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Arbeitszeit im Brennpunkt – IG-Metall-Befragung kritisch nutzen!

Arbeitszeit im Brennpunkt – IG-Metall-Befragung kritisch nutzen!
(foto: screenshot)

09.02.17 - Die Frage der Arbeitszeit steht für viele Beschäftigte im Brennpunkt. Die immer weitgehendere Flexibilisierung der Arbeitszeit durch die Kapitalisten unterwirft immer größere Teile des Lebens der Kapitalverwertung.

Auch die IG Metall stellt die Frage der Arbeitszeit ins Zentrum ihrer großen Beschäftigtenbefragung, die bis zum 26. Februar läuft.⁰ Beschäftigte können sich auch Online beteiligen.

Die Umfrage greift das gewachsene Selbstbewusstsein der Arbeiterinnen, Arbeitern und Angestellten und ihr Bedürfnis auf, gefragt zu werden. Dabei  sollen die realen Arbeitszeiten und -bedingungen in den Betrieben weiter analysiert werden. Doch statt vom Klassenstandpunkt aus heranzugehen, fördert der Fragebogen der IG Metall die Individualisierung: Rauf und runter gefragt wird, wie man sich "gute Flexibilisierung" oder "familienfreundliches Home-Office" vorstellen könne. Damit werden nicht nur Illusionen verbreitet, sondern es werden auch einseitig Antworten in den Mund gelegt.

Stimmen von Kollegen sind: „Was der Vorstand nicht hören will, fragt er halt einfach nicht ab. Warum werden wir beispielsweise nicht gefragt, ob wir überhaupt flexibel arbeiten wollen? Warum posaunt Jörg Hofmann – wohlgemerkt VOR der Befragung - gegenüber der Südwestpresse vom 9. Januar 2017 schon mal in die Welt, die IG Metall habe im Grundsatz nichts gegen flexible Arbeitszeiten einzuwenden?“

Völlig inakzeptabel ist, dass die Arbeitszeitverkürzung nur als eine von 100 ankreuzbaren Optionen im Fragebogen auftaucht – und dann noch „ohne Lohnausgleich“. Die MLPD fordert dagegen: „Kampf gegen die Flexibilisierung der Arbeitszeit und um gesunde und gesundheitsverträgliche Arbeitsbedingungen! 6-Stundentag/30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich und für einheitliche Tarifverträge in ganz Deutschland!“

Gerade angesichts der VW-Krise und den Produktivitätsfortschritten durch die Umstellung auf Elektromobilität steht diese Forderung neu auf der Tagesordnung! Solche „heißen“ Themen und Forderungen, wie auch zum Streikrecht, bleiben in der Befragung aber völlig außen vor. Es ist eindeutig, dass die Befragung auch einer Unterstützung der SPD im Bundestagswahlkampf 2017 Vorschub geben soll.

In den vorgegebenen Antworten zur Finanzierung der Sozialversicherungen finden sich fast im Wortlaut die Formulierungen von Martin Schulz's Antrittsrede vom 29. Januar: „Wenn Arbeitnehmer bei den Krankenkassenbeiträgen höhere Beiträge als die Arbeitgeber zahlen, dann geht es nicht gerecht zu.“ Zu dumm nur, dass er selbst im SPD-Vorstand dabei war, der die Axt an die paritätische Finanzierung gelegt hat.

Korrespondenten schreiben zur Umfrage: „Wir sollten mit Kollegen diskutieren und unsere Meinungen und Forderungen mit auf den Bogen schreiben, statt gequält zwischen Antwortmöglichkeiten auszuwählen, die eigentlich keine Alternative darstellen. Gut ist dafür auch das Kästchen am Ende der Befragung mit Platz für eigene Anregungen.“

So kann die Umfrage in den Betrieben genutzt werden für eine kritische innergewerkschaftliche Diskussion um die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Sie ist im Rahmen der positiven Gewerkschaftsarbeit die einzige Forderungen, die - im Gegensatz zu den vorgestellten "Flexibilisierungsmaßnahmen" - wirklich eine Entlastung für die Arbeiterinnen und Arbeiter bringt und gleichzeitig neue Arbeitsplätze schaffen kann.

Noch Anfang 2014 berichtete Jörg Hofmann, damals stellvertretender, inzwischen erster Vorsitzender der IG Metall bezüglich einer Beschäftigtenbefragung gegenüber dem Spiegel: "Auffällig ist der deutliche Wunsch nach leicht abgesenkten Arbeitszeiten von 30 Stunden in der Woche, nach reduzierter Vollzeit."¹ Weiter erklärte er, dass die IG Metall solche Arbeitszeitmodelle auch zu einem Thema der Tarifpolitik machen wolle.² Es besteht somit keinerlei Grund, die Arbeitszeitverkürzung bei dieser Umfrage unter ferner liefen zu behandeln.

Im Rahmen der Umfrage gibt es sicher auch Gelegenheit über eine Mitarbeit in den Wählerinitiativen und dem Internationalistischen Bündnisses zu sprechen. Nicht zuletzt geht es auch um eine Stärkung der MLPD! Denn sie steht für den 6-Stunden-Tag und die 30-StundenWoche bei vollem Lohnausgleich - und das konsequent!

⁰ In einer ersten Fassung des Artikel war von einer Mitgliederbefragung die Rede, die sich an die 2,3 Millionen IG-Metallerinnen und -Metallern wenden würde. Leser machten uns darauf aufmerksam, dass es eine Beschäftigenbefragung ist, sich also auch an Nicht-Gewerkschaftsmitglieder richtet.

¹ Spiegel online, 27.01.2014

² ebenda