Betrieb und Gewerkschaft

An Heuchelei nicht zu überbieten – Winterkorn vor dem VW-Untersuchungsausschuss

20.01.17 - Ausgerechnet der Hauptverantwortliche für die kriminellen Machenschaften im VW-Konzern stellt sich als Opfer dar: "Was passiert ist, macht die Menschen wütend - mich auch. ... Lückenlose Aufklärung war und ist jetzt das Gebot der Stunde." Das fordert ausgerechnet Ex-VW-Chef Martin Winterkorn, der jahrelang alles getan hat, die Wahrheit zu verschleiern. Zusammen mit der Bundesregierung, der EU und Teilen der rechten IG Metall-Führung wie dem ehemaligen IG Metall-Chef Berthold Huber.

Martin Winterkorn setzte das im Untersuchungsausschuss fort: entweder hat er angeblich nichts gewusst, konnte sich an nichts erinnern oder verweigerte mit dem Verweis auf ein laufendes Ermittlungsverfahren die Aussage!

Winterkorn gilt als detailversessen. Und ausgerechnet von der seit 2006 bei VW praktizierten kriminellen Abgasmanipulation will er nichts gewusst haben? VW-Manager haben in den USA als Kronzeugen ausgesagt, dass sie im Juli 2012 den engen Vertrauten Winterkorns, Bernd Gottweis, informiert haben, dass die Abgasmanipulation in den USA auffliegt. Bei dem Gespräch war auch der spätere VW-Markenvorstand Heinz-Jakob Neußer dabei. Gottweis und Neußer hätten angeordnet, alles geheim zu halten und Skizzen zu vernichten.

Im Juli 2014 haben die Kronzeugen erneut Gottweis über die Gefahr informiert, dass die Manipulationen aufgedeckt werden. Gottweis informierte Winterkorn umgehend in einer E-Mail. Am 27. Juli 2015 informierte Jakob Neußer bei einem Treffen in Wolfsburg über die Situation in den USA. Mit dabei: Martin Winterkorn. Ein Teilnehmer des Treffens: "Wir haben darüber gesprochen, dass etwas Illegales in unsere Autos installiert wurde." 

Es wird Zeit, dass Martin Winterkorn endlich zur Rechenschaft gezogen wird. Daran hat der Untersuchungsausschuss des Bundestags aber offensichtlich kein Interesse. Nach Ansicht des Ausschussvorsitzenden Herbert Behrens (Linkspartei) gehe es nicht um die persönliche Schuldfrage - sondern darum, "strukturelle Mängel" aufzudecken. Der Abgasbetrug ist aber nicht das Ergebnis "struktureller Mängel", sondern deckt Schritt für Schritt die Zusammenhänge des staatsmonopolistischen Kapitalismus auf.