Politik

Proteste gegen VW-Chef Herbert Diess auf der Belegschaftsversammlung in Wolfsburg

Proteste gegen VW-Chef Herbert Diess auf der Belegschaftsversammlung in Wolfsburg
Wieder einmal Wolken über VW in Wolfsburg ... (foto: Andreas Praefcke/CC BY-SA 3.0)

Wolfsburg/Dortmund (Korrespondenz), 27.02.17: Rund 10.000 Kolleginnen und Kollegen waren zur der Belegschaftsversammlung von VW in Wolfsburg gekommen. Mit rund 20 Diskussionsbeiträgen gab es so viele Wortmeldungen wie sonst nie in Wolfsburg. Sie richteten sich vor allem gegen den VW-Markenchef Herbert Diess – aber auch die Abfindungen und Managergehälter der Vorstände wurden kritisiert, während die Belegschaft bluten soll. Diess hatte in den letzten Wochen auf eine Verschärfung des mit der rechten IG-Metall- und Betriebsratsführung ausgehandelten Zukunftspaktes gedrängt.

So forderte er unter anderem den Abbau einer dritten Schicht und wollte mehr Leiharbeiter entlassen als vereinbart. Dies hat all den Kolleginnen und Kollegen Recht gegeben, die den Zukunftspakt von vorne herein abgelehnt und bekämpft haben. Um die Wogen zu glätten, pfiff VW-Chef Matthias Müller Herbert Diess zunächst zurück. In einem Brief kritisierte Müller, dass in der Öffentlichkeit „der falsche und fatale Eindruck entstehe, dass es bei VW nur noch gegeneinander und nicht mehr miteinander geht.“ All dies zeigt die tiefe Krise der Politik der Klassenzusammenarbeit. Das ist gut so, denn sie hilft den Kolleginnen und Kollegen, sich von dieser reformistischen Fessel frei zu machen und sich im Kampf gegen die Abwälzung der Krisenlasten ihre Klassenselbständigkeit zu erkämpfen.

Zwei VW-Kollegen aus Kassel sagten zur Betriebsversammlung gegenüber rf-news: "Jetzt zahlen die uns eine Prämie von 2.905 Euro. Im letzten Jahr mussten wir um die Prämie kämpfen. Damals wollten sie erst mal Null zahlen. Aber jetzt, wo das Vertrauen in der Vorstand so stark erschüttert ist, da haben die so eine Angst vor der Belegschaft, da zahlen die so!". Und: "Was heißt denn das – keine Herabstufung bei der LOV1? Das ist doch Augenwischerei! Der Meister beurteilt mich doch. Der sagt doch ob ich Leistung gebracht habe oder nicht und stuft mich dann runter!“

Es geht nicht um die Einhaltung des Zukunftspaktes – wie Gesamtbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh fordert – sondern um den gemeinsamen Kampf der VW-Belegschaft gegen die Abwälzung der Krisenlasten.