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"Trumps Agenda im Interesse der Geschäftswelt wird ihn zunehmend unbeliebt machen"

Rote Fahne-Interview mit Frank Hammer vom 11. Januar 2017

Frank Hammer ist Aktivist der Arbeiterbewegung in den USA und der Internationalen Automobilarbeiterkonferenz.

 

In den deutschen Medien wird vielfach behauptet, dass Trump hauptsächlich von weißen Arbeitern gewählt wurde. Wie schätzt du das selbst ein? Welche Unterstützung bekam er aus den kleinbürgerlichen Mittelschichten?

Es ist klar, dass die Basis der Republikaner hinter Trump stand und dass Hillary Clintons Versuche, die Republikaner zu einer Abkehr von ihm zu bewegen, größtenteils scheiterten. Diese Basis besteht aus traditionellen weißen Wählern, insbesondere aus den mittleren und obereren Schichten des Kleinbürgertums. Trumps Anhänger hatten höhere Durchschnittseinkommen als die von Clinton. Es stimmt, dass eine große Anzahl von weißen Arbeitern, auch Gewerkschaftsmitglieder unter anderem aus der UAW, zu den Wählern gehörten, die Trump den Sieg ermöglichten. Insbesondere in den umkämpften Staaten Ohio, Pennsylvania und Michigan. Die Mainstream-Medien als auch einige linke Medien betonten jedoch nur die Rolle der weißen Arbeiterklasse und schmälerten die Rolle des reaktionären Kleinbürgertums.

Insbesondere junge US-Amerikaner lehnten nicht nur Trump, sondern auch Clinton ab und blieben der Wahl fern. Dies zeigt unseres Erachtens eine zunehmende Kritik am Kapitalismus und eine wachsende Suche nach einer gesellschaftlichen Alternative. Wie siehst du das?

Die Gruppe, die ihr beschreibt, waren vielfach die stärksten Unterstützer von Senator Bernie Sanders während der Vorwahlen der Demokratischen Partei. Nachdem Clinton seine Kampagne sabotierte und seiner populistischen, antikapitalistischen, (leicht) pro-sozialistischen Botschaft die Tür zuschlug, konnten sie sich nirgends hinwenden. Einige stimmten für Clinton, einige - insbesondere aus ländlichen Gebieten - unterstützten Trump und andere blieben zu Hause. Einige haben Hoffnungen für die Zukunft, andere wurden zynischer. Man muss beachten, dass fast die Hälfte der amerikanischen Bevölkerung nicht zur Wahl ging, was ziemlich typisch ist.

Mit seinem Programm für die ersten 100 Tage nach seiner Amtseinführung bekräftigt Trump eine Reihe seiner erzreaktionären, protektionistischen und repressiven Pläne, verbunden mit nationalistischer Stimmungsmache. Wie siehst du selbst dies? Was lässt sich jetzt schon über die zukünftig zu erwartende Wirtschafts-, Innen- und Außenpolitik sagen?

Eure Frage enthält die Antwort. Wenn es mit der staatlichen Unterstützung für „Infrastruktur“-Projekte nach Trump geht, ist zu erwarten, dass er einige der höherverdienenden Facharbeiter für sein Lager gewinnen und so eine noch tiefere Spaltung der Arbeiterklasse betreiben kann. Man kann erwarten, dass Angriffe gegen Muslime, farbige Menschen, Lesben und Schwule, wie sie direkt nach Trumps Sieg ausbrachen, weitergehen werden. Seine Agenda im Interesse der Geschäftswelt wird ihn zunehmend unbeliebt machen.

Wie reagieren die Industriearbeiter und migrantischen Arbeiter auf die Ankündigungen Trumps?

Es ist zu früh, das festzustellen. Aber Migranten reagieren mit großer Sorge und Angst über mögliche Ausweisungen. Einige Amtsträger in Städten haben versichert, dass sie Zuflucht garantieren werden, aber sie sind vom Entzug staatlicher Unterstützung bedroht.

Trump hat in der Umweltpolitik ein Roll Back angekündigt. Wie reagiert die Umweltbewegung darauf? Was ist deine eigene Meinung dazu?

Es gibt eine gesunde Reaktion von verschiedenen Umweltbewegungen, insbesondere der großen, wie Sierra Club. Große bundesweite Demonstrationen werden für den „Earth Day“ geplant. Der Kampf gegen die Pipeline in Standing Rock wird zum Vorbild werden und den Weg des Widerstands weisen.

Unmittelbar nach der Wahl haben in zahlreichen Städten der USA Protestaktionen begonnen. Wer beteiligt sich hauptsächlich daran? Wie haben sich diese seitdem entwickelt? Was ist für den 20. Januar, den Tag seiner Amtseinführung und danach zu erwarten?

Es gab spontane Demonstrationen, vor allem an High Schools und Universitäten. Sie nahmen die Form von Nicht-Kooperation an (z.B. Verlassen des Unterrichts). Massendemonstrationen werden zum Tag der Amtseinführung in Washington D.C. geplant und am Tag danach.

Vielen Dank für deine Antworten!