Wirtschaft

Weiter unhaltbare Zustände in deutschen Schlachtereien

Weiter unhaltbare Zustände in deutschen Schlachtereien
(foto: BillionPhotos, fotolia.com)

20.01.17 - Deutschland ist ein Billigland für Schlachter. Sie kommen zu Tausenden vor allem aus Osteuropa. Er schäme sich dafür - so Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel vor zwei Jahren. Er machte die Probleme zur "Chefsache" und vereinbarte eine freiwillige Selbstverpflichtung mit den 18 Firmen der Branche. Darunter die sechs größten: Heidemark, Danish Crown, Lohmann & Co, Tönnies, Vion und Westfleisch. Die wollten bis Herbst 2016 das "Sozialdumping" beseitigen - etwa die Praxis, osteuropäische Arbeiter nach deren Heimatrecht und mit dortigen Sozialabgaben zu beschäftigen.

"Die Selbstverpflichtung ist gescheitert", sagt heute  Matthias Brümmer, Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG in der Region Oldenburg/Ostfriesland. Subunternehmer der Fleischindustrie würden systematisch den Mindestlohn unterlaufen. Inzwischen hätten zwar Tausende Schlachter aus dem Ausland deutsche Arbeitsverträge, doch viele Subunternehmen zahlen den Mindestlohn nur auf dem Papier. So würden Überstunden teilweise nicht berücksichtigt. Vom Mindestlohn würden teilweise Geld für Werkzeuge, überteuerte Übernachtungen oder Strafzahlungen für angebliche Vergehen bei der Arbeit abgezogen. "Am Ende bleibt oft nur ein Stundensatz weit unter dem Mindestlohn", so der Gewerkschafter. Seine Kritik trifft nicht nur die Fleischkonzerne, sondern auch SPD-Wirtschaftsminister Gabriel.

Am morgigen Samstag demonstrieren in Berlin zum siebten Mal Bäuerinnen und Bauern, kritische Verbraucher, Lebensmittelproduzenten, Umweltschützer und andere gegen die zerstörerische Politik von Agrarübermonopolen und Regierungen (12 Uhr, Potsdamer Platz). Das Internationalistische Bündnis wird dort u.a. eine Erklärung des Milchbauern und Bundestagskandidaten der Internationalistischen Liste/MLPD, Arnold Blum, einsetzen. Die Erklärung trägt die Überschrift: "Für eine andere, konsequent ökologische Landwirtschaft". rf-news wird morgen weiter berichten.