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Trump unterdrückt wissenschaftliche Erkenntnisse und Forschung

29.01.17 - US-Präsident Donald Trump hat schon im Wahlkampf einen kompletten Roll Back in der Umweltpolitik angekündigt. Jetzt will er ihn mit aller Gewalt durchdrücken und zahlreiche – auch zuvor unzureichende - Umweltschutzbestimmungen rückgängig machen. Dazu gehört sein Konzept, weiter hauptsächlich fossile Energieträger auszubeuten. Zwei Pipeline-Projekte, die aufgrund des Massenwiderstands durch Barack Obama gestoppt worden waren, nimmt er wieder auf. Entsprechende Anordnungen hat er vergangene Woche unterzeichnet: die Erweiterung der 2010 in Betrieb genommenen Keystone Pipeline, die vom kanadischen Calgary in die USA führt, und aus Teersand gewonnenes Öl – eine besonders giftige Methode - quer durch Amerika pumpt. Und die sogenannte Dakota-Pipeline, die Öl von den Tausenden Frackingbohrstellen in North Dakota in den Staat Illinois transportieren soll. Die geplante Route führt am Gebiet des Volks der Standing Rock Sioux vorbei. Ihr aktiver Widerstand, der durch zahllose Solidaritätsaktionen überall in den USA unterstützt wurde, war ein Grund für den Baustopp durch Obama. In die Pipeline-Betreiberfirma ETP.N hat Trump selbst als Kapitalist kräftig investiert.

Die reaktionäre und zerstörerische Umweltpolitik Trumps geht einher mit der Unterdrückung wissenschaftlicher Erkenntnisse u.a. über die Erderwärmung. Vor einigen Tagen ging die Meldung durch die Medien, Trump wolle entsprechende Dokumentationen von den Webseiten der US-Umweltbehörde EPA löschen lassen. Offenbar ist das bisher noch nicht geschehen, die Klimadaten sind auf der EPA-Seite noch abrufbar; die Seite solle aber "bereinigt" und "geschrubbt" werden. Dafür wurden bei der EPA Beschäftigte entlassen und in einem "Übergangsteam" ausgewechselt. Mitarbeiter/-innen der Umweltschutzbehörde dürfen keine Pressemitteilungen mehr veröffentlichen und nicht mit Medien sprechen. Freiwillige haben vorsorglich die Website www.climatemirror.org angelegt, auf der Klimadaten gesichert werden sollen. Auch unter Wissenschaftler/-innen wachsen Kritik und Widerstand. So gibt es den Plan, nach dem Vorbild der riesigen von Frauen initiierten Demonstrationen vom vergangenen Wochenende einen "Marsch auf Washington" mit zigtausenden Forscherinnen und Forschern durchzuführen.

Ultrareaktionäre (Umwelt-)politik sowie Unterdrückung wissenschaftlicher Forschung gehen unter der neuen US-Regierung eine unheilvolle Ehe mit der staatlich geförderten finsteren Weltanschauung des Kreationismus ein. Die Kreationisten lehnen die wissenschaftliche Evolutionslehre von Darwin komplett ab. Der Kreationismus verfügt vor allem in den USA über ein weitreichendes Geflecht von Geld, Lobby, Macht, Einfluss. Unter Trump wird er massiv staatlich gefördert. Auch Ende der 1920er Jahre war die Evolutionstheorie schon einmal in mehr als zwanzig Bundesstaaten als jugendgefährdend eingestuft und an den Schulen verboten. Biologielehrer, die Darwins Lehre vertraten, erhielten Berufsverbot. Erst 1968 erklärte der Oberste Gerichtshof der USA das Anti-Evolutionsgesetz von Arkansas für verfassungswidrig. Und erst in den 1970er Jahren fand die Evolutionstheorie nach und nach wieder Eingang in die Schulen und Biologiebücher jener Staaten, in denen sie vierzig Jahre lang verboten war. In der Türkei sollen Ende Februar 2017 Lehrpläne in Kraft treten, die Darwins "Über die Entstehung der Arten" komplett negieren. Lehrer sollen daraus nicht mehr zitieren dürfen, Schülern wird die Lektüre untersagt.

Trump, Erdogan und Co. stehen weltanschaulich dafür, dass das allein herrschende internationale Finanzkapital auch auf die reaktionärsten und faschistischen Formen der bürgerlichen Ideologie zurückgreift. Der vergebliche Versuch, alle Fortschritte von Wissenschaft und Kultur der letzten Jahrhunderte auszulöschen und zur dumpfen wissenschaftsfeindlichen Unwissenheit des Mittelalters zurückzukehren, sind Ausdruck der Krise der bürgerlichen Ideologie.

Aber nicht nur mit dieser extrem rückschrittlichen Ausprägung müssen die Massen fertig werden. Die bürgerliche Ideologie kann nicht mehr begeistern oder positiv für den Kapitalismus gewinnen. Aber sie kann vor allem in Form der Verbreitung der kleinbürgerlichen Denk-, Arbeits- und Lebensweise Zersetzung, Verwirrung und Spaltung schüren. Das vom 10. Parteitag gewählte Zentralkomitee der MLPD konzentriert seine theoretische Arbeit auf die Ausarbeitung einer neuen Ausgabe des REVOLUTIONÄREN WEGS unter der Überschrift "Die Krise der bürgerlichen Ideologie und die Lehre von der Denkweise". Weltanschauliche Überlegenheit ist der Ausgangspunkt für die revolutionäre Überwindung des imperialistischen Weltsystems.

Lektüre-Tipp: "Kulturindustrie und Kreationismus: Hochkonjunktur für reaktionäre Metaphysik in den USA". Eine Vorlesung von Klaus W. Vowe, Amerikanist, Kultur- und Medienwissenschaftler. In: Dokumentation 1. Offene Universität 2004, Seite 97ff