International

Große Solidarität mit dem inhaftierten Journalisten Deniz Yücel

28.02.17 - Der vor vierzehn Tagen in der Türkei unter dem Vorwand von "Terrorpropaganda" inhaftierte 43-jährige Journalist Deniz Yücel erfährt weltweite Solidarität. Gestern wurde er kurz vor Ablauf der 14-Tages-Frist, in der er ohne richterlichen Beschluss in Polizeigewahrsam gehalten werden konnte, dem Staatsanwalt vorgeführt. Der Haftrichter ordnete an, dass Deniz Yücel in Untersuchungshaft kommt (rf-news berichtete mehrfach, zuletzt gestern). Diese kann in der faschistisch regierten Türkei ohne weitere Begründung auf fünf Jahre ausgedehnt werden!

Dem ARD-Studio Istanbul liegt das Vernehmungsprotokoll Yücels vor - aus ihm geht hervor, dass ihm die Ermittler mehrere Artikel aus dem vergangenen Jahr zur Last legen. Yücel berichtete mit Sachkenntnis und Engagement über den Kampf gegen die politische Unterdrückung in der Türkei, insbesondere über den kurdischen Freiheitskampf. In der Verfügung heißt es, Yücel habe in einem Artikel über ein Interview mit dem PKK-Führer Cemil Bayik vom August 2015 Aussagen Bayiks über den türkischen Staatspräsidenten wiedergegeben und die "Terrororganisation PKK als legitime Organisation" bezeichnet. In einem weiteren Artikel habe es über dem Foto von Erdogan den Titel "Putschist" gegeben, außerdem stehe im Text, Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan gründe - ohne auf andere Meinungen zu achten - seinen eigenen Staat. In einem Artikel vom 19.06.2016 habe Yücel PKK-Chef Abdullah Öcalan als "Oberkommandanten der PKK" bezeichnet und somit Propaganda für die Terrororganisation gemacht. Weiter wird ihm ein Artikel vom 12. Dezember vorgeworfen, wo er über die Überfälle der türkischen Armee auf die Bevölkerung von Cizre berichtet. Wie Yücel hält die Türkei mindestens 150 Journalisten gefangen, weil sie kritisch über Erdogans Staatsterror berichten.

Heute finden in zahlreichen Städten in Deutschland und weiteren europäischen Ländern Demonstrationen und Autokorsos aus Solidarität mit Yücel statt. Auch die MLPD und die Rote Fahne Redaktion erklären ihre uneingeschränkte Solidarität! Solidarität gibt es bis weit in bürgerliche Kreise hinein. So drucken mehrere überregionale Zeitungen heute eine ganzseitige Anzeige für die Freilassung des "Welt"-Korrespondenten; rund 300 Prominente haben unterzeichnet.