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"Erzählt aller Welt, was ihr gesehen und gehört habt" - Bericht aus Diyarbakir

19.01.17 - "Erzählt aller Welt was ihr gesehen und gehört habt! Wir haben nur Angst, unsere Freiheit zu verlieren!" So ist der Bericht der neuen Europakoordinatorin der Weltfrauen, Suse Bader, überschrieben, den sie vor kurzem auf der Homepage der Weltfrauenkonferenz veröffentlicht hat.

Sie war der Einladung der Frauendachorganisation KJA (Free Women's Congress) nach Diyarbakir (Türkei/Nordkurdistan) gefolgt. Kurz vor der Abreise hatte die faschistische Erdogan-Regierung 370 Organisationen für drei Monate verboten, ihre Büros gestürmt, Daten, Mitgliederlisten etc. mitgenommen. Sofort hatten Weltfrauen ihre Solidarität ausgedrückt.

"Unsere Delegationsreise", so schreibt die Europakoordinatorin in ihrem Bericht, "bestehend aus zwei Frauen und zwei Männern aus Deutschland, Vertreterinnen des Weltfrauenprozesses, Vertretung der ICOR und Übersetzer, fand an der Grenze zur Türkei, exakt vor dem Passkontrollschalter in Istanbul, ein jähes Ende – zwei Delegationsmitgliedern wurde die Einreise verweigert! Sie wurden postwendend in ein Flugzeug zurück nach Deutschland abgeschoben.

Zu zweit flogen wir weiter nach Diyarbakir, einer hauptsächlich von Kurden bewohnten Millionenstadt im Osten des Landes. Hier wurden wir von unseren kurdischen Freundinnen herzlich willkommen geheißen. Sie berichteten uns, dass inzwischen auch der Kongress verboten wurde. Ständig finden neue Verhaftungen statt bzw. müssen sie damit rechnen.

700 Frauen waren trotz aller Schikanen der Einladung zum Frauenkongress gefolgt: 'Wir müssen über unsere Zukunft sprechen!'

So war es mir eine besondere Ehre, die Grüße der Weltfrauen aus 20 Ländern und von vier Kontinenten zu überbringen. Wie wertvoll die Zusammenarbeit zur gegenseitigen Unterstützung im Weltfrauenprozess ist, damit keine von uns allein gelassen wird. Später treffe ich Özlem Yasak, die Koordinatorin der Weltfrauen des Mittleren Osten, welch eine Freude!"