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Die Berlinale mit neuen Themen und Filmen

Die Berlinale mit neuen Themen und Filmen

14.02.17 - 399 Filme stehen auf dem Programm der 67. Berlinale, die noch bis zum 19. Februar läuft. Insgesamt werden rund eine halbe Million Karten verkauft. 18 Filme sind im Wettbewerb um die Verleihung der "Goldenen Bären". Sicher: Bei der Berlinale geht es um Film-Werbung, um den "Roten Teppich", auf dem sich Regisseure und Schauspieler präsentieren, auch um Glamour und Geschäfte. Und unter dem großen Angebot gibt es viele Filme, die den Zuschauer zerstreuen, ablenken, die Wirklichkeit verkleistern wollen oder - wie der amerikanische Wettbewebsbeitrag „Dinner“ - eine kleinbürgerlich-pessimistische Weltsicht vermitteln. Aber es ist schon auffällig, dass gegenüber den bekannten Abläufen und Bildern auch Neues in den Fokus gerät: weniger "Traumwelten", weniger Abkehr vom Alltag, mehr Zuwendung zu aktuellen und brennenden gesellschaftlichen Fragen.

Gerade die Wettbewerbsfilme sind in ihrer Themenwahl oft nah an der aktuellen Realität, an der Beschäftigung mit den Fragen unserer Zeit. Eine kleine Auswahl:

  • Der Film "Toivon Tuolla Puolen" ("The Other Side Of Hope") von Aki Kaurismäki (Finnland) zeigt die Schicksalsgeschichte eines syrischen Flüchtlings in Helsinki.
  • Mit "Hao ji le" ("Have A Nice Day") stellt Liu Jian (China) in einem packenden Animationsfilm den Überlebenskampf einfacher Leute im neuimperialistischen China in den Mittelpunkt.
  • "Joaquim" von Marcelo Gomes (Brasilien) - erzählt die halbfiktive Geschichte des brasilianischen Revolutionsführers und Nationalhelden Joaquim José da Silva Xavier "Tiradentes" zu Beginn des 19. Jahrhunderts.
  • Der aus Westafrika stammende Regisseur Alain Gomis (Frankreich) befasst sich in seinem Wettbewerbsbeitrag "Félicité" mit den gesellschaftlichen Widersprüchen im verarmten, von Korruption und Willkür zerfressenen Kongo. Die lebenslustige Sängerin Félicité erzählt darin von Hoffnung in schwierigsten Zeiten.

Solche Filme fordern auf, sich an der Auseinandersetzung um gesellschaftliche Fragen und Lösungen zu beteiligen: bewusst gegen reaktionäre, fremdenfeindliche, rassistische, sexistische, faschistoide Auffassungen und Strömungen. Sie reihen sich ein in den Protest der Schauspielerinnen und Schauspieler in Hollywood, nachdem US-Präsident Donald Trump verfügt hatte, dass Menschen aus sieben Ländern nicht mehr in die USA einreisen dürfen.

Am deutlichsten repräsentiert diesen Linkstrend der Regisseur Raoul Peck mit zwei Filmen im Wettbewerb. Sie befassen sich direkt mit der gesellschaftlichen Lösung unserer heutigen vom internationalen Finanzkapital beherrschten Welt.

Da ist zum einen die Dokumentation über James Baldwin: "I Am Not Your Negro" ("Ich bin nicht dein Neger"). Er zeichnet die Geschichte des radikalen Schwarzen. Im Kampf gegen den Rassismus nahm der Intellektuelle Baldwin Ende der 1950er Jahre eine öffentliche Stellung in den USA ein. Seine Ideen sind heute noch präsent: im breiten Protest, als 2014 in der US-Stadt Ferguson der schwarze Schüler Michael Brown von weißen Polizisten erschossen wurde.

Mit dem Spielfilm "Der junge Karl Marx" packt Raoul Peck den Stier bei den Hörnern. Peck zeigt die kurze, intensive Zeit von Marx vor der Veröffentlichung des "Kommunistischen Manifests" im Jahre 1848. Der Marx-Darsteller August Diehl in einem MDR-Interview: "Ich empfinde ganz stark, dass wir in einer Zeit leben, wo das, was Marx vorhergesagt hat über den Kapitalismus, anfängt zu passieren".

Auch wenn Marx' Analyse sich nicht erst seit kurzer Zeit bewahrheitet, so ist doch in erster Linie relevant, dass Peck erkennt, welchen Beitrag Marx leistet zu Fragen wie "... die Verteilung des Wohlstands, die Kinderarbeit, die Gleichstellung der Geschlechter, die Ausdehnung der Märkte, die Globalisierung, usw. - Themen von höchster Aktualität, in Europa und anderswo."¹

Eine gute Ergänzung zum Marx-Film von Raoul Peck ist die filmische Präsentation "Karl Marx". Sie umfasst das gesamte Leben und die Lehren von Karl Marx und ist in der Serie "Dem Antikommunismus keine Chance - wie aktuell sind die Klassiker des Marxismus-Leninismus?" erschienen. Für 5 Euro kann man die DVD bestellen.

Aber jetzt sind wir vor allem gespannt auf die Preisverleihung am kommenden Samstag, den 18. Februar. Und die Redaktion freut sich auf die ersten Filmbesprechungen durch unsere Korrespondenten.

¹ Deutsche Welle, 13. Februar 2017