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Weltwirtschaftsforum Davos: Internationales Finanzkapital ist erneut uneins

Weltwirtschaftsforum Davos: Internationales Finanzkapital ist erneut uneins
War dank des Weltwirtschaftsforums auch dieses Jahr wieder eine Festung: Davos in der Schweiz. (foto: Flyout)

23.01.17 - Welch eine Angst! 3.000 Spitzenmanager, Politiker, Journalisten verschanzten sich vergangene Woche in dem zur Bergfestung ausgebauten Davos/Schweiz zur Jahrestagung des „Weltwirtschaftsforums“. Der versammelte kapitalistische Sachverstand verkündete in diesem Jahr als neueste Erkenntnis: „Wirtschaftswachstum allein reicht nicht. Die Steigerung der Wirtschaftsleistung muss inklusiv wirken.“¹ Auf Deutsch: Die Reichen sollen bitte sehr auch was abgeben!

Das Weltwirtschaftsforum wird getragen von den größten Konzernen der Welt. Aus Deutschland zählen zu diesen „Weltverbesserern“ unter anderem die Deutsche Bank, Audi, Henkel, Allianz. Zu deren Art der „Weltverbesserung“ bemerkt ein Georg Marder in einem Leserbrief trocken: „Der gesunde Menschenverstand weiß: Von den Davos-Kapitalisten wird sicher nicht die Lösung für die Kapitalismusprobleme kommen.“

Hoffnungen schüren, dass die Reichen mit den Armen teilen, ist so alt wie der Kapitalismus selbst. Diese Platte wurde in Davos neu aufgelegt aus deutlich gewachsener Angst: Es gehe darum, die Dynamik der Gesellschaften so zu gestalten, dass der Lebensstandard steige, nicht sinke. Wenn das nicht funktioniert, so WEF-Chef Klaus Schwab, „kündigen die Verlierer den Konsens der Gesellschaft auf“. Und es funktioniert nicht! In den Tagen des Weltwirtschaftsforums veröffentlichte die Entwicklungsorganisation Oxfam in ihrem neuesten Bericht, dass die „soziale Ungleich auf der Welt noch größer ist als bisher angenommen und immer weiter zunimmt.“

Auf der diesjährigen Tagung waren die Widersprüche im internationalen Finanzkapital ersichtlich heftiger, mit welcher Strategie und Taktik es seine überlebte Klassenherrschaft und das imperialistische Weltsystem aufrechterhalten soll. Seine nicht überwindbare Schwäche wird immer greifbarer: „Das internationale Finanzkapital ist keine homogene Kraft. Die Übermonopole haben konkurrierende ökonomische und politische Interessen sowie unterschiedliche nationalstaatliche Grundlagen und Bindungen. Verschiedene Gruppen von Übermonopolen kämpfen erbittert gegeneinander um geostrategische Einflussgebiete, um die Kontrolle der Rohstoffreserven und um den Weltmarkt, um den vorherrschenden politischen Einfluss in internationalen Organisationen und in den Nationalstaaten, in denen sie ihre machtpolitische Basis haben.“²

In Davos wurde sichtbarer, wie die internationalen Übermonopole beim Versuch den Kapitalismus zu retten, immer mehr aneinander geraten. Die einen favorisieren aktuell die Methode Trump „Amerika zuerst“ (bzw. ihr „Basis-Land“ zuerst), die anderen stellten sich in Davos hinter China und sein Plädoyer gegen Abschottung und für „offenen Wettbewerb“. Dabei hängt die bevorzugte Methode weniger davon ab, in welchem Land das Übermonopol seine Basis hat, sondern davon, welche Taktik sie für die Aufrechterhaltung ihrer überlebten Herrschaft für geeignet halten. In diesem Streit geht der Kapitalismus nicht von selbst unter. Aber das imperialistische Weltsystem wird für die internationale Arbeiterklasse besser angreifbar. Auch das gehört zur verbesserten Ausgangslage für die Vorbereitung der internationalen sozialistischen Revolution.

¹ Richard Samans, Direktor des Weltwirtschaftsforums

² Stefan Engel: Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution, S. 158