Politik

Rüsselsheim: 7.000 Kolleginnen und Kollegen auf der Betriebsratsveranstaltung bei Opel

Rüsselsheim: 7.000 Kolleginnen und Kollegen auf der Betriebsratsveranstaltung bei Opel
Die Rüsselheimer Opel-Belegschaft geht 2013 zu einem Warnstreik vors Werkstor (rf-foto)

18.02.17: Mit ca. 7.000 Kolleginnen und Kollegen, war die Info-Veranstaltung des Betriebsrats gut besucht. Nachdem die Kollegen vor drei Tagen aus den Medien erfahren mussten, dass der Deal zwischen GM und PSA, über den Verkauf von Opel weit fortgeschritten sei, gab es aus der Belegschaft massive Kritik am Opel-Management und der Betriebsrats-Führung. (siehe rf-news) Wer eine klare Stellungnahme von Opel-Chef Karl-Thomas Neumann erwartet hatte, wurde enttäuscht - er glänzte wiedermal durch Abwesenheit!

Erst Stunden nach der Info-Veranstaltung wandte er sich schriftlich an die „lieben Mitarbeiter“ und versuchte diese für die „industrielle Logik“ zu gewinnen, die hinter dem GM/PSA Deal stünde. Es „würde der zweitgrößte europäische Automobilhersteller entstehen – mit einem Marktanteil von fast 17 Prozent.“ Aus allen „Informationen“ vom Opel-Management am heutigen Tag, war die Furcht herauszuhören, in eine offene Konfrontation zur Belegschaft zu treten. Sie fürchten, dass die Opel-Belegschaft ihre eigene Rechnung aufmacht, denn die „industrielle Logik“ ist nichts anderes, als die Kapitalistenlogik, die Konkurrenten auszustechen, egal wie viele Arbeiterschicksale dabei auf der Strecke bleiben!

Betriebsratschef-Chef Wolfgang Schäfer-Klug zog alle Register, um den Kolleginnen und Kollegen den Opel-PSA-Deal schmackhaft zu reden. Mehrere Kollegen werteten das anschließend als „Werbeblock für PSA“. So dauerte diese Veranstaltung keine Stunde und jegliche Fragen oder Beiträge der Beschäftigten, wurden von der Betriebsrats-Spitze strikt unterbunden. Diejenigen, die auf ihrem Rederecht bestanden und nach vorne gingen, wurden daraufhin – in schon gewohnter Schäfer-Klug-„Logik“ – auf wundersame Weise allesamt zu Marxisten-Leninisten. O-Ton Schäfer-Klug: „Die Leute von der ML-Liste warten schon wieder, weil sie sprechen wollen, aber heute gibt es nur Informationen!“ Er machte sich somit wieder zum Büttel vom GM/Opel-Management und verteidigte die Pläne mit PSA.

Schäfer-Klug lieferte zudem auch eine Lehrstunde in Sachen freier Meinungsbildung: „Keine weiteren Horrorszenarien. Hört auf Zeitung zu lesen – redet nicht mit den Medien!“. Das würde nur die Verhandlungen mit PSA stören, oder PSA sogar „verschrecken“ und damit alle um die tollen Zukunftschancen bringen, die ein PSA-Opel-Konzern bieten könne! Er sei dagegen, alles schlecht zu reden, die Fusion sei eine gute Sache! Schäfer-Klug beteuerte, dass natürlich Betriebsrat und IG Metall um die bestehenden Tarifverträge kämpfen würde. „Die Verantwortlichkeiten des Internationalen Technischen Entwicklungszentrums (ITEZ) in einem PSA-Verband müssten geklärt werden.“ Auch eine neue Altersteilzeitregelung stellte er in Aussicht. Kolleginnen und Kollegen fordern vom Opel-Vorstand als allererstes und allermindestes, dass die Opel/PSA-Pläne vollständig auf den Tisch kommen.

Verschiedene bürgerliche Auto-Experten haben in den letzten Tagen, ganz andere Aussagen getroffen - in einer PSA-Allianz wäre das ITEZ mit seinen 7.700 Kollegen „überflüssig“, da PSA ein eigenes Entwicklungszentrum in Paris betreibt. Viele Kollegen waren wütend: „Der Verkauf ist ja wohl schon unter Dach und Fach! Null Informationsgehalt auf dieser Veranstaltung!“

Die tatsächlichen Auto-Experten sitzen in den Belegschaften. Sie machen seit Jahrzehnten die Erfahrung:die Konzerne nutzen jede Fusion zur Verschärfung der Ausbeutung und Vernichtung von Arbeitsplätzen. Aber diese Kolleginnen und Kollegen haben auch das Know-How, dagegen zu kämpfen. Solche Experten wollte Schäfer-Klug und erst Recht Opel-Chef Karl-Thomas Neumann auf keinen Fall zu Wort kommen lassen.

Ihre Erfahrungen sind unter anderem in dem Buch "Was bleibt ... 10 erkämpfte Jahre Opel-Bochum 2004-2014" verarbeitet. Annegret Gärtner-Leymann und Steffen Reichelt, zwei Opel-Betriebsräte und IG-Metall-Aktivisten haben es zusammengestellt. Sie sind Revolutionäre und werden gemeinhin der MLPD zugerechnet - sie gehören also zu den von Schäfer-Klug zensierten Stimmen. Ihr Buch dokumentiert unter vielem anderen die gegenseitige Solidarität zwischen den GM/Opel und PSA-Belegschaften. So am 28. Juni 2012 mit einem gemeinsamen länderübergreifenden Aktionstag. Ein Buch für die Zukunft! Mehr dazu

Für die Belegschaften von Opel und PSA gilt es keine Zeit zu verlieren, jetzt über Ländergrenzen hinweg die eigenen Forderungen aufzustellen, die internationale Arbeitereinheit und der gemeinsame Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz ist herausgefordert! Die MLPD steht mit ihrem ganzen Know-How an ihrer Seite!