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Giftwolke über Oberhausen

Giftwolke über Oberhausen

(foto: Screenshot Facebook-Seite Polizei Oberhausen)

16.02.17 - Heutemorgen kam es beim Chemiebetrieb Hamm Chemie in Oberhausen (Nordrhein-Westfalen) zu einem schweren Chemieunfall. Infolge eines Verladefehlers wurde Salzsäure von einem Lastkahn in einen 600 Kubikmeter großen Behälter, der 96-prozentige Schwefelsäure enthielt, gepumpt. Durch die chemische Reaktion ist dieser gebrochen. Infolge entwickelte sich eine stark ätzende Wolke, die über das Stadtgebiet zog. Hauptsächlich betroffen waren die Stadtteile Klosterhardt, Tackenberg, Eisenheim, Osterfeld, Sterkrade und Buschhausen. Über 150 Menschen mussten wegen Atemwegsreizungen behandelt werden.

Von der Säure selber geht offenbar nur noch eine geringe Gefahr aus, da sie in ein Auffangbecken gelaufen ist und laut Angaben der Feuerwehr von dieser kontrolliert abgepumpt wird. Obwohl die Feuerwehr gegen Mittag erklärte, die Wolke zu großen Teilen mit Wasserwerfern niedergeschlagen zu haben, besteht nach wie vor Gefahr für die Umwelt im Stadtgebiet und darüber hinaus.

So wurde nach Angaben der Polizei das an Hamm Chemie angrenzende Gewerbegebiet Max-Eyth-Straße evakuiert; die Autobahn 42 war zwischen der Abfahrt Oberhausen West und der A516 komplett gesperrt, die Abfahrt war es auch noch bei Redaktionsschluss; der Eisenbahnverkehr nach Oberhausen war zeitweilig eingestellt und kommt erst langsam wieder ins Laufen. Genauso eingestellt war die Schifffahrt auf dem Rhein-Herne-Kanal. Der Busverkehr in Teilen der Stadt wurde ebenfalls gestoppt. Das Einkaufszentrum Centro wurde infolge des Unfalls nach Polizeiangaben bis auf weiteres geschlossen, da eine Gefährdung der Besucherinnen und Besucher nicht ausgeschlossen werden könne. Mittlerweile ist es aber wieder geöffnet.

Aus Oberhausen beschreibt eine Betroffene die Situation: "Die Bevölkerung wurde per Radio aufgefordert, die Wohnung nicht zu verlassen und Fenster und Türen geschlossen zu halten. Kinder müssen in Schulen und Kindergärten bleiben, solange keine Entwarnung gegeben wird. Den ganzen Vormittag wurde spekuliert, wie diese Giftwolke entstanden war."

Eine betroffene Anwohnerin erklärte gegenüber rf-news: "Bei uns ist es nicht direkt, sondern in nordöstliche Richtung vorbeigezogen. Es wird aber nach wie vor im Radio durchgesagt, dass man Fenster und Türen geschlossen halten soll. Da wir nicht wissen, ob nicht auch andere Stoffe dabei sind, halten wir uns daran. Wenn Schwefelsäure mit Wasser in Verbindung kommt, gibt es Dämpfe, aber ob es das überhaupt ist, dass wurde bisher nicht gesagt. Der Katastrophenschutz hat Wasser versprüht und – soweit ich das gehört habe – die Wolke verdünnt. Mit der Eröffnung des Centro wurde für die südöstliche Stadt praktisch schon Entwarnung gegeben. Betroffen sind nach wie vor die nördlichen Stadtteile bis hin nach Bottrop. Die Wolke ist in Richtung Bottrop abgezogen, oder zieht noch ab."

Hannes Stockert, Umweltpolitischer Sprecher der MLPD und selber in der Nachbarstadt Mülheim wohnend, erklärte: "Neben den notwendigen Schutzmaßnahmen und einer allseitigen Soforthilfe für die betroffene Bevölkerung muss umfassend aufgeklärt werden, wie es überhaupt zu einem solchen Giftunfall, umringt von Wohngebieten, kommen konnte. Warum haben Sicherheitsvorkehrungen nicht gegriffen? Die dafür Verantwortlichen müssen gegebenenfalls voll zur Rechenschaft gezogen werden."

Offensichtlich ist es den Chemiemonopolen egal, ob Menschen gefährdet werden, wenn auf einem ehemaligen Zechengelände mit darum liegender Bebauung ein Chemiewerk entsteht. Es ist ihnen egal, ob Schwefelsäure direkt neben einer stark befahrenen Wasserstraße und einer der Hauptverkehrslinien des Ruhrgebiets gelagert wird. Warum wird ein  Auffangbecken unter freiem Himmel gebaut, wo die Säure zu einer Gaswolke werden kann? All das zeigt die völlige Rücksichtslosigkeit der herrschenden Konzerne gegenüber der natürlichen Umwelt und ist eine Herausforderung an die Arbeiter- und Umweltbewegung den Verursachern den Kampf anzusagen.

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