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Opel: Weitere Betriebsversammlungen in Eisenach und Rüsselsheim

07.03.17 - Mit Spannung wurden auch in Eisenach die gestrigen Versammlungen zur Opel-PSA-Übernahme und damit zur Zukunft der Werke erwartet (siehe auch rf-news-Artikel von gestern).

Aus Eisenach berichtet ein rf-news-Korrespondent: "Selten war die Beteiligung bei einer kurzfristigen Versammlung so hoch. Die Stimmung war weitgehend nachdenklich, misstrauisch gegenüber den offiziellen Jubelphrasen bis trotzig. Wer Hoffnung hatte, dass es eine klare Aussage zur Zukunft der Werke gibt, der wurde enttäuscht. Außer der Zusage, dass die Pensionsverpflichtungen eingehalten werden, gab es nichts Greifbares für die Kollegen mitzunehmen. Von kämpferischen Kollegen wurden vor allem die Methoden der 'psychologischen Kriegsführung' angegriffen, dass mit Hilfe der Presse und selbsternannter Experten die Belegschaften schon eingestimmt werden sollen, dass wir nur Verluste machen und dass es nicht ohne harte Einschnitte und Arbeitsplatzvernichtung gehen könne. Dabei wurde besonders betont, dass es eine große Chance ist, jetzt mit den französischen Kollegen und Gewerkschaften gemeinsam gegen den Kurs von Tavares vorzugehen. Die französischen Gewerkschaften haben unter den Kollegen ein großes Ansehen als kämpferische Organisationen. Angesichts der Absicht von PSA, 'Synergieeffekte' zu erzeugen und damit 1,7 Mrd. Euro pro Jahr 'einzusparen', wurde nachvollziehbar ausgeführt, dass nur die 30-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich die Antwort der Arbeiter darauf sein kann. Ebenso wie auf die anstehende Strukturkrise der Autoindustrie insgesamt."
Aus Rüsselsheim berichtet ein Korrespondent über die gestrige Versammlung: "Heute hat europaweit gleichzeitig eine Informationsveranstaltung der Belegschaften stattgefunden. In Rüsselsheim war es die am Freitag unterbrochene Betriebsversammlung, die heute fortgeführt wurde. Der Opel-Vorstand war nicht zur Versammlung gekommen. Respektlos und unwürdig der Belegschaft gegenüber, dass der Betriebsrat die GM/Opel-PSA Pläne vorstellen musste. Erstmals seit langem gab es wieder zum Schluss eine Aussprache, die mit ca. 1.000 Kollegen sehr gut besucht war. Anhand der kämpferischen Beiträge aus der Produktion, entbrannte eine Auseinandersetzung in der Aussprache, an der sich viele Redner beteiligten - auch der IG-Metall-Bevollmächtigte. Es wurden zwei Wege deutlich:

  • Von den kämpferischen Kollegen wurde in die Tiefe gegangen  und herausgestellt, wie umfassend die Veränderungen in der Autoindustrie sein werden. Ehemalige Bochumer Kollegen berichteten über ihre Kampferfahrungen und dass Abwarten nichts bringt.
  • Dagegen versuchte der Betriebsrats-Vorsitzende darauf einzugehen, indem er behauptete, es wird zwar Arbeitsplätze kosten, aber er wolle dafür eine sozialverträgliche Lösung über Pension- und Altersteilzeit.

Das Märchen von den 'roten' Zahlen bei Opel wurde entlarvt, als eine Methode um weitere Erpressungen der Belegschaft auch unter PSA zu begründen. Aus der Belegschaft gab es einige Forderungen, so z.B. die 30-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich, Übernahme der Leiharbeiter und Kampf um jeden Arbeitsplatz."