befreiungskampf beschäftigen bzw. für diesen Partei ergriefen. So hatte er eine Rede des Vizevorsitzenden der Union der Gemeinschaften Kurdistans, Cemil Bayik, ins Deutsche übersetzt und gepostet. Dieser ging auf die Einschätzung der PKK zu den Entwicklungen in der Türkei und ihre Haltung dazu ein. "Es handelte sich um eine reine Übersetzung, ohne Kommentar meinerseits", so Schamberger damals. Allein, es brachte nichts: Schamberger wurde gesperrt, ohne Begründung.

Hinter dem Einzelfall könnte eine generelle Löschpraxis von Facebook in
Deutschland stehen. Hinweise darauf lieferte unlängst das Magazin der Süddeutschen Zeitung mit einer Recherche zum Online-Dienstleister Arvato, einem Tochterunternehmen der Bertelsmann-Gruppe. Arvato übernimmt im Auftrag von Facebook die Löscharbeit.

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