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Internationaler Frauentag 2017 – so politisch und kämpferisch wie lange nicht

Internationaler Frauentag 2017 – so politisch und kämpferisch wie lange nicht
Kämpferisch und mit guter Laune begingen unter anderem in Deutschland viele Frauen den Internationalen Frauentag: Hier in Halle an der Saale (links) und Gelsenkirchen (rechts) (rf-foto; montage: rf-news)

09.03.17 - So politisch und kämpferisch wie in diesem Jahr war der 8. März lange nicht. Viele tausend Frauen unter anderem in London und Warschau haben bereits am Sonntag für ihre Rechte demonstriert. In Istanbul protestierten Tausende Frauen für ein "Nein" zu Präsident Erdogans Referendum über ein Präsidialsystem, das sein faschistisches System weiter stabilisieren soll. In Sanliurfa im Südosten der Türkei wurden 21 Leute verhaftet, die zum Weltfrauentag demonstrieren wollten – der Protestmarsch war zuvor verboten worden. Für gestern wurden in Istanbul und anderen Städten der Türkei alle Aktivitäten zum Frauentag verboten! Vergeblich, wie sich zeigte (siehe rf-news). Die Frauen der Welt werden sich nicht von ihrem Kampf um eine bessere Zukunft abbringen lassen.

Aus Paris berichtet eine Korrespondentin gegenüber rf-news: "Am 8. März zogen zwischen 2.000 und 3.000 Frauen in einer bunten, lauten, kämpferischen und jungen Demonstration durch Paris. Die Besonderheit: 35 Frauendemonstrationen und die Gewerkschaften CGT und SUD hatten zum Streik aufgerufen: Frauen werden für dieselbe Arbeit immer noch etwa ein Viertel schlechter bezahlt als Männer. Viele Kurdinnen nahmen an der Demonstration teil, einige Anti-Trump-Mädchen und -Frauen, viele riefen Slogans gegen die rassistische und sexistische Partei Front National."

Auch in Deutschland fanden in vielen Städten Aktionen statt. Aus Gelsenkirchen wird berichtet: "150 Powerfrauen und -mädchen diskutierten, sangen und demonstrierten unter dem Motto 'Wir stehen auf für eine Frauen-bewegte Zukunft'. Entsprechend des internationalen Charakters des Tages waren dieses Mal besonders viele Migrantinnen aus mindestens zehn Ländern beteiligt. Harter Kern der Trägerinnen waren Frauen und Mädchen von ver.di, Frauenverband Courage, Kommunalwahlbündnis AUF Gelsenkirchen, MLPD, REBELL und ROTFÜCHSE sowie Solidarität International."

Eine Korrespondentin aus Recklinghausen berichtet: "Unsere Aktivitäten zum Internationalen Frauentag begannen wir mit einem Brunch von Courage am 6. März, in dem wir über die Entwicklung und Bedeutung der heutigen internationalen Frauenbewegung sprachen. Als praktisches Solidaritätsprojekt wurde das Projekt aus Togo - Sitsope - vorgestellt, für das wir mit der gestrigen Aktion am 8. März 35,18 Euro an Spenden sammeln konnten. Auch wenn die Aktion verregnet war, so war sie doch kämpferisch. Ausgehend von Courage organisierten wir die praktische Solidarität für die von Werksschließung betroffenen Kolleginnen und Kollegen von Rexam/Ball."

Aus Halle an der Saale weiß ein Korrespondent zu berichten: "Seit 1990 fand in Halle (Saale) erstmals zum Internationalen Frauentag wieder eine Demonstration statt. Ein Bündnis aus dem Frauenverband Courage, DGB, Linke, Linksjugend, Grünen, REBELL, MLPD und SPD brachte dazu einen gemeinsamen Aufruf heraus. Am gestrigen Tag kamen 100 Menschen für Frauenrechte auf die Straße. Nach der Demonstration durch die Innenstadt gab es eine Abschlusskundgebung mit offenem Mikrofon.“

Aus Hamburg erreichte rf-news folgender Bericht: "In Hamburg gab es mehrere Demonstrationen und Aktionen zum Internationalen Frauentag. 1.600 Menschen demonstrierten unter dem Motto 'Sister's March'. Viele Frauen protestierten mit pinkfarbene Mützen unter anderem gegen sexistische Äußerungen von US-Präsident Donald Trump. 400 - vorwiegend Frauen - kamen zur Demonstration des Frauenbündnisses nach St.Pauli/Altona. Am Nachmittag freuten sich viele Airbus-Kolleginnen über Rosen und die Grußkarte der MLPD zum Internationalen Frauentag."

Auch in Lübeck wurde gestern der Internationale Frauentag begangen: "Wir waren heute wahrscheinlich doppelt so viele wie letztes Jahr bei unserer Kundgebung, wahrscheinlich 50 ständig Anwesende und viele Zuhörerrinnen und Zuhörer. Für die Kundgebung waren viele aktiv: Sie haben Plakate gemalt, Gebäck gebacken, Reden und Rosen vorbereitet, sich fein angezogen. Es war eine tolle Stimmung, da auch getanzt wurde etc."

Aus Mülheim an der Ruhr und Oberhausen wird berichtet: "Wir feierten einen wahrhaft internationalistischen Frauentag mit Beiträgen, die mutig auch von kurdisch und arabisch sprechenden Frauen gehalten wurden. Wir waren uns einig: Die Frauen der Welt müssen zusammenhalten und für unsere Rechte kämpfen. Natürlich wurden auch etliche Unterschriften gesammelt für das Internationalistische Bündnis und unseren Direktkandidaten."

Eine der bedeutendste Aktionen zum 8. März war dieses Jahr die ver.di-Demonstration von über 4.000 Pflegerinnen und Pflegern in Saarbrücken. Sie forderten mehr Wertschätzung ihrer Arbeit und genügend Personal auf den Stationen: "Die Demonstrierenden wiesen auf die Personalknappheit auf den Stationen hin und erklärten, dass Kranke eine kaputten Maschinen seien. Befremdlicherweise waren neben den Demonstrantinnen und Demonstranten auch die Krankenhausgesellschaft und die Landesregierung beteiligt, die die Misere zu großen Teilen zu verantworten haben. Ganz auf Seiten der Pflegerinnen, Pfleger und ihren berechtigten Forderungen steht jedoch die MLPD, die den Protest voll solidarisch untertützt."

Martina Stalleicken, neue frauenpolitische Sprecherin der MLPD, schickt Glückwünsche zum Internationalen Frauentag: "Die Kommunistin Clara Zetkin hatte vor 106 Jahren die Idee dazu – sie wäre heute stolz auf uns! Auch in Deutschland wurde der 8. März regelrecht wieder zurückerkämpft als ein gemeinsamer Höhepunkt der kämpferischen Frauenbewegung, beginnend vor allem durch Gewerkschafterinnen, linke und revolutionäre Frauen in den 1970er Jahren. Heute kommt man am 8. März nicht mehr vorbei: Die Befreiung der Frau ist gesellschaftliches Thema! Die Frauen der Welt sind herausgefordert – und sie nehmen diese Herausforderung an! ... Stärker als die Unterdrücker werden wir nur, wenn wir unsere Kraft zusammenbringen, uns organisieren, nicht jede für sich bleibt. Sich im sowieso schon voll gepackten Frauenleben zu organisieren, ist nicht immer einfach – aber es befreit! Solange es Kapitalismus gibt, wird es die besondere Unterdrückung der Frauen geben. Deswegen heißt für mich Befreiung der Frau auch Einsatz für den echten Sozialismus!"

Ein englischsprachiger facebook-User hat auf seiner Seite eine prachtvolle Sammlung historischer und aktuelle Poster zum Internationalen Frauentag angelegt. Die Poster können auch ohne facebook-Anmeldung angesehen werden.